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Im Test! Luigi’s Mansion 2

Im Jahre 2002 erschien zum Launch des Nintendo Gamecube der erste Titel, der den nervösen Bruder des Videospiel-Superstars Mario zum Protagonisten machte. Mit einem Staubsauger im Stile von „Ghostbusters“ hat der namensgebende Klempner in „Luigi’s Mansion“ sich damals auf eine Geisterjagd gemacht. Nun nach mehr als zehn Jahren erscheint der Nachfolger Luigi’s Mansion 2 auf Nintendo 3DS. Ob Luigis portables Abenteuer für gruselige Spannung sorgt, erfahrt ihr in unserem Review.

Professor I. Gidd unterstützt Luigi bei der Geisterjagd

Eine knifflige Gruselei…

Professor I. Gidd lebt eigentlich in Frieden mit den verschiedenen Geistern in seinem Laboratorium, wo er paranormale Dinge erforscht. Als jedoch der Finstermond in sechs Teile zerspringt, muss Luigi diese Teile in fünf verschiedenen Geistervillen wiederfinden, um den Frieden im Nachtschattental wiederherzustellen. Der Professor stellt dem Klempner viele seiner verschiedenen Geräte bereit, darunter eine neue Version des schon aus dem Vorgänger bekannten Schreckweg 08/16, den Schreckweg 09/15.

Dieser modifizierte Staubsauger in Kombination mit einer Taschenlampe ermöglicht es Luigi, Geister unterschiedlicher Art zu fangen. Sobald sich diese durch das Licht der Lampe erschrecken, kann Luigi sie mit einem Kraftakt in seinem Staubsaugerbeutel lagern. Je nach Geister-Typ kann sich dieser Prozess über mehrere Minuten hinziehen. Das Abenteuer durch die diversen Spukhäuser gestaltet sich als sehr knifflig. Bevor ihr überhaupt in die Nähe der verschiedenen Mondsplitter gelangt, muss Luigi viele Rätsel lösen, die das Absaugen oder Abtasten aller möglichen Gegenstände in den vielen Räumen involviert.

So müsst ihr z. B. mit dem Schreckweg einen Deckenventilator mit Luftdruck drehen um einen Geheimgang zum nächsten Rang freizuschalten. Die meisten Rätsel wurden clever im Innenleben der Villen versteckt, so dass kaum auffällt, dass der Entwickler natürlich die Innenarchitektur um diese herum entworfen hat. Allerdings fällt auch auf, dass an vielen Stellen eine Lösung eines Rätsels übersehen werden kann, da man nicht jede mögliche Interaktionen mit einem Möbelstück oder einem anderen Objekt getätigt hat. Denn so gibt es auch noch die paranormale Düsterlampe, mit der man fehlende Gegenstände wieder ins Diesseits befördern kann. Aufgrund der großen Anzahl an verschiedenen Interaktionen kann es passieren, dass man bis zu einer Stunde in einem Level nicht voran kommt, da man ein sehr kleines Objekt nicht richtig untersucht hat. Auch ist es ärgerlich, dass man nur nach jeder Mission speichern kann. Da diese bis zu einer halben Stunde dauern können, hätte Nintendo es dem mobilen Spieler erlauben sollen, an jeder Stelle zu speichern.

Luigi stört beim Duschen…

Das Design der Villen und der diversen Geister ist Nintendo sehr gelungen. Fast jeder Raum besitzt Unmengen an kleinen liebenswerten Details, die glaubhaft daran erinnern, dass diese zu einem früheren Zeitpunkt bewohnt waren. Wenn hier von Villen gesprochen wird, muss auch gesagt werden, dass nur die erste Welt wirklich eine Villa ist. In anderen Gebieten findet ihr euch in Uhrenfabriken oder verlassenen Minen wieder. Der Abwechslungsreichtum verhindert, dass die verschieden Levels sich ähneln und bietet neue Möglichkeiten für kreative Rätsel. Nicht nur das Leveldesign ist dem Entwickler sehr gelungen: Die verschiedenen Geister sehen zwar keineswegs beängstigend aus, doch dafür sind sie umso charmanter. Während des Spiels trifft Luigi auf Geister von Divas, Hunden und klavierspielenden Genies. Jeder dieser Gegnertypen wurde auf indivuelle Weise vertont und passt zum humorvollen Gesamtton des Spiels.

Die Geister-Bosskämpfe gestalten sich natürlich etwas komplizierter als die anderen paranormalen Begegnungen. Um die Endbosse zu fangen, muss Luigi mit der Umgebung interagieren und so die Schwachstelle des Bosses entblößen. Diese Kämpfe geschehen meist in mehreren Stufen und bauen so genug Spannung auf, ohne zu viele Wiederholungen. Und an dieser Stelle muss auch gefragt werden: Wann habt ihr das letzte Mal ein Spiel gesehen, in dem eine Treppe ein Endboss ist?

Die Steuerung des Spiels ist auch gut gelungen. Es ist möglich sich per Neigung des Handhelds oder auch per Analogstick umzuschauen. Schaut man per Guckloch in verschiedene Räume, vermittelt die intuitive Sensoren-Steuerung sogar ein Gefühl des Voyeurismus, wenn man zum Beispiel zwei Geistern unbemerkt beim Ballspielen zuschaut. Ebenso effektiv ist der 3D-Effekt des Handhelds, der bei Luigis Abenteuer nicht zu aufdringlich eingesetzt wird, aber das Spielerlebnis durch die resultierende lebhafte Optik erweitert.

