Im Test! Dissidia: Final Fantasy NT

Final Fantasy begeistert Fans bereits seit über 30 Jahren. Bei einer solch langen Geschichte sind große All-Star Mash-Ups eine Selbstverständlichkeit. Bereits zwei...
Titel Dissidia: Final Fantasy NT
Japan 11. Januar 2018
Square Enix
Nordamerika 30. Januar 2018
Square Enix
Europa 30. Januar 2018
Square Enix
System PlayStation 4
Getestet für PlayStation 4
Entwickler Square Enix
Genres Brawler
Texte
Deutschland Nordamerika
Vertonung Nordamerika Japan

Final Fantasy begeistert Fans bereits seit über 30 Jahren. Bei einer solch langen Geschichte sind große All-Star Mash-Ups eine Selbstverständlichkeit. Bereits zwei dieser Spiele wurden als einzigartige Brawler entwickelt und erschienen jeweils 2008 und 2011 für PlayStation Portable. Auch wenn es nicht die beliebtesten Teile der Reihe waren, so haben sie sich eine treue Fanbase erschaffen, die sehnlichst den Konsolen-Port von Dissidia: Final Fantasy NT erwartet. Das ehemals für die Spielhallen in Japan entwickelte Spiel verspricht ein Zusammentreffen der größten Helden und Bösewichte in vollem High-Definition-Glanz. Hier findet ihr nun heraus, wie sich die Charaktere, die sich seit über 30 Jahre in euer Herz gekämpft haben, zusammen schlagen.

Passend zur Heimkonsolen-Veröffentlichung haben Team Ninja und Square Enix dem Spiel einige Extras verpasst. Darunter ein Story-Modus mit etwa – wie könnte es auch anders sein – 30 kurzen Zwischensequenzen, welche die Geschichte von Materia und Chaos erzählen. Zwei Götter, die sich im Krieg um eine sterbende Welt befinden. In alter Dissidia-Tradition prügeln sich die beiden aber nicht gegenseitig, sondern lassen das Fußvolk aus allen Hauptteilen der Final-Fantasy-Reihe die Arbeit für sich erledigen.

Dissidia: Final Fantasy NT spielt nach dem letzten Ableger der Reihe. Was natürlich bedeutet, dass sich die Helden und Antihelden bereits gut kennen und nur die Neuzugänge Noctis, Ace und Y’shtola sich nicht so ganz heimisch fühlen. Wie nicht anders zu erwarten handelt es sich bei den oft kurzen Zwischensequenzen um kleine Charakter-Passagen, die weniger daraus bestehen eine epische Geschichte zu erzählen, als vielmehr um eine Aneinanderreihung der Hauptmerkmale eines jeden Charakters.

Viel Kitsch, unzählige One-Liner und ein stoischer Cloud und ein stoischer Squall und eine stoische Lightning. Zum Glück lockert der Humor die Stimmung ein wenig und schenkt der Geschichte einen Hauch Parodie. Wäre die Geschichte von Beginn an mit diesem Augenzwinkern entwickelt worden, dann hätte man sich sicher lange an das Ergebnis erinnert. Leider nimmt sie sich viel zu Ernst und erwartet das selbe auch vom Spieler. Für jemanden, der sich nicht mit Materie auskennt, können die Zwischensequenzen absolut fremd und merkwürdig wirken. Es handelt sich um puren Fanservice, der weder sehr lang, noch besonders memorabel ist.

Lange haben die Fans gewartet, aber nun gibt es das ultimative Aufeinandertreffen der Final-Fantasy-Helden für die Heimkonsole.

Die optische Qualität steht in diesen Zwischensequenzen außer Frage. Die Charaktermodelle sind grandios in die Moderne interpretiert worden und wirken, auch wenn sie aus verschiedenen Welten und Zeiten stammen, wie aus einem Guss. Aber inhaltlich wirkt dieser Modus doch in einer gewissen Eile zusammengeschustert. Leider fühlt er sich nicht nur wegen seinem Inhalt etwas fremd an, auch weiß er sich nicht so ganz in das komplette Paket zu integrieren. Die einzelnen Videos muss man sich erst mit Materia erkaufen. Während man On- und Offline kämpft sammelt man diese Währung und schaltet nach und nach alle Zwischensequenzen frei. So kommt es einem mehr wie eine Playlist vor, die man sich in einer App oder auf einem Browser ansieht. Im Grunde handelt es sich nicht um Zwischensequenzen, sondern einfach nur um Sequenzen, die man sich unabhängig vom aktuellen Spielverlauf ansehen kann.

