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Im Test! Soul Sacrifice

Bis heute leidet die Vita an einer krankhaften Unterversorgung an großen Exklusivtiteln, die einen Kauf für Jedermann rechtfertigen. Doch markiert Soul Sacrifice den Anfang des grandiosen Jahres 2013 für die Vita. Nun stellt sich die Frage, ob Keiji Inafunes neusten Werk tatsächlich ein Must-Have für die Vita ist und ihr den nötigen Verkaufsboost auch hierzulande bescheren kann. Mit Themen wie Verlust, Opfer und einer düsteren Atmosphäre machte man Werbung für dieses Spiel und hier liegen auch die Stärken des Exklusivtitels.

Die Story ist schnell dargestellt und weit weniger interessant, als die Mittel, mit denen sie erzählt wird. Nachdem man seinen eigenen Charakter erstellt hat, wird man sofort in das Spielgeschehen – oder besser gesagt das Gefängnis – geworfen. Das Ende der Welt ist angebrochen und der grausame Magier Magusar macht den restlichen Menschen mithilfe seiner Untergebenen das Leben zur Hölle. Man selbst sitzt in einer Zelle und muss mit ansehen, wie die Person aus der Nachbarzelle um sein Leben kämpft, dem anscheinend allmächtigen Magusar und seiner Macht jedoch unterlegen ist. Hier beginnt nun die Reise des Hauptcharakters, die sich komplett in dieser kleinen Zelle abspielt. Wie das funktioniert? Mit einem alten Buch namens Librom.

Das Böse bedrohnt den Helden und die ganze Welt. Wird man sie retten können?

Dieses sprechende und sich bewegende Buch erinnert im ersten Moment an eine Kombination aus Grimoire Weiss aus Nier und dem Buch aus “Evil Dead“, doch gewinnt es nach einigen Dialogen an Charakter und schnell werden die kleinen Dialoge eine tolle Abwechslung zu den Kämpfen. Librom ist in verschiedene Kapitel aufgeteilt. Jedes dieser Kapitel stellt eine neue Herausforderung in Form einer Mission dar.

Ließt man das Kapitel, so durchlebt man die Gedanken und Kämpfe des Autors. Auf diese Art lernt der Hauptcharakter die Macht und Magie zu kontrollieren, die nötig sind, um sich Magusar zu stellen und diesen zu besiegen. Zwischen den Kämpfen blättert man mit dem Touchscreen durch das Buch und lernt den Autor besser kennen, fühlt und leidet mit ihm. Diese unaufdringliche Touchscreen-Nutzung ist sehr gut in das Spiel eingebaut worden und man blättert sich mit Vergnügen durch Librom.

Dabei erfährt man nicht nur vom Autor, sondern auch von Librom ab und an einmal etwas über die ganze Hintergrundgeschichte und nach und nach baut sich das gesamte Bild der Story zusammen. Diese Art der Erzählung in Kombination mit dem düsteren Artdesign ist fantastisch und verlocktdazu, immer wieder die Vita anzuschalten und ein weiteres Kapitel zu lesen. Im Laufe der Geschichte lernt man besonders den Verlust kennen, der sich auch im Gameplay stark ausgeprägt wiederfindet.

Die Story profitiert stark vom düsteren Design und der dichten Atmosphäre, die von diesem und dem starken Soundtrack getragen wird. Man will mehr von der Welt sehen und dies verdankt das Spiel unter anderem der tollen Technik. Soul Sacrifice ist eines der schönsten Spiele, die im Moment für die Vita auf dem Markt sind. Selbst bei vielen Gegnern und mehreren Verbündeten läuft das Spiel flüssig und sieht fantastisch aus.

Auch wenn die Arenen meistens klein und nicht sehr vielfältig angelegt sind, so zeichnen sie sich doch durch viele kleine Details aus und auch die Texturqualität weiß zu überzeugen. Das Charakter- und Gegnerdesign ist ebenfalls äußerst gelungen und obgleich einige Gegner sich den Charakteren mehrmals in den Weg stellen, so sind sie dennoch schön designt. In manchen Passagen erinnern sowohl Design, als auch Atmosphäre an Dark Souls, was natürlich ein großes Plus ist, da dieses Spiel ebenfalls von dem düsteren Look profitierte.

Epische Schlachten brauchen einen epischen Sound. Mitsuda macht seinem Namen alle Ehre.

