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Distant Worlds: Unser Interview mit Dirigent Arnie Roth

Arnie Roth bei einem PLAY! Konzert

Am kommenden Wochenende feiert die berühmte Distant Worlds Konzertreihe in München Premiere. Final Fantasy Fans und Videospielmusikfans freuen sich auf zwei (unterschiedliche) Konzerte am Samstag und Sonntag in München. Wir haben am Montag mit dem weltweit bekannten und gut gelaunten Dirigenten, Komponisten und Grammy-Gewinner Arnie Roth über Distant Worlds und Videospielmusikkonzerte geplaudert.

In unserem Interview erzählt er uns zum Beispiel über ein ganz neues Distant Worlds Konzept, an dem man derzeit arbeitet. Und, dass er sich bereits mit den Veranstaltern über eventuell folgende Konzerte in Deutschland unterhalten hat! Außerdem gibt es viele Einblicke rund um die Arbeit an Videospielmusikkonzerten. Viel Spaß!

Restkarten für Distant Worlds in Deutschland:

JPGAMES.DE: Werter Herr Roth, es ist eine Ehre, die Chance zu haben, mit Ihnen zu plaudern. Als Videospielfan danke ich Ihnen zunächst für ihr Engagement für die Videospielmusik und für ihre harte Arbeit in diesem doch für viele unüblichen Genre. Danke! Bevor wir tiefer einsteigen, möchte ich gern wissen, wie sie Deutschland, die deutschen Musiker und Musikfans wahrnehmen – Distant Worlds am Wochenende wird nicht ihr erster Auftritt hierzulande sein

Distant Worlds

Arnie Roth: Das stimmt natürlich! Ich bin mir sicher Sie kennen die Konzerte, die ich in Deutschland dirigiert habe. Die Konzerte an denen ich mit Thomas [Böcker, Produzent der Symphonic-Konzerte und von Final Symphony; Anm. d. Red.] und dem WDR-Rundfunkorchester gearbeitet habe, waren anders als Distant Worlds. In diesen Konzerten standen die Ansichten und Gedanken des Arrangeurs im Vordergrund. Man arbeitet mit den Urfassungen der Stücke, und nicht wie sie in den Videospielen vorkommen, dabei tritt man einen Schritt zurück und betrachten sie aus der Ferne. […] Man fantasiert damit und entwickelt sie neu. Das Arrangement steht im Mittelpunkt, und dies kann anders sein als die Gestik des Komponisten vom Original. Das ist anders und es ist keineswegs schlechter, ich möchte aber den Unterschied deutlich machen. Bei Distant Worlds verschreiben wir uns den Final Fantasy Themen, ganz nah an den Stücken, wie ihr sie aus den Videospielen kennt. Mit all den sinfonischen Möglichkeiten, die sich uns bieten.

Distant Worlds ist anders als die Konzerte, die Thomas [Böcker] gemacht hat oder andere Videospielkonzerte. Im Fall von Distant Worlds haben wir alle Lizenzen von Square Enix. Sie unterstützen uns mit hochwertigen Fotosequenzen und einigen Originalausschnitten. [Anm. d. Red.: Um Missverständnissen vorzubeugen: Auch Final Symphony und Symphonic Fantasies sind natürlich lizensiert.] Es ist ein faszinierender Prozess. Das hilft uns und unterstützt unseren Fokus auf dieses spezielle Konzert. Wir wollen die Musik aus der Final Fantasy Serie präsentieren, die eine riesige Bandbreite hat. Wir sind im sechsten Jahr der Distant Worlds Tour, aber kratzen immer noch an der Oberfläche. Wir haben 85 bis 95 Stücke, aber es gibt noch so viel mehr zu entdecken. In vielen Fällen durch orchestrale Arrangements, in anderen Fällen probieren wir auch neue Darbietungen von Final Fantasy Musik aus. Kammermusik zum Beispiel, kleinere Settings. Wir denken, dass wir dies zum Ende des Jahres erstmals präsentieren können. Es wird intime, ganz vertraute Musik von Final Fantasy. Es gibt da ein paar neue Dinge, an denen ich arbeite.

