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Im Test! Silent Hill HD Collection

Survival Horror in einer neuen Definition

Neben Metal Gear Solid, Devil May Cry, God of War und weiteren erfolgreichen Videospielen reiht sich nun auch das Silent Hill Franchise in die Liga der aufgemotzten HD-Collectionen, welche die berühmtesten Teile der Spielereihen auf einer Disk in High Definition auf den Markt bringen. Doch kann auch diese HD-Collection überzeugen? Können die neuen Konsolen die Atmosphäre und den Angstschweiß zurückbringen, welche die Originale ausmachten?

Spieglein, Spieglein an der Wand...

Bereits vor dem Spielen macht sich ein mulmiges Gefühl in der Magengegend breit. Nicht etwa weil das Cover so angst-einflößend wirkt, sondern eher weil der Umfang dieser Collection erschreckend klein zu sein scheint. Während bei God of War, Devil May Cry und den anderen Collections meist drei volle Spiele auf einer Blu-Ray geboten werden, so schafften es bei Silent Hill nur der zweite und der dritte Teil.

Obgleich diese beiden Teile zu den Höhepunkten der Serie zählen, hätte man sich doch einen weiteren Titel gewünscht. Sowohl der erste als auch der vierte standen zur Auswahl. Natürlich ist der Preis mit 40 Euro nicht allzu hoch angesetzt und der Umfang der Collection tut den beiden Spielen keinen Abbruch, dennoch scheint dies im Vergleich zu den anderen Collections eine Vorschau auf das Gesamtergebnis zu sein.

Willkommen in Silent Hill

Protagonist und Witwer James Sunderland steht vor den Toren von Silent Hill. In seiner Hand der Brief seiner Frau, die drei Jahre zuvor ums Leben kam. In diesem bittet sie ihn noch ein letztes mal in das damalige Urlaubsdomizil der beiden, Silent Hill, zu fahren. Von Verwirrung, Neugier und Hoffnung getrieben geht James der Bitte seiner toten Frau nach. In Silent Hill angekommen umgibt ihn dichter Nebel. Keine zehn Meter Sicht. Groteske Kreaturen füllen die Stadt mehr oder weniger mit Leben und gieren nach James‘ Körper.

Auf seinem Weg durch die Stadt trifft James weitere verlorene Seelen, die an diesen schrecklichen Ort getrieben wurden. Im Laufe der Story erfährt man ihre Motive und Absichten. Nun stellt sich die Frage…vor wem muss sich James am meisten Fürchten? Nicht selten erscheinen die anderen Personen verwirrt, krank und gefährlich. Die Monster, allen voran Pyramid Head, greifen ständig an und die mysteriöse, in Nebel getauchte Stadt scheint ein Eigenleben zu führen.

Was für ein süßes Häschen

Silent Hill 2 glänzt mit einer fantastisch erzählten Geschichte, voller glaubwürdiger Charaktere, die man wirklich versteht. Jede Entscheidung die man trifft führt einen weiter zum Kern des Mysteriums, welches James umgibt. Dabei wird man Zeuge wie sich seine Psyche immer mehr auf die Umwelt projiziert und selbst zu einer Bedrohung wird. Auch wenn sie am Anfang nur schleppend voran kommt, gewinnt die Story im Laufe des Spiels immer mehr an Fahrt und eine tragische Wendung nach der anderen schockt den Spieler. Nicht nur Horror pflastert den Pfad von James. Je weiter man in die Kleinstadt und seine Psyche eindringt, desto mehr weicht der Grusel, Trauer, Ekel und Verachtung. Themen wie Selbstmord, Missbrauch und Massenmord werden Teil von Silent Hill.

Erzählt wird die Geschichte in vorberechneten Sequenzen, die aus dem Original stammen und Textnachrichten, die man überall verstreut findet. Das sorgt für ein altmodischen Flair, der einen weiter in die Welt von Silent Hill rein zieht.

Erwähnenswert ist darüber hinaus die brilliante Regie dieser Sequenzen, die ein aufs andere mal zu beeindrucken weiß und den Alptraum so dicht an den Spieler bringt, dass er fast ein Teil davon wird. Jeder Horror-Film sollte sich eine Scheibe davon abschneiden. Zusätzlich zum Hauptspiel erscheint auch das Kapitel „Born from a Wish“, welches nur der Director´s Cut Edition von Silent Hill 2 beilag.

17 Jahre nach dem ersten Besuch in Silent Hill findet sich Heather Mason, Ziehtochter vom Protagonist des Erstlings, in einer Einkaufsmeile wieder. Doch auch hier ist nichts wie es scheint. Für Heather verwandelt sich das Einkaufszentrum zum Alptraum als das Licht erlischt, die Wände voll Blut anlaufen und mysteriöse Kreaturen sie aus dem nichts angreifen. Hinzu kommt ein verdächtiger Detektiv, der sie zu verfolgen scheint und die mysteriöse Sektenführerin Claudia, die Heather später nach Silent Hill lockt. Dort löst sich dann das Geheimnis um Heathers wahre Eltern und ihre Bestimmung.

Auch die Story von Silent Hill 3 weiß zu fesseln, besonders wegen der sympathischen (oder unsympathischen) Charaktere, welche alle von der fortgeschrittenen Technik profitieren und so runder und realistischer wirken. Wie im Vorgänger warten auch hier unerwartete Wendungen auf den Spieler. Man versteht, wieso Heather sich durch diese Tortur zwingt und das bringt einen näher an ihren Charakter. Doch die Tiefe und Metaphorik des Vorgängers kann nicht erreicht werden. Dennoch ist Silent Hill 3 allemal einen Blick wert.

HDH – High Definition Horror

Wo soll man hinzielen

Die Technik der Silent Hill Collection ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite profitieren beide stark von der HD-Aufmotzung, da die Umgebungen ekliger, dreckiger und grausamer denn je wirken. Wo man sich auch befindet, überall scheinen sich pulsierende Adern durch die Gebäude zu ziehen. So bekommt man das beklemmende Gefühl, dass selbst der Ort in dem man sich befindet einen beobachtet und stets angreifen kann. Die Charaktermodelle sind sehr vorbildlich überarbeitet worden, sodass besonders die Mimik realistischer wirkt.

Doch neben all diesen guten Umsetzungen leiden beide Spiele an Problemen, die einem sofort ins Gesicht schlagen. Im originalen Silent Hill 2 war der Nebel der Stadt eine bedrohliche Decke, die sich um James legte. Dunkel und schwer