Im Test! Bayonetta 1+2 für Nintendo Switch

Reines Platin. Dies ist die höchste Auszeichnung, die man nach den Kämpfen und am Ende jedes Kapitels in beiden Bayonetta-Spielen erreichen kann. Eben diese...
Titel Bayonetta 1+2
Japan 17. Februar 2018
Nintendo
Nordamerika 16. Februar 2018
Nintendo
Europa 16. Februar 2018
Nintendo
System Nintendo Switch
Getestet für Nintendo Switch
Entwickler Platinum Games
Genres Hack & Slay
Texte
Deutschland Nordamerika
Vertonung Nordamerika Japan

Reines Platin. Dies ist die höchste Auszeichnung, die man nach den Kämpfen und am Ende jedes Kapitels in beiden Bayonetta-Spielen erreichen kann. Eben diese Wertung bekommt auch das Doppelpack für Nintendo Switch von uns. Denn mehr Spaß, Spielfreude, Eleganz und Wahnsinn in eine solch kleine Plastikverpackung zu kriegen ist praktisch unmöglich. Hideki Kamiya und sein Team Little Angels haben zwei wahrlich zeitlose Meisterwerke erschaffen, die es jetzt auch zum Mitnehmen gibt. Ein absoluter Hochgenuss für alle Sinne.

Fly me to the moon, let me play among the stars

Wer in den letzten Jahren als Action-Fan nicht im Koma lag, der weiß genau, um wen es sich bei Bayonetta handelt. Die hypersexualisierte Hexe mit hautengen Haaren, Schießeisen an ihren High Heels und der Vorliebe ihre Opfer im BDSM-Stil abzuschlachten. Alles an Bayonetta versprüht eine Energie voller Freude, Lebenslust und Macht. Wie arbeitet man einen solchen Charakter am besten überzeugend in eine kohärente Welt und Geschichte? Indem man sie komplett als B-Movie aufzieht, sie füllt mit klischeehaften fetten Italienern, knallharten Barkeepern und Monstern, so groß wie Planeten. Die eigentliche Rahmenhandlung beider Spiele dreht sich um den jahrhundertelangen Kampf zwischen den Lumen-Weisen und den Umbra-Hexen. Beide ausgestattet mit jeweils einem „Auge der Welt“, welche für die Existenz der Menschheit unabdingbar sind. Eine teilweise wirre Mythologie, die auf etwas unterschiedliche Weise in beiden Teilen aufgegriffen mit hier und da ein paar kleinen Zeitreisen garniert wird.

Doch wichtig ist weniger was erzählt wird, sondern wie. Der Charme und der Humor, den fast sämtliche Charaktere versprühen, ist atemberaubend, ebenso wie die Geschwindigkeit, die grandiose Art-Direction und die Regie. Wie Bayonetta selbst explodiert jede Szene auf dem Bildschirm und macht einfach nur Spaß. Dabei sind die Dialoge oft kitschig und kindisch, aber sie passen einfach zur Welt in die sie eingebaut werden. Der Versuch, ernstere Emotionen zu integrieren, gelingt überraschenderweise auch gut. Jedoch hauptsächlich im ersten Teil, wo die Bindung zu den Nebencharakteren etwas mehr Zeit hat zu gedeihen. Der einzige Punkt, den man beanstanden kann, ist der Hauptbösewicht in beiden Teilen. Zu ernst, zu böse nur um des Bösen willen und wortwörtlich nicht auf einer Augenhöhe mit Bayonetta. Hoffentlich kreiert Team Little Angel für den dritten Teil einen ebenso bedrohlichen, wie auch passenden Antagonisten für diese Welt. Während beim zweiten Teil nach knapp sechs Stunden nonstop Action die Credits über den Bildschirm laufen, benötigt man für das selbe Ziel etwa drei Stunden mehr beim Prequel.

Sexy Hexen, ein fetter Italiener, grandiose Präsentation und viel nackte Haut. Einfach alles schreit hier nach purem Spielspaß.