JPGAMES.DE: Es gibt also ein ganz neues Konzept?

Arnie Roth: Ja, aber natürlich eng an Distant Worlds gekoppelt. Der Name der Tour lautet „Distant Worlds: Music from Final Fantasy“ und diese kleinere Settings werden den Namen „Distant Worlds: Intimate Music from Final Fantasy“ tragen. Das gleiche Format, aber auf einem viel vertrauterem, intimeren Level. Genau genommen ein Streichquartett, ein Pianist, vielleicht ein Vocal-Solist. Wir haben jetzt etwa 9 bis 10 dieser Arrangements geschrieben, darunter auch Stücke für Solo-Gitarristen, Harfen, Blechbläser, solche Dinge. Es gibt vielleicht 15 Musiker, weil es es aus Kosten- und Platzgründen nicht immer möglich ist 100 Künstler unterzubringen. Das gibt und die Chance, Distant Worlds z. B. auch an Universitäten zu bringen, viel kleiner und intimer, aber dennoch mit den visuellen Effekten.

Es ermöglicht uns auch die Aufführung einiger Stücke, die nicht Teil der Distant Worlds Orchester-Tour sind. Manche Stücke passen einfach nicht dazu. Wir haben einige davon erstmals bei den Anniversary-Konzerten in London in der Royal Albert Hall ausprobiert. Square Enix London hat uns unterstützt und wir konnten etwa 30 bis 40 Minuten Kammermusik aufführen. „Dark World“ zum Beispiel.

Wir hatten sehr viel Spaß mit diesen fünf, sechs Stücken, darunter auch „Fight with Seymour“. Welche noch? Wir haben ein neues Chocobo Medley für dieses Setting. Eine kleinere Version. Es macht sehr viel Spaß. Es gibt besonders in den frühen Teilen der Serie viele Stücke, die nicht zum großen Orchester passen, die wir lieber in kleinen Kammerstücken präsentieren möchten. Ich freue mich sehr darauf.

Aber auch auf München freue ich mich sehr! Wir haben gerade die Proben gehabt. München ist wunderbar. Ein tolles Orchester. Wir werden eine wunderbare Performance bieten. Wir bringen z. B. „Dancing Mad“. Es ist unglaublich. Das Stück kommt am Samstag. Und weil wir am Samstag auch einen Chor dabei haben, wird der ganz besonders zum Einsatz kommen. Wir haben „Liberi Fatali“, „Fisherman’s Horizon“ und „Dancing Mad“, bei welchem eine fantastische Orgel zum Einsatz kommen wird. Am Sonntag ist es zu etwa 50% ein anderes Programm, dann haben wir zum Beispiel zwei Solo-Gitarrenstücke, darunter „Vamo alla Flamenco“ und „Dear Friends“. Und Susan Calloway ist mit dabei! Sie singt einige sehr populäre Stücke, darunter „Eyes on me“, „Suteki da ne“ und „Melodies of Life“. „Answers“ aus Final Fantasy XIV kommt auch, jedoch nur am Samstag, es ist… ich sage Ihnen, es ist wunderschön, kennen Sie es?

JPGAMES.DE: Ja, natürlich!

Arnie Roth mit Susan Calloway und Nobuo Uematsu (Foto: dailybruin.com)

Arnie Roth: Dieses Stück ist wirklich sehr beeindruckend. Es besitzt eine sehr interessante Geschichte. Uematsu-san hat damals Square Enix verlassen um unabhängig zu werden, aber für Final Fantasy XIV haben sie ihn wieder zurück geholt. Es ist ein Jammer, das sie die Schwierigkeiten mit Final Fantasy XIV hatten, aber dieses Jahr gibt es einen Relaunch. Dennoch muss ich sagen, einige Stücke die er für Final Fantasy XIV geschrieben hat, sind erstaunlich neu, wie ich sie von Uematsu-san noch nicht gehört habe. Ich habe schon sehr viel Musik von ihm gehört, aber die Dinge in Final Fantasy XIV sind wirklich atemberaubend und brilliant geschrieben. Es ist klasse, das er zurückkam. Fantastisch.