Leider war das auch schon der wohl wichtigste Zusatz für die Heimkonsolen-Fassung. Der Rest ist so ziemlich identisch mit der Spielhallenversion. Im Mittelpunkt und auch in ein paar Punkten daneben stehen die grandiosen 3-vs.-3-Kloppereien. Sie sind das Herz, die Seele und auch alles andere von Dissidia: Final Fantasy NT. Offline schlägt man sich allein im 3er-Team durch eine Horde von der KI gesteuerten Dreierteams, und Online sieht es auch so aus, nur dass es sich bei den anderen Charakteren um echte Spieler handelt. Doch mal ganz von vorne.

»Die Charaktermodelle sind grandios in die Moderne interpretiert worden und wirken, auch wenn sie aus verschiedenen Welten und Zeiten stammen, wie aus einem Guss.«

Startet man das Spiel, so hat man zunächst die Möglichkeit, aus einem Pool von Tutorials die Grundlagen des Kampfsystems zu erlenen. Im Grunde hat sich nicht viel seit den beiden Vorgängern geändert. Die Kamera folgt nur dem spielbaren Charakter und jeder Kämpfer auf dem Schlachtfeld hat neben der HP-Leiste noch einen Mut-Wert. Dieser gibt die Höhe des Schadens an, welchen man von den gegnerischen HP abziehen kann. Somit hat man zwei Grundangriffe zur Verfügung. Mit dem einen zieht man dem Gegner Mut-Punkte ab und addiert sie seinen eigenen und den anderen nutzt man, um seine gesammelten Mut-Punkte als Schadenspunkte auszuteilen. Der Clou: nach erteiltem Schaden fallen die eigenen Mut-Punkte auf Null und damit ist man einem Break gefährlich nahe. Dieser kommt zustande, wenn ein Kämpfer die Mut-Punkte eines anderen auf unter Null kriegt. Das führt zu einem erheblichen Bonus, der oft Matchentscheidend sein kann.

Dieses System, kombiniert mit 28 ausgezeichnet ausbalancierten und sehr unterschiedlichen Charakteren, sowie Beschwörungen und Extra-Skills bildet ein sehr strategisches und süchtig machendes Kampfsystem. Selbst nach hunderten Matches sitzt man jedes Mal an der Kante der Sitzunterlage, der Schweiß rennt einem die Stirn herunter und auch ohne Sprachchat schreit man seinen Fernseher lauthals an. Das optische und spielerische Spektakel, welches sich auf dem Bildschirm entfaltet, ist Segen und Fluch zugleich. Einerseits sieht es einfach atemberaubend aus und visualisiert fantastisch wie ein wahres Zusammentreffen der beliebtesten Charaktere aussehen würde, andererseits leidet die ohnehin schon stark eingeschränkte Übersicht unter den vielen massiv überladenen Effekten.

So simpel sich das Kampfsystem im ersten Moment anhören mag, es bietet so viel Tiefe und braucht vor allem sehr viel Zeit, um all die Feinheiten zu verstehen und das HUD richtig zu benutzen. Hat man den Dreh jedoch nach ein paar Stunden raus, sucht man eine Herausforderung nach der nächsten. Das befriedigende Gefühl nach einem hart erkämpften Sieg ist die beste Motivation, die man haben kann.

Der sehr dürftige Story-Modus wirkt überhastet und ist purer Fanservice. Viel mehr trennt die Heimkonsolenfassung nicht von der in den japanischen Videospielhallen.

Ein Grund, wieso die Lernkurve anfangs Schwierigkeiten hat, ist, dass man es versäumt hat, Tutorials für jeden Charakter einzubauen. So muss man selbst herausfinden, wie viele und was genau für verschiedene Angriffe jeder der Kämpfer zu bieten hat. Anders als in den anderen beiden Spielen wurde hier ohne Rücksicht auf Verluste der Rotstift angesetzt. So gut wie alle Rollenspiel-Elemente wurden komplett gestrichen. Es gibt keine Waffen und Rüstungen mehr zum Anlegen. Keine neuen oder verbesserten Fähigkeiten. Keine eigenen Angriffs-Bäume oder ähnliches. Jeder Charakter hat eine Handvoll vorgeschriebener Sets, welche die Angriffe festlegen. Es gibt zwar immer noch viel zu entdecken, aber für Einzelspieler fehlt somit der stärkste Anreiz für die Langzeitmotivation.