Im Gegensatz zum Vorgänger und manch anderen Mario-Spielen bietet Luigi’s Mansion 2 einen größeren Umfang. Insgesamt fünf Villen bieten mehrere Missionen von denen manche nur freigeschaltet werden, wenn man im Spielverlauf mehrere bestimmte Gegenstände gefunden hat. Dazu ist auch in jeder Mission ein „Buu-Huu“ zu finden, der meist an sehr gut versteckten Orten zu finden ist. Weiterhin hat Nintendo den Wiederspielwert des Spiels durch das Freischalten von Erweiterungen durch Geld und das Sammeln von verschiedenen Edelsteinen erhöht. Es gibt viel zu entdecken in allen möglichen Ecken der Gebäude, also ist Sorgfalt auf der Expedition gefragt.

Düster und atmosphärisch, doch charmant

Diese Spinne ist etwas groß…

In allen Belangen der Präsentation kann das Spiel nur gelobt werden. Nintendo hat Luigis Abenteuer düster und ein wenig gruselig, zugleich aber auch humorvoll und charmant inszeniert. Es ist erfrischend einen Teil des Mario-Universums zu sehen, der nicht ganz so freundlich wie der Rest des Mushroom Kingdom erscheint, sondern ein wenig düsterer ist. Der Gesamtton des Spiels ist natürlich insgesamt eher harmlos, die Zielgruppe ist immerhin etwas jünger, doch das ein oder andere Mal kann eine ruckartige Veränderung für kurze Schock-Momente sorgen.

Quietschende Treppen und mysteriöse Hintergrundgeräusche bilden einen sehr atmosphärischen Klangteppich, der dem Spieler ermöglicht, in das Grusel-Erlebnis einzutauchen. Die Musik orientiert sich dabei an vielen Klischees des Grusel-Genres. Selbst ein Theremin, welche man vor allem in Horror-Filmen der 50er-Jahre eingesetzt hatte, ist zu hören. Und sogar Luigi summt manchmal mit zur Musik!

Das Design der beiden Hauptfiguren Luigi und Professor I. Gidd überzeugt ebenso durch seine charmante Überzeichnung und eigenartige Vertonung. Das Erscheinen des Professor ist aufgrund seiner absuren Brille und der sehr liebsnwürdigen Gestik eins der vielen Highlights des Spiels. Das ulkige Lachen des Erfinders wird euch auch nicht so schnell aus dem Kopf gehen. Natürlich muss auch die schauspielerische Leistung von Charles Martinet gelobt werden (Unser Interview mit ihm findet ihr hier). Der Synchronsprecher von Mario, Luigi und Co. kommt hier zu Geltung wie in keinem anderen Mario-Spiel zu vor: In fast jedem Raum werdet ihr auf neue Reaktionen Luigis stoßen, die so charmant nervös sind, dass Schmunzeln vorprogrammiert ist. Dazu hat Nintendo eine ordentliche Prise Slapstick in ihr neues Adventure hinzugegeben. Der Klempner stolpert und fällt in allen möglichen Räumen der verschiedenen Villen.

Ein Must-Have für Nintendo-Fans

Es ist schon etwas länger her, dass Nintendo ein wirklich originelles Action-Adventure für eine Plattform entwickelt hat, doch Luigi’s Mansion 2 stellt quasi ein Comeback dar. Luigi’s Abenteuer überzeugt durch sein unterhaltsames Gameplay, dass sehr gut für den Handheld angepasst wurde.

An manchen Stellen hätte man sich doch eine durchgehende Speicherfunktion gewünscht und Nintendo ein paar Frustmomente sparen können, doch die cleveren Rätsel und die ungemein charmante Präsentation des Spiels lassen einen über diese Aspekte hinweg sehen. Wer nach Futter für seinen Cartridge-Slot sucht und auch nur etwas für den grünen Klempner übrig hat, sollte zugreifen.

         

Story: Die Handlung des Spiels bietet keine epischen Ausmaße und ist schnell erklärt, doch dies ist angemessen für einen Handheld-Titel. Die Dialoge zwischen Luigi und Professor I. Gidd wurden hervorragend lokalisiert und sind unterhaltend.

Gameplay: Fast in jedem Raum befindet sich ein cleveres Rätsel, deren Lösungen des öfteren überraschen. Desweiteren gestalten sich die Geisterkämpfe als sehr unterhaltend und abwechslungsreich. Die Bosskämpfe sind zudem hervorragend gelungen und an vielen Stellen auch fordernd.

Grafik: Besser hätte Nintendo Luigis Geisterjagd grafisch nicht präsentieren können. Die Zwischensequenzen sind wunderschön animiert und geprägt von sehr gutem komödiantischen Timing. Dazu sorgen noch interessante Partikeleffekte für eine beängstigende, aber auch freundliche Stimmung in den verschiedenen Villen, welche abwechslungsreiche Areale enthalten.

Sound: Auch soundtechnisch hat der Entwickler eine sehr gute Arbeit geleistet. Die Musik bedient sich mehrerer Horror-Klischees, die hier auf harmlose Weise die Atmosphäre verdichten. Ebenso grandios ist das Voice-Acting der verschiedenen Figuren und Geister.

Sonstiges: Verschiedene Extra-Missionen und einsammelbare Gegenstände erweitern den Umfang des Spiels. Auch das Hauptspiel an sich bietet mit fünf verschiedenen Villen genug Spielspaß für mehr als zehn Stunden.

von Final Radio