JPGAMES.DE: Final Fantasy XIV Producer Naoki Yoshida sagte uns erst vor einigen Tagen, man habe Pläne, ihn für neue Musik in Final Fantasy XIV: A Realm Reborn wieder zu engagieren!

Arnie Roth: Das überrascht mich nicht. Dies war uns bereits bekannt. […] „Answers“ jedoch ist das Maintheme und die Stimme dahinter ist Susan Calloway. Wir haben das Stück aufgenommen, während Susan Calloway bei mir in Chicago war und Uematsu-san in Japan. Wir hatten ständigen Draht mit Japan zu dieser Zeit. Uematsu-san ist ein großer Fan von Susan Calloway geworden. Wir haben ihm mehrere Sänger angeboten, und er war sich schnell sicher, dass es Susan Calloway sein würde. Sie ist so begabt und singt tadellos und mit viel Gefühl. Und sie hat die Fähigkeit, die Uematsu-san sehr mag. Sie singt in diesem westlichen Pop-Stil. Selbst wenn einige Lieder nicht in diesem westlichen Pop-Stil gesungen werden können, wie zum Beispiel „Suteki da ne“, was doch eher einen etherischen Sound hat, schafft sie es dennoch dies fantastisch umzusetzen. Dieses Lied ist eine Art gesungenes Gedicht und es holt Susan ein Stück weit aus ihrem Element, doch trotzdem sie bietet eine unvergessliche Darbietung.

JPGAMES.DE: …das wird die englische Version von „Suteki da ne“ sein, denke ich!

Arnie Roth: Genau! Wir bleiben dabei, da es ihr etwas leichter fällt. Wir haben manchmal auch die japanische Version probiert, aber ins Deutsche haben wir es leider noch nicht übersetzt.

Zurück zu Ihrer ursprünglichen Frage. Meine bisherige Erfahrung mit den deutschen Fans ist fantastisch. Ich bin sehr gespannt darauf, wie die Reaktionen ausfallen werden, da die bereits gespielten Konzerte nicht so traditionell waren. Traditionell ist das falsche Wort, aber es war ein anderes Format. Es gibt eben keine 20-minütigen Interpretationen wie in Symphonic Fantasies. Ich würde Sie hier gerne etwas fragen. Glauben Sie die Fans wollen lieber die Originalversionen hören, statt längerer Arrangements?

JPGAMES.DE: Nach meiner Erfahrung bevorzugen viele Fans die Originalversionen.

Distant Worlds in London (Foto: Famitsu)

Arnie Roth: Das sind auch meine Gedanken. Wir leben in einer Zeit, in der die Leute sehr froh sind, dass es diese Videospielmusikkonzerte gibt. Ich habe schon überwältigende Reaktionen für längere Arrangements bekommen. Obwohl sie weit weg waren von den Originalstücken. Bei diesem Konzert aber ist jedes einzelne Stück sehr am Original, auch in den Fällen, in denen es keine Orchestermusik gibt. Ob ich die Arrangements gemacht habe oder jemand aus Japan oder jemand aus meinem Team unter meiner Führung. Ich denke da an „Dancing Mad“, gerade. Das Finale kommt vom Orchester und es ist sehr schwer, weil es eigentlich von einer Rockband gespielt werden müsste. Wir haben es auch bei den Anniversary-Konzerten gespielt. Dieser Part ist unglaublich schwierig zu spielen und hat dem Orchester schon einige Kopfschmerzen bereitet, doch wird die Aufführung dann umso schöner.

Viele der Stücke konnte ich nach München bringen und einige wird es auch 2013 und 2014 geben. Hier in München spielen wir am Samstag das neue Battletheme-Medley. Ein neues Medley aus „Clash on the Big Bridge“, „Fight with Seymour“ und „Those who fight“. Diese drei zusammen in einem Medley, ein großartiges Stück.