Als Belohnung für gewonnene Kämpfe winken bei Dissidia: Final Fantasy NT Lootboxen. Und zwar die gute Art von Lootboxen. Nach jedem Match hat man die Möglichkeit in die Schatzkammer zu gehen und sein Glück zu versuchen. Diese Boxen beinhalten neben unzähligen kosmetischen Items auch Hintergrundmusik und Charakter-Zeilen. Also nichts, was das Spielgeschehen an sich beeinflusst. Das besonders Gute daran: neben den Tickets gibt es auch ein paar Gil nach jedem Kampf und wenn man ein ganz bestimmtes Objekt unbedingt haben möchte, kann man es sich einfach im Shop kaufen. Alle Inhalte aus den Lootboxen sind separat erhältlich. Somit wird der perfekte Spagat geschlagen zwischen dem Reiz des Glücksspieles und dem Habenwollen eines bestimmten Gegenstandes. So werden Lootboxen richtig gemacht!

Final Fantasy Sports

»Und das war es auch schon. An wirklichen Gameplay-Modi werden neben den freien Kämpfen noch Herausforderungen und Kristallschlachten angeboten, die im Grunde auch nur eine reine 3-vs.-3-Geschichte sind. Somit ist der Inhalt für Solo-Spieler extrem überschaubar und bei weitem nicht genug, um an die Konsole zu fesseln. Auch wenn die Kämpfe mit der KI spannend sind, so weiß man doch, dass es sich nicht um echte Spieler handelt und einige Aussetzer sind in den Kämpfen deutlich sichtbar. Das zeigt zum einen den Spielhallenursprung, von dem es das Spiel nicht schafft, sich zu lösen. Zum anderen zeigt es auch, in welche Richtung Team Ninja und Square Enix mit Dissidia gehen wollten. Bei diesem Spiel handelt es sich um einen eSports-Titel. Weit mehr ein Sportspiel als ein Final Fantasy. Etwas Kurzweiliges und visuell Berauschendes, dass bei großen Events und Turnieren die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Ein nicht ganz unverständlicher Schritt, da eSports mit jedem Tag an Beliebtheit gewinnt. Aber besonders die Fans der ersten Dissidia-Spiele werden wohl stark enttäuscht sein, wenn sie sich alle Zwischensequenzen gekauft haben und dann nur noch der Online-Modus reizt. Dieser läuft jedoch ohne jegliche Probleme. Von hunderten Schlachten kam es vielleicht bei etwa vier zu heftigen Rucklern und Unterbrechungen. Bei der Geschwindigkeit und dem Spektakel, welches sich auf mehreren Ebenen abspielt, ist die stabile Verbindung ein riesen Plus.

Das ist Dissidia: Final Fantasy NT. Ein Spiel, dass die zwei Jahre Vorlauf auf den Spielhallenmaschinen genutzt hat, um ein absolut berauschendes Kampfsystem in visuellem Hochglanz zu bieten, alle Charaktere einzigartig zu machen und sie zeitgleich perfekt auszubalancieren. Aber auch ein Spiel, dass sich in keinster Weise von seiner Spielhallenvergangenheit trennen kann, und somit hauptsächlich für Spieler gedacht ist, die gerne in Gruppen spielen.«

 

Purer Fanservice, der sich viel zu ernst nimmt und komplett von dem Spiel abgeschnitten und in der Entwicklung übereilt wirkt. Dennoch sind für Fans einige besondere Momente zu erleben.
Das überarbeitete Dissidia-Kampfsystem bietet viel Tiefe, Komplexität und Strategie. Jedes 3-vs.-3-Match ist einzigartig und hochspannend. Kamera, Übersicht und HUD haben jedoch noch Luft nach oben.
In den Kämpfen wird reiner Bombast auf den Bildschirm gezaubert. Komplett flüssig und in jeder Sekunde beeindruckend. Dazu kommen die toll ausgearbeiteten Charaktermodelle.
Neue Arrangements altbekannter Final-Fantasy-Melodien. An sich gewöhnungsbedürftig, aber im Kampf ein Genuss. Sowohl japanische als auch englische Synchronsprecher treffen den Nagel auf den Kopf.
Zu wenige Modi, keine Charakter-Tutorials, gestrichene Rollenspiel-Elemente. Es fehlt an Abwechslung und Motivation für Singleplayer. Multiplayer hingegen kommen in den Genuss von schnellem Matchmaking und absolut flüssigen Kämpfen.