Für den Soundtrack zeichnet sich ein alter Hase der Videospielhistorie verantwortlich. Yasunori Mitsuda komponierte den Soundtrack für Soul Sacrifice und das merkt man fast jeder Note an. Mitsudas Musik zeichnet sich durch eingängige Melodien aus, die einen Fluss in die Spiele bringen, der Gameplay und Atmosphäre stark unterstreicht. Und bei diesem Soundtrack setzt der Komponist auf gigantische Orchesterstücke, die im Laufe der Pre-Release-Promotion schon gezeigt wurden.

Diese reißen den Spieler beim Kämpfen mit und vermitteln große epische Schlachten, die Soul Sacrifice tatsächlich besitzt. Sie treiben den Spieler voran und ganz besonders wenn man kurz vor dem Ableben steht, sollte man die Lautstärke aufdrehen und sich in den Kämpfen verlieren. Natürlich helfen dabei auch wuchtige Angriffe und Effekte, besonders da man sich mit den unterschiedlichen Elementen gegen die Horden von Gegnern kämpfen muss. So gut wie jeder Angriff hört sich kräftig und schmerzhaft an, was der Motivation im Kampf zugute kommt.

Ähnlich wie beim Soundtrack und den Effekten hat man bei der Synchronisation auch nichts dem Zufall überlassen. Ganz besonders Librom hört man gerne zu, wie er sich über etwas aufregt oder den Hauptcharakter tadelt. Doch auch die gelesenen Kapitel und Gedanken der Autoren werden von fähigen und motivierten Synchronsprechern gesprochen. Zwar gibt es keine deutsche Synchronisation, aber an der englischen gibt es nichts auszusetzen. Im Gesamtbild gibt es kaum etwas an Grafik und Sound negativ zu beurteilen und alles fügt sich zusammen in einer grandiosen dunklen Atmosphäre, die dem Spiel seine Einzigartigkeit verleiht.

In Sachen Gameplay wurden zwar auch eigene Ideen eingebaut, dennoch fühlt sich der Großteil der Kämpfe wie aus einem “Monster Hunter“ Spiel gezogen. Denn genau wie in Capcoms erfolgreichen Serie ist die Jagd und das Sammeln von Objekten ein großer Teil von Soul Sacrifice. Man streift in den kurzen Kapiteln über die mal kleinen, mal großen Arenen und jagt die Monster, die sich auf der Karte befinden. Dabei bekommt man Gefährten zur Seite gestellt, um die man sich kümmern und vielleicht sogar opfern muss. Und hier zeigt sich das Besondere am Gameplay von Soul Sacrifice.

Erinnert schon ein bisschen an Monster Hunter oder?

Im Kampf hat man eine gewisse Anzahl an Angriffen zur Verfügung, die auf verschiedenen Elementen basieren. Hier muss man darauf achten, dass der Gegner eine Schwäche oder Affinität zu diesen haben kann. Nicht nur das. Diese Angriffe kann man nicht unbegrenzt benutzen. Nach mehrmaligem Benutzen ist man nicht mehr in der Lage diese einzusetzen. Um sie erneut nutzen zu können sind sogenannte Lacrima-Punkte nötig. Diese erhält man manchmal von Librom, indem man diesem (k)eine Träne von den Augen wischt. Dies ist die Währung mit der man für verschiedene Extras zahlt, ganz besonders für zerstörte Waffen, Angriffe oder wenn man sich mit einem “schwarzen Ritual“ den Rest gegeben hat.

Diese ultimativen Angriffe sind sehr mächtig und können einen aus jeder noch so ausweglosen Situation ziehen. Doch auch hier geht es um das zentrale Thema Opfern. Um ein solches Ritual auszuführen muss man zum Beispiel 50% des eigenen Verteidigungswertes opfern. Das Problem hierbei ist, dass diese Statusbeeinträchtigung nicht nur für die angefangene Mission gilt, sondern auch für alle anderen die darauf folgen. Nur mit genügend Lacrima kann man diese rückgängig machen. Also muss man sich genau überlegen diese mächtigen Attacken einzusetzen.

Zusätzlich zu diesen schweren Entscheidungen kommt hinzu, dass man bei jedem Gegner die Möglichkeit besitzt, diesen zu erlösen oder zu opfern. Auf diese Weise steigt der Charakter die Leveltreppe hinauf. Entscheidet man sich dazu Monster zu erlösen, so erhält man Erfahrungspunkte, die bei einem Levelaufstieg der Gesundheit zugute kommen und beim Opfern der Angriffskraft. In vielen Fällen jedoch bedeutet ein Aufstieg nicht nur ein Boost für Gesundheit oder Kraft, sondern auch ein Verlust des jeweils anderen. Erneut wird man vor eine schwere Entscheidung gestellt und das macht Soul Sacrifice einzigartig und hart.