Auch das neue Chocobo-Medley von den Anniversary-Konzerten werden wir dabei haben. Es gibt viele neue Dinge und es macht so viel Spaß. Das Problem ist nur die Zeit. Die Zeit ist dein Gegner. Wir können nicht fünf Stunden performen. Aber wir haben in München den Luxus, zwei Konzerte zu gestalten und haben so genug Zeit, mehr zu präsentieren, was wir normal nicht schaffen würden. Es ist aber auch schwierig die Programme zu gestalten und keine Fans zu enttäuschen. Ein ausbalanciertes Programm zu entwickeln ist ein sehr kompliziertes Unterfangen und leider werden einige Leute am Ende immer enttäuscht sein.

JPGAMES.DE: Nein. Seien Sie sich sicher, wir haben in Deutschland sehr lange auf dieses Konzert gewartet und niemand wird enttäuscht sein!

Arnie Roth: Super, fantastisch! Schön, dass Sie mir das sagen. Die Veranstalter in München haben uns schon gefragt, ob wir nächstes Jahr wiederkommen. Es handelt sich um einen der größten Veranstalter in Deutschland und wir reden auch über andere Städte. Wir sind fast ausverkauft und der Sonntag ist zu Dreiviertel voll. Wir brauchen diese Unterstützung, der Veranstalter natürlich auch. Ich weiß, die Tickets sind teuer und das tut mir im Herzen weh.

Es sind sehr viele Leute, die da auf die Bühne kommen. Es handelt sich um eine sehr große Produktion, so dass man einen beachtlichen Preis zahlen muss für das ganze Orchester, den Chor, die Videoaustattung, und und und. Das kann man nicht ändern. Aber ich glaube es gibt dennoch genug Unterstützung, um 2014 wieder nach Deutschland zu kommen! Ich bin auch sehr zuversichtlich, dass es klappen wird. Im Juni sind wir erstmal in Wien, auch dort kann ich wieder einige neue Dinge ausprobieren und bald werden wir weitere Konzerte ankündigen.

Arnie Roth bei der Arbeit (Foto: bearcastradio.com)

JPGAMES.DE: Sie haben die visuellen Effekte in Distant Worlds bereits angesprochen. Welchen Beitrag leisten sie zur Musik?

Arnie Roth: Es ist einfach ein Augenschmaus. Jeder im Publikum hat diese Bilder so viele Stunden in den Spielen gesehen, und dennoch sind sie immer noch so schön zu betrachten. Auch die Lichtperformance ist aber wunderbar. Aber dies ist nicht der ausschlaggebende Grund, um das Konzert zu besuchen. Der Hauptgrund ist natürlich die Musik. Betrachtet man die Entwicklung eines RPGs, so stellt man fest, dass die Musik sehr komprimiert wird. Man braucht 90 Sekunden, die sich ständig wiederholen, den Spieler jedoch nicht vom eigentlichen Spiel ablenken. So versucht man die Lautstärke herunter zu regulieren. Nichts ist zu laut oder zu aufdringlich.

Nun stehen jedoch weit mehr als 100 Menschen auf der Bühne und nur dieses Stück aus dem Hintergund eines Spiels füllt einen gesamten Saal. Nur hier wird das Ausmaß deutlich, dass Uematsu-san zu Beginn bei der Komposition auf das Blatt zauberte. Es ist eben nicht so, dass die visuellen Inhalte die Musik bestimmen. Das Konzert bestimmt die visuellen Aspekte. Der Video-Operator, mit dem ich bereits viele Jahre arbeite, beginnt erst mit dem ersten Schlag meines Dirigierstocks. Das Orchester und ich geben dem visuellen Medium erst das Zeichen, sich uns anzuschließen.

Die Videos selbst sind also auch live, wenn man so will. Das ist faszinierend. Wenn wir nun andere Konzerte betrachten, zum Beispiel ein bekanntes Zeldakonzert, welches ich sehr gut kenne, dann erkennen wir den genauen Unterschied. Das gesamte Orchester hat buchstäblich Headsets auf dem Kopf und wartet auf das Zeichen, bis das Gezeigte ihnen sagt, dass sie anfangen können zu spielen. Es ist mit Aufnahmen für einen Spielfilm zu vergleichen. Spielen zu Bildern. Wir gehen einen anderen Weg. Distant Worlds ist ein echtes Live-Orchester-Konzert.

