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Angesehen! Wir waren zu Besuch bei der USK in Berlin

Am Freitag war es soweit: Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle, kurz USK, lud Gamer in und um Berlin zum Tag der offenen Tür ein – ein Event, das ich mir als Berliner und Gamer aus Leidenschaft definitiv nicht entgehen lassen konnte. „Aber halt, handelt es sich bei der USK nicht um genau die Schweine, die meinen uns Gamer bevormunden zu müssen!? Das sind doch die Typen, die anhand eines perfiden Würfelsystems jedes Spiel eiskalt zensieren und indizieren! Wobei „Zensur“ noch nett ausgedrückt ist, wenn man an die verstümmelten Versionen von Bulletstorm oder F.E.A.R. 3 hier zu Lande denkt.

Solche Bilder zieren die USK-Wände

Natürlich bildet diese übertriebene Aussage nur den Konsens von unzähligen, mehr oder weniger missmutigen Kommentaren, wie man sie immer wieder unter den neusten Berichten zu Alterseinstufungen, Indizierungen oder eventuellen Zensuren antrifft – aber es lässt sich auch nicht verleugnen das viele Gamer der USK nicht unbedingt wohlgesonnen sind. Und das obwohl das unscheinbare Gebäude in der Torstraße 6. nichts anderes – und ich wiederhole absolut nichts anderes ist, als der schon annähernd feuchte Traum eines jeden Gamers!

Wo sonst kann man ganze 34.000 Spiele und Trailer fein säuberlich angeordnet und katalogisiert in Decken hohen Regalen bestaunen, welche mühelos ganze Räume einnehmen!? Ein Bild für die (Gamer-)Götter! Wer hier noch nicht zu geifern anfängt, der sollte sich jetzt festhalten, denn was könnte für einen gestandenen Gamer schöner sein, als die pure Vorstellung die neusten Blockbuster Wochen und sogar Monate vor dem offiziellen Release ausgiebig zu spielen und das auf einer gut 30.000$ (!!!) teuren Xbox 360 (wahlweise auch PS3).

Und das vielleicht beste an der ganzen Sache ist der schlichte Umstand das dieser Garten Eden einfacher zu erreichen ist, als man vielleicht zunächst meinen mag! Was ihr dafür tun müsst um in den sehr bequemen Sitzsäcken (ja, die gibt es wirklich) der USK Platz zu nehmen? Ihr müsst euch einfach Anfang nächsten Jahres als sogenannter Sichter bewerben und vorweisen können, dass ihr der englischen Sprache mächtig seid, euch mit Videospielen auskennt und ein Händchen für Präsentationen habt – mehr nicht!

Natürlich sollten sich jetzt in erster Linie die Wenigen unter uns angesprochen fühlen, die schon zu Schulzeiten mit Referaten brillieren konnten, anderenfalls hat man wohl schlechte Karten sich gegen die anderen zahlreichen Bewerber durchzusetzen. Zwar erhält man nur eine Aufwandsentschädigung für die geleistete Arbeit, aber wenn man den Arbeitsplatz und dessen Vorzüge bedenkt ist das wohl ein annehmbares Kriterium. Doch wie läuft die Arbeit eines solchen Sichters eigentlich genau ab? Um diese Frage zu beantworten spare ich mir viele Worte und verweise lieber auf das von der USK bereit gestellte Video, welches den Arbeitsablauf schematisch darstellt:

 

 

Das Video hilft auch mit einigen Vorurteilen bezüglich der USK aufzuräumen! So ist die USK beispielsweise weder für Indizierungen, noch für irgendwelche Einschnitte verantwortlich – was ihr ja nicht selten zum Vorwurf gemacht wird! Genau genommen verhindert die USK sogar Indizierungen, denn ein Spiel mit einem USK-Logo darf gar nicht mehr indiziert werden. Von Zensur und der vorhin erwähnten Bevormundung kann im engeren Sinn auch nicht die Rede sein, denn Erwachsene dürfen prinzipiell alles spielen:

„Für sie ist der Zugang zu nicht gekennzeichneten und auch zu indizierten Spielen legal. Aus diesen Gründen kann nicht von Zensur gesprochen werden, die nach Artikel 5 des Grundgesetzes ohnehin verboten wäre.“ – Zitat der USK

Für mich und wahrscheinlich auch für alle anderen Besucher war der Tag der offenen Tür ein voller Erfolg. Ich hatte im Vorfeld keine Probleme mit der USK, aber nun ist mir diese Vereinigung, die stellenweise wie eine Gamer-WG wirkt, richtig sympathisch geworden. Das Team wirkt jung, dynamisch und eloquent und man fühlt sich sofort heimelig, was nicht zuletzt auch an den vielen sehr edel wirkenden Kunstwerken mit Videospielmotiven an den Wänden liegt.

Wahrlich ein Paradies…

Und wenn man jetzt noch meint, dass das alles Fassade ist, dann muss man mal auf einige Details in den Büroräumen achten, wie zum Beispiel die riesige Tafel im „Zockerraum“. Hier haben die Mitarbeiter eine eigene Liste verfasst über Videospiele, die man unbedingt gespielt haben muss. Für die Neugierigen unter uns hier ein paar Namen: Flower, Shenmue, Journey, Odin Sphere, Shadow of the Collossus, Eternal Darkness und noch viele mehr!

Die zweite Liste an der Tafel ist allerdings nicht weniger spannend, so wurden hier sämtliche Most Wanted-Titel der USK aufgelistet. Auch hier will ich euch nicht mit leeren Händen zurücklassen: Persona 5, Shin Megami Tensei IV, Call of Duty: Modern Warfare 4, BioShock Infinite, Half-Life 3 – um nur einige zu nennen. Sehr amüsant sind auch die aktuell laufenden Wetten, so geben die Mitarbeiter noch Monate vor Release prozentuale Wertungen zu bestimmten Titeln ab, um am Ende einen Vergleich ziehen zu können. Das neue Tomb Raider wird beispielsweise im guten 80-Bereich angesiedelt, während Metal Gear Rising eine eher schwache Quote von etwa 65-70% erhält.

Zum Abschluss möchte ich euch noch die Website der USK ans Herz legen, welche nicht nur vielleicht noch offene Fragen beantwortet, sondern auch interessante Statistiken bietet.

P.S. Sicherlich fragen sich einige von euch noch warum die Konsolen der USK so abnorm viel Geld wert sind, nunja, das liegt an ihrer Einzigartigkeit! Diese Konsolen sind in der Lage die frühsten Versionen der jeweiligen Games abzuspielen, da sie über Entwickler-Kits und ähnliches verfügen. Auch besitzen diese Konsolen beispielsweise einen grenzenlosen Zugang zu den Online-Stores von Microsoft und Sony – pauschal gesagt die USK zahlt für DLCs keinen müden Cent! Aber wie bereits gesagt: Ein Paradies für Gamer!

von Nero