Opfern oder erlösen? Die zwei Seiten einer selben Medallie.

In einigen Kapiteln muss man gegen sogenannte Erzfeinde kämpfen, die Bosskämpfen gleich kommen. Besiegt man diese, so steht man wieder vor der Entscheidung. Erlösen oder opfern. Bei diesen Gegnern bekommt man nicht nur eine gigantische Menge an Erfahrungspunkten. Hier geht es um viel mehr. Erlöst man einen Charakter, so besteht die Möglichkeit, dass dieser in zukünftigen Missionen an der Seite des Hauptcharakters kämpft und somit vielleicht eine größere Angriffshilfe ist, als der Boost, den man durch das Opfern erlangen würde. Man muss sich wirklich Gedanken um seinen Charakter und auch über die anderen machen um das Beste aus dem Spiel zu holen. Besonders, da die kommenden Missionen sich je nach Entscheidung die man trifft verändern. Dieses gesamte System, das auf schweren Entscheidungen basiert, ist eine fantastische Ergänzung zum eigentlichen Kampfsystem und zur Atmosphäre.

Die Personalisierung in Sachen Angriff und Statuswerten ist ebenfalls gigantisch und motiviert den Spieler zum Erforschen und guten taktischen Kämpfen, denn am Ende jeder Mission wird man bewertet und erhält Belohnungen, die bei mehr erreichten Punkten üppiger ausfallen. Dazu kommen noch verschiedenen Siegel und Stempel, die man an seinen Körper binden kann um gewisse Attribute zu verstärken.

Das eigentliche Gameplay jedoch ist gewöhnliches Hack’n Slay alter Schule und kämpft mit den genretypischen Kameraproblemen, die ein ums andere mal verhindern Angriffen auszuweichen und Frust erzeugen können. Leider wiederholt sich das Geschehen auf dem Bildschirm auch zu häufig. Viele Gegner lassen sich auf die selbe Art und Weise bekämpfen und verwandeln das Kampfsystem nach einer gewissen Weile zu einem monotonen Ereignis. Und auch wenn das ganze Drumherum um die Kämpfe genial eingesetzt ist, so sind es dennoch eben diese, die 90% des Spiels ausmachen.

Keiji Inafune hat es trotzdem geschafft. Soul Sacrifice ist ein tolles Spiel. Es motiviert, es fesselt und überzeugt durch seine einzigartigen Entscheidungen, den Erzählstil und die düstere Atmosphäre. Grafik und Sound wissen zu begeistern und setzten dem ganzen Moral-Choice-System ihren Stempel auf. Wer eine Vita hat, sollte sich dieses Spiel unbedingt ansehen.

Leider ist die Luft nach einer gewissen Zeit raus und die monotonen Monster-Hunter Kämpfe fühlen sich ähnlich an. Dennoch kann man bis zum bitteren Ende in der Vita bleiben. Und das Ende kann auch schon bald kommen, denn der Spieler entscheidet selbst, wann er bereit ist gegen Magusar zu kämpfen. Wer sich jedoch zu früh siegessicher ist, der wird seinem Hochmut schon bald zum Opfer fallen.

Story: Die erzählte Story ist nichts besonderes, ganz anders als die Art und Weise wie sie erzählt wird. Das Tagebuch eines Magiers, welches den Spieler in seinen Bann zieht. Ungewöhnlich und genial.

Gameplay: Monster-Hunter ähnliche Kämpfe, die vom Schleier der Repetition umfangen werden stellen sich grandiosen Entscheidungsfreiheiten mit unumkehrbaren Konsequenzen für Spieler und Gameplay.

Grafik: Hübsche, kleine Arenen und tolles düsteres Design machen Soul Sacrifice zu einem der schönsten Spiele auf der Vita.

Sound: Bombastisch-böser Soundtrack von Komponisten-Legende Yasunori Mitsuda. Motivierend, episch, genial. Unbedingt anhören.

Sonstiges: Um die Kämpfe herum lässt sich so unglaublich viel machen und flüssige Online-Kämpfe mit bis zu vier Personen runden das Bild komplett ab.

von Rygdea