Video-Leindwand bei Distant Worlds

Die visuellen Inhalte sind unterstützend. Glauben Sie es oder nicht, die ersten Veranstalter waren der Meinung, Videospielmusik braucht auch einen Video-Aspekt, das war zu Beginn der Grund für die Nutzung des visuellen Mediums. Ich liebe es immer noch, aber die wahren Stars der Show sind das Orchester und die Solisten. Meine Erfahrung mit Final Fantasy Fans ist, dass sie das auch wissen. Klar kommen sie her und sind beeindruckt von den Visuals, aber wenn sie dann die ersten Noten von „To Zanarkand“ hören, dann gibt es die „Uhhs“ und „Ahhs“ und dann weiß jeder, warum er hier ist.

Wenn wir in Extase sind und es schneller haben wollen, aufregender, als im Videospiel, können wir das live mit dem Orchester machen. Es ist Live-Musik. Sie ist nicht statisch, man hört keinen Soundtrack. Wir sind an kein Format gekettet. Einziges Ziel ist es, eine wunderschöne musikalische Performance hinzulegen. So nah wie möglich an den Erfahrungen, die alle während des Spielens hatten. Alle sind sehr aufgeregt und vielleicht gibt es mal kurz Jubel, wenn ich einen Titel ankündige. Aber ganz schnell wird es ruhig und man kann eine Stecknadel fallen hören. Sie wollen jede Note hören und Orchester schätzen das, denn das ist sehr wichtig für sie. […] Wenig Applaus. Wir würden gern noch mehr machen, aber der große Feind ist wie gesagt die Zeit. […]

JPGAMES.DE: Eine Frage von mir persönlich. Werden wir „One Winged Angel“ hören?

Arnie Roth: Ja! In Symphonic Fantasies gab es ja nur einen kleinen Teaser und dann mit dem Rony Barrack Solo (lacht). Sie werden es definitiv hören. Ich sollte es vielleicht noch nicht verraten, aber Sie können sich wirklich darauf freuen. Wir probieren ein paar Dinge mit „One Winged Angel“. Wir haben zwar wie immer den Chor dabei, aber ich habe noch ein paar Tricks mit Uematsu-san die wir in Deutschland ausprobieren.

Den einen Tag machen wir es so, den anderen Tag so. Das ist so aufregend daran und wir haben noch mehr in Europa vor. Es ist schon beeindruckend, dass wir bereits im sechsten Jahr sind! Square Enix gibt die Lizenzen normalerweise für nicht länger als einen Monat aus, der Fakt, dass wir derart gewachsen sind, hat beachtliche Ausmaße.

Ich glaube auch bei Square Enix merkt man, dass es weitergehen muss. Zum Wohle der Fans auf der ganzen Welt. Es gibt noch so viele Städte, die ich besuchen möchte. Kuala Lumpur zum Beispiel! Wir waren im November dort und das Publikum war fantastisch. Es gibt so viele Orte zum Spielen. Wir waren auch noch nie in China, aber im Juli das erste Mal in Hong Kong. Ich freue mich bereits sehr darauf. Es gibt viele Wege, Distant Worlds zu entwickeln, eine davon ist die Kammermusik-Variante.

JPGAMES.DE: Werden Sie mit der Musik aus Final Fantasy und der Kammermusik zusammen auf Tour gehen?

Arnie Roth: Wir haben bereits Gelegenheiten, wo wir am Abend das ganze Konzert aufführen und die Kammermusik-Variante am Nachmittag. Aber natürlich wird es zur Abwechslung auch vorkommen, dass wir 4 bis 5 Mal in Folge nur die Kammermusik-Variante machen, dies jedoch in kleineren Sälen mit 500 bis 800 Sitzplätzen. Darauf achten wir, manchmal führen wir also nicht das große Distant Worlds-Konzert auf. Es ist einfach unterschiedlich von Fall zu Fall. Auf diese Weise können wir Distant Worlds auch in Veranstaltungsorten aufführen, welche das bisher nicht zuließen.

JPGAMES.DE: Gibt es ein Konzert, an welches Sie sich aus verschiedenen Gründen besonders gut erinnern?