Grafisch und generell technisch geben sich die Switch-Ports keine Blöße. In 60 Bildern pro Sekunde schlachtet, stript und tanzt sich die Hexe über die Schlachtfelder und die Leichen ihrer himmlischen Gegner. Das Geschehen läuft so schnell ab, dass es einem wie ein heißer, sexy Fiebertraum vorkommt. Nur sehr selten kommt es zu kleinen Einbrüchen in der Bildrate. Vor allem wenn im Hintergrund zwei haushohe Monstrositäten gegeneinander kämpfen, während man im Vordergrund visuell anspruchsvolle Kombos aneinanderreiht. Generell gibt es jedoch ein großes Lob an die drei Programmierer, welche in den Credits für den Switch-Port genannt werden.

Optisch sind beide Spiele ein absoluter Hochgenuss. Das gilt sowohl für die technische, als auch die kreative Seite. Ohne jegliche Atempause schießt man von gigantischen Kathedralen, über Himmel und Hölle, über mächtige alte Zivilisationen bis hin zu modernen Städten. Dabei ist man zu Fuß unterwegs, aber auch auf dem Rücken eines Höllen-Rosses, auf einem Kampfjet, auf einem verfluchten Motorrad und noch so vieles mehr. Jedes Mal denkt man, dass es nicht besser, größer, mehr oder gar schneller werden kann und jedes Mal wird man eines Besseren belehrt.

Let me see what spring is like, On a-Jupiter and Mars

Dank der Kohärenz von dem was man sieht und wie man es spielt, die ständigen Herausforderungen und die Variationen im Gameplay bleibt man derart gefesselt an diesen Spielen, dass grafische Unzulänglichkeiten überhaut nicht auffallen. Mit der Ausnahme von ein paar Szenen, die beim Portieren offensichtlich vergessen wurden oder speziell auf der letzten Generation schon bereits schwer zu stemmen waren, sehen beide Spiele in ihrer überarbeiteten Form absolut zeitgemäß aus. Sie beeindrucken neben der hohen Geschwindigkeit vor allem noch mit den sagenhaften Charaktermodellen und Details. So entschwinden bei jedem Landen von Bayonetta kleine Schmetterlinge aus ihren Schuhen oder es sprießen wilde Blumen aus dem Boden beim Sprinten. Auch die Monsterdesigns wirken wie aus einem Guss und passen perfekt zur Welt. Wenn diese abstrakten, schönen und doch verstörenden Wesen dann kleine Sketche mit Bayonetta aufführen, weiß man einfach, dass sie in diese kranke und doch wundervolle Welt gehören.

»In einer Box werden zwei Meilensteine der Videospielgeschichte angeboten, die zusammen ein pures Feuerwerk an Spielspaß entfachen.«

Mit “Fly me to the Moon“ und “Moon River“ haben sich die Entwickler außerdem zwei Klassiker der Musik-Geschichte gesichert, die ebenfalls wie die Faust aufs Dämonenauge zu den Spielen passen. Ersteres wesentlich mehr, da das peppige Arrangement von Frank Sinatra als Basis diente, während “Moon River“ eher als Ballade bekannt ist und einen weniger mitreißenden Takt besitzt. Hinzu kommt, dass “Fly me to the Moon“ im ersten Teil sehr oft gespielt wird und man anfängt, es mit Bayonetta zu assoziieren. Im zweiten Teil dann auf ein neues und weniger passendes Stück umzusteigen fällt nicht sehr leicht. Der restliche Soundtrack muss sich jedoch vor diesen Klassikern nicht verstecken. Mit zeitgleich himmlischen und dämonischen Chören, sowie schnellen Jazznummern gibt es immer genug um nicht nur die Augen zu jeder Zeit an den Bildschirm zu kleben.

In other words, please be true

Mit vielen Schwierigkeitsgraden, freischaltbaren Galerien, nützlichen Kostümen und einem Gameplay, das nie zu alt wird, bieten beide Teile immensen Wiederspielwert.

