360 Europa News PS3 Test

Im Test! Sleeping Dogs

Als inoffizieller Nachfolger der True Crime Reihe erblickt Sleeping Dogs mit etwas Verspätung nun doch das Licht der Welt (in Deutschland). Diese Verschiebung geht auf das Konto der USK, welche noch einige Modifikaionen an dem Spiel verlangte. Doch schlussendlich kommt es nicht auf den Gewaltgrad eines Spieles an, sondern darauf, dass dieses auch genügend Spielspaß bietet. Und Sleeping Dogs tut sein bestes, damit der Spieler so lang und so verrückt wie möglich durch das spielerische Hong Kong zieht.

Schönes Hong Kong.

Anders als in vielen anderen Open-World Spielen, welche sich besonders auf große Städte in Amerika als Szenerie konzentrieren, spielt Sleeping Dogs in Hong Kong. Die Stadt liegt komplett in der Hand der Mafia und ist voll von korrupten Cops, Auftragskillern, Drogendealern und ein paar wenigen naiven Polizisten, die glauben, sie könnten etwas am Zustand Hong Kongs ändern. Nicht nur, dass die Polizisten machtlos sind und jeder Verkäufer und Bürger sich vor den Triaden in Acht nehmen muss, hinzu kommt noch ein Bandenkrieg zwischen zwei verhärteten Fronten, geführt von alten Jugendfreunden, denen alles recht ist, um die Oberhand in Hong Kong zu gewinnen. Hier wird gemordet, gestohlen, gezinkt und verraten, bis sich die Balken biegen und niemandem kann man trauen. Nicht einmal die Familie ist sicher.

In GTA-Manier spielt man einen kleinen Glückspilz, der aus einem anderen Land in die verpestete Stadt zieht, um dort seinen eigenen Tätigkeiten nachzugehen. Und in üblicher True Crime-Manier handelt es sich um einen Undercover Agenten, mit dem Auftrag, die Triaden auszuspionieren und die Stadt so weit wie möglich aufzuräumen. Der Protagonist ist Wei Shen, geboren und aufgewachsen in Hong Kong mit den Bandenführern und einem nicht gerade kurzem Vorstrafenregister, sowohl in Hong Kong, als auch in den USA. Selbstverständlich spaziert Wei Shen nicht einfach nach Hong Kong und wird als alter Jugendfreund begrüßt. Wie in den meisten Open World-Titeln muss man sich am Anfang mit kleineren Aufträgen wie Erpressung und Schuldeneintreibung Respekt auf der Straße verschaffen, um größere Coups freizuschalten und in der Story voranzuschreiten. Auf dem Weg wird Wei immer wieder vor die Wahl gestellt: Polizei, Mafia oder Rache.

Die Kollegin hier hat immer recht.

Die Story wird in kurzen aber oftmals spannenden Sequenzen erzählt. Die gezeigten Charaktere, auch wenn sie Tiefe missen lassen, verhalten sich sehr realistisch und die Synchronsprecher tun ihr bestes um einem das Gefühl zu geben, wirklich unter Triaden zu sein. Von einem Satz auf den nächsten springen die Sprecher zwischen Englisch und Chinesisch umher. Leider ist die Mimik nicht so stark wie in vielen anderen Spielen und besonders bei Sleeping Dogs wird viel auf Emotionen, sowohl im Gesicht als auch in der Stimme, gesetzt. Trotzdem könnte man meinen, eine chineissche Form von The Departed rauscht über den Bildschirm. Sowohl was Stil, als auch Inhalt angeht, wenn jedoch nicht so intelligent und komplex.

Die Entscheidungen, die man im Laufe der Story trifft, wirken sich nicht nur auf den Verlauf der Geschichte aus, sondern haben auch direkten Einfluss auf das Gameplay, denn es gibt sowohl eine Respektleiste, als auch eine Polizei- und Gewaltleiste. Je nachdem, welche Missionen man annimmt, was man auf den Straßen Hong Kongs treibt und wie man bestimmte Situationen löst, fülen sich die Leisten. Bei voller Leiste kann Wei weitere Fähigkeiten freischalten, die ihm besonders im Kampf nützlich sind. So lernt Wei bei voller Gewaltleiste sehr brutale Attacken und bei voller Polizeileiste Fähigkeiten wie „Entwaffnen“. Was zunächst als Moral-Choice Dilemma scheint, wird bald jedoch komlett verworfen, denn man kann sowohl alle Cop-Missionen, als auch alle der Mafia absolvieren und jede Leiste füllen, ohne dass Wei sich mehr zur einen oder zur anderen Seite hingezogen fühlt.