Arnie Roth: Das ist eine schwierige Frage, da ich denke, dass es wohl ein paar herausragende Konzerte gab, aber das hat sowohl mit dem historischen Wert als auch mit dem Konzert an sich zu tun. Beispielsweise die Auftritte in der Royal Albert Hall. Der letzte davon war sicher großartig, aber der erste war ein ziemlich überraschendes Konzert, auch von den Fan-Reaktionen her. Japan in dieser letzten Tour war… wissen Sie, die Japaner neigen dazu sehr zurückhaltend mit ihrem Applaus zu sein, aber sie hatten sich da zum ersten Mal richtig geöffnet. Es war viel näher an einer „normalen“ Reaktion, wie wir sie sonst überall in der Welt erleben. Paris war fantastisch. Ich hatte zuvor noch nie ein Konzert wo so laut geklatscht und sogar gestampft wurde. Eine wirklich, wirklich großartige Reaktion.

Es ist in der Tat schwierig sich festzulegen. Manche Konzerte mögen mehrheitlich wegen der Geschichte erinnerungswürdig sein. Wenn ich das erste Mal an einem Ort auftrete, dann denke ich immer noch an die erste Vorstellung überhaupt in Stockholm im Dezember 2007 zurück um ehrlich zu sein. Das erste Distant Worlds-Konzert überhaupt. Es war an einem verschneiten Dienstagabend im Dezember, mitten in einer überfüllten Stadt. Uematsu-san und wir alle versammelten uns dort in Stockholm und das Orchester war so fantastisch, es war wirklich unglaublich. Aber es hat so lange gedauert bis wir den Sprung nach Europa geschafft haben, wir hatten alles versucht und ich muss sagen, dass sich die Orchester in Europa viel mehr davor sträuben selber Videospielmusikkonzerte zu veranstalten.

Distant Worlds in London

Die Arbeit mit dem WDR-Rundfunkorchester war hingegen ein interessanter Fall. Das Rundfunkorchester des WDR neigt dazu ein wenig querbeet zu spielen im Gegensatz zum normalen Orchester. Ein großartiges Orchester, ich liebe die Arbeit mit den Leuten dort. Aber der Punkt ist, dass Orchester nur zögerlich als Veranstalter auftreten und ich weiß wirklich nicht warum. Vielleicht geht es generell um die Wirtschaftlichkeit, also dass sie das Risiko als zu groß erachten, vielleicht denkt man aber einfach noch nicht fortschrittlich genug. In Nordamerika gibt es viele Orchester, welche Veranstalter geworden sind und sich nicht mehr nur für Produktionen anheuern lassen. In Europa sieht man das selten.

JPGAMES.DE: Aber das würde die Produktion von Videospielmusikkonzerten viel einfacher machen, oder?

Arnie Roth: Absolut! Es ist einfacher vom finanziellen Standpunkt. Das Orchester hat dann seinen eigenen Veranstaltungsort, seine eigene Konzerthalle und sie verdienen ihr eigenes Geld. Somit wird es viel erschwinglicher und sie machen tatsächlich mehr Gewinn, weil sie nicht all die Ausgaben haben. Es macht einfach mehr Sinn. Besonders bei Distant Worlds ist das Orchester der eigentliche Star der Aufführung und niemand sonst. Es macht also so viel mehr Sinn, wenn man als Orchester gleichzeitig auch Veranstalter ist. Und dennoch haben wir in Europa immer noch große Probleme die Leute davon zu überzeugen.

JPGAMES.DE: Ich vermute, dass sich das bald ändern wird. Wir haben so viele ausverkaufte Videospielmusikkonzerte, welche bald stattfinden. [Nach Distant Worlds folgt das bereits ausverkaufte Final Symphony am 11. Mai und Zelda Symphony am 28. Mai, zudem findet im November Symphonic Selections in Köln statt, Anm. d. Red.]

Arnie Roth: Da haben sie vermutlich recht. Es wird in der nahen Zukunft einige Änderungen geben.

JPGAMES.DE: Herzlichen Dank für dieses interessante Gespräch mit Ihnen und ich freue mich bereits auf das tolle Wochenende in München, wo wir uns wiedersehen werden.

Arnie Roth: Ich danke Ihnen!