Was kann man über das Gameplay beider Spiele sagen? Eigentlich dasselbe, was bereits für die Story und Präsentation gilt. Es ist voller Leidenschaft, voller Geschwindigkeit, voller Action und besonders voller Spielspaß. Mit fetzigen Kombos und verschiedene Waffen an allen vier Extremitäten schnetzelt und schießt sich die Hexe in das Herz aller Spieler. Dabei kann das Gameplay ebenso wie die Szenerie jeden Moment variieren. Nicht eine Sekunde kommt Langeweile auf. Intelligentes und experimentierfreudiges Spielen wird mit Heiligenscheinen belohnt, die im Tor zur Hölle dann für neue Fähigkeiten oder nützliche Items benutzt werden können. Zu bemängeln gibt es hier jedoch die Kamera, die nicht immer mit der hohen Geschwindigkeit des Geschehens mitkommt und einen guten Überblick verhindert. Doch in beiden Teilen sind die Kämpfe auf Hochglanz poliert und erlauben mehrere Durchgänge ohne den Hauch von Sättigungsgefühlen. Es ist fast unmöglich nach dem Durchspielen die Switch-Konsole komplett zur Seite zu legen.

Ansonsten unterscheiden sich die beiden Spiele nur in einigen Feinheiten. Der wohl größte und auffälligste Unterschied ist der wechselnde Director. Während Altmeister Hideki Kamiya beim ersten Teil noch Finesse, Ausdauervermögen, sowie Blut und Tränen von den Spielern erwartet hat, so ging es sein Nachfolger, Yusuke Hashimoto, beim zweiten Teil eher ruhiger an. Dieser Wechsel ist Fluch und Segen zugleich, denn obwohl die unmöglichen Quick-Time-Events aus Teil eins Geschichte sind, so fehlt es auf dem normalen Schwierigkeitsgrad an jeglicher Herausforderung.

Es ist fast unmöglich eine schlechte Wertung nach jedem Kapitel zu bekommen, womit im ersten Teil jederzeit zu rechnen war. Außerdem ist der strukturelle Aufbau genau spiegelverkehrt. Während Teil eins mit voller Geschwindigkeit auf den bombastischen Klimax hinzusteuert, explodiert der zweite Teil in den ersten beiden Stunden so sehr, dass Michael Bay eifersüchtig werden würde. Danach nimmt das Spiel wieder eine weniger unmenschliche Geschwindigkeit ein, die im Vergleich mit anderen Spielen immer noch jenseits aller Tachos ist.

In other words, I love you

»Wenn ihr eine Switch-Konsole habt, dann braucht ihr Bayonetta 1 + 2. Es gibt keinen Weg daran vorbei. In einer Box werden zwei Meilensteine der Videospielgeschichte angeboten, die zusammen ein pures Feuerwerk an Spielspaß entfachen. Heutzutage werden so selten Spiele erschaffen, die technisch und inhaltlich so viel Energie und Lust an den Tag legen und vom Spieler nur eines verlangen, und zwar Spaß zu haben. In jeder Szene und in jeder Animation wird die Liebe und Leidenschaft der Entwickler für diese Projekte verdeutlicht. Mehr kann man für sein Geld nicht verlangen.«

 

Sexy Stripper-Hexen, die Dämonen aus der Hölle beschwören, kämpfen gegen himmlische Lumen-Weise. Viel nackte Haut, fette Italiener und knallharte Barkeeper. Hier geht es heiß zur Sache, auch wenn die Bösewichte einen eher kalt lassen.
Wild, verrückt und so schnell, dass man kaum mitkommt. Unzählige Kombos, beeindruckende Fähigkeiten und viel Abwechslung. Spielspaß pur ohne jegliche Atempause.
Bis auf ein paar kleine Ausnahmen wurden beide Spiele erfolgreich in die heutige Zeit geportet. Die fantastischen Charaktermodelle und einzigartige Art-Direction machen ein unvergessliches Erlebnis aus den beiden Spielen.
Grandiose B-Movie-Synchronisation, die perfekt zu den Charakteren passt. Dazu unsterbliche Klassiker der Musik-Geschichte, gemischt mit wundervoll schrecklichen Chorgesängen und peppigen Jazznummern.
Beide Spiele nehmen zusammen etwa 15-20 Stunden in Anspruch, bieten jedoch viele zusätzliche Schwierigkeitsgrade, verschiedene Waffen, spaßige Nintendo-Outfits und On- sowie Offline-Herausforderungen. Der Wiederspielwert geht durch die Decke. Sexy Screenshots…