Nahkampferprobt?

Dies ist besonders lächerlich, wenn man gerade halb Hong Kong in einem Polizeiwagen abgeschlachtet hat und in der nächsten Mission loben die polizeilichen Vorgesetzten die gute Arbeit von Wei. Ähhnlich beschränkt scheinen die Mafiosis zu sein. Aus dem Nichts taucht eine Person aus dem Ausland auf, von der kaum Daten existieren, die sowohl mit Fäusten als auch mit Waffen perfekt umgehen kann und man nimmt diese Person sofort in den engsten Kreis auf und vertraut ihr vollkommen nach ein paar kleinen Aufträgen und einem toten Feind. Den moralischen Entscheidungen fehlt in dem Spiel schlussendlich die Substanz. Die Respektleiste zeigt hauptsächlich, wie viel Einfluss Wei auf den Straße hat und welche Leute sich mit ihm abgeben. Je mehr Respektpunkte, umso bessere und größere Missionen und umso mehr freischaltbare Kleidung und Fahrzeuge.

Wie in GTA kann man Wei nach Belieben in Klamottenshops einkleiden. Sehr viel Auswirkungen auf das Gameplay hat dies nicht, aber die Anzahl an Kleidungsstücke ist absolut gigantisch und ür  Modefetischisten ist dieses kleine Feature ein gefundenes Fressen. Die Fähigkeit, sich unterschiedlich einzukleiden, ist jedoch nicht nur optional. In vielen Missionen wird von Wei als Undercovercop verlangt, sich für bestimmte Anlässe passend zu kleiden. Also muss man sich vorher Modetipps einholen und dann einkaufen gehen. Ein nettes kleines Gimmick, jedoch ohne viel Tiefgang und oft auch Sinn, da in den wichtigen Missionen Wei stets automatisch eingekleidet wird.

Klar: Schnelle Autos.

Fahrbare Untersätze dürfen in keinem Open World Titel mit belebter Innenstadt fehlen und so trifft man auch in Sleeping Dogs auf viele Vehikel in Hong Kong, welche man entweder klauen oder kaufen kann. Die Fahrphysik ist weniger realistisch als etwa in GTA und daher macht es richtig Spaß durch Hong Kong zu rasen, Rennen mit berühmten Street Racern zu fahren, die Polizei abzuwimmeln oder einfach ein paar Bewohner zu Klump zu fahren. Anders als das Kleidungsfeature ist das Beherrschen der Fahrzeuge notwendig, um im Spiel voranzuschreiten. Sehr viele der wichtigen Storymissionen beinhalten verschiedene Aktionen mit einem Fahrzeug. Bei einigen muss man behutsam hinter dem Ziel herfahren, damit man nicht entdeckt wird, bei anderen muss man wiederrum in einer wilden Verfolgungsjagd hinter dem Ziel herfahren und ihn durch gezieltes Rammen zum Stehen bringen. Besonders gelungen ist die Fähigkeit, im Fahren andere Fahrzeuge zu entern. Dies ist besonders spektakulär anzusehen, doch wie viele tolle Ideen, welche sich in Sleeping Dogs finden lassen, leidet auch diese daran, dass sie zu oft genutzt wird und sich alles zu repetetiv anfühlt.

Einer der wichtigsten Punkte von Sleeping Dogs ist natürlich das Kampfsystem. Da Hong Kong den Schauplatz des Szenarios bietet sind kräftige Handkantenschläge und ein paar Kung Fu Tritte unumgänglich. Zu Beginn des Spiel kann man sich nur auf seine Nahkampffähigkeiten verlassen, denn Waffen gibt es für einen kleinen Rookie noch nicht. Der Kampf fließt durch eine Kombination von Angriffen und Kontern über den Bildschirm und wirkt dabei oft wie gescriptet. Sehr gelungen sind dabei die Kampfanimationen und der Sound, welcher wirklich den Eindruck gibt, als würde jemanden heftig irgendwo reingehauen werden. Wei hat zudem ein großes Kombo-Arsenal. Zwar existiert nur eine Taste zum Angreifen, doch durch mehrmaliges Drücken und Halten in bestimmten Abständen lassen sich einige kräftige Kombinationen erreichen.

Ja, wo isser denn?

Dieses Kampfsystem macht höllisch viel Spaß und passt einfach perfekt zum Spiel. Daher ist es sehr schade, dass die Nahkämpfe sehr schnell den Waffengefechten weichen und später kaum noch Mann gegen Mann oder Mann gegen Horde gekämpft wird. Dennoch ein tolles Kampfsystem, was sehr gut mit einigen Free Running Sequenzen verschmilzt, bei denen man vor der Polizei flieht oder jemanden verfolgt und sich dabei durch die Händlerregale auf dem Basar kämpfen muss.

Begeht man ein Verbrechen vor den Augen einer Wache oder Streife, die ab und an mal durch die Stadt gehen, so wird man als Krimineller identifiziert und verfolgt. Dieser Aspekt ist zwar schon von vielen Spielen bekannt, aber die Polizisten in Sleeping Dogs sind hartnäckig. Es kann daher mehr als 15 Minuten dauern, Polizisten abzuhängen, denn diese folgen einem mit einer solchen Motivation wie ein hungriger Wolf einem Schickensandwish folgt. Aber wenn sie einen eingeholt haben, egal ob zu Fuß oder im Auto, kann man immer weiter fliehen und seinen Hals aus der Schlinge ziehen, daher ziehen sich diese Verfolgungsjagden oft sehr. Wird man jedoch mal geschnappt, so wird man sofort wieder entlassen und das alles hat nur ein paar Hong Kong Dollar gekostet. Außnahmen gibt es hier bei story-relevanten Missionen, da kann die Festnahme zu einem sofortigen Game Over führen.

Überzeugungsarbeit.

Was Sleeping Dogs besonders auzeichnet, ist die fantastische Atmosphähe Hong Kongs. In der Händlergasse tummeln sich alle möglichen Arten an Händlern, welche ihre Waren durch die Gegend schreien und diese aufdringlich anbieten. An vielen Eclen machen einem „Massage-Girls“ schöne Augen und sowohl die ärmlichen Plattenhochhäuser, als auch das Reichenviertel sind wunderbar in Szene gesetzt. Man könnte meinen, man befindet sich wirklich in Hong Kong. Die chinesische Kultur strotzt nur so aus jedem Pixel und wird durch passende Musik noch weiter unterstützt. Wie in GTA gibt es in den Autos Radiosender, welche man während des Fahres höen kann. Hier variiert alles von klassischer Musik, über verrückte chinesische Radioshows bis zu altasiatischer Instrumentalmusik.

Will man die Stadt erkunden, so kann man sich auf eine auf den ersten Blick große Anzahl von Nebenmissionen freuen, wie Drogenrazzias, Hahnenkämpfe und ein paar Gefallen für Einwohner. Was zunächst nach viel aussieht, zeigt sein wahres Gesicht jedoch schon ziemlich bald. Jede einzelne Drogenrazzia läuft genau gleich ab und Einwohner lassen sich leichter einschätzen. Man bekommt wieder und wieder die selben und oft auch viel zu simplen Nebenaufgaben vorgesetzt.

Fazit

Sleeping Dogs ist ein GTA-Klon, ohne sich dafür zu schämen. Und das muss es auch nicht. Das Spiel ist in vielen Bereichen der Konkurrenz von Rockstar sogar einen Schritt voraus, doch leider auf Kosten anderer, wo zwei Schritte zurückgegangen wurde. So besticht Sleeping Dogs mit einer fantastischen Darstellung des Mafia-verseuchten Hong Kongs, einer spannenden Story und einem tollen Kampfsystem, doch leidet es an repetetiven Nebenmissionen, eine für diese Zeit nicht ganz angemessenen Optik und zu vielen kopierten Elementen aus anderen Spielen. Dennoch ist Sleeping Dogs ein grandioses Open World Spiel, welches dem Spieler sehr viel bietet und auf jeden Fall einen Blick wert ist.

 

 

Grafik: Gigantisches Hong Kong, viele Details, aber schlechte Mimik und oft matschige Texturen. (7/10)

Sound: Heftige Kampfgeräusche gepaart mit chinesischer Musik, tollem Sound und hitverdächtigen Synchronsprechern. Klasse! (10/10)

Story: Spannende, aber etwas simple und unglaubwürdige Geschichte, die voller interessanter Charaktere ist, von denen man jedoch gerne mehr erfahren hätte. (8/10)

Gameplay: Superbes Nahkampfsysten, dass leider im Laufe des Spiels sinnlosem Geballer weichen muss. Viele, jedoch repetetive Nebenaufgaben. Trotzdem sehr viel zu entdecken. (7/10)

Sonstiges: Unbeschreiblich tolle Atmosphäre im unverbrauchten Setting und viele eigene Ideen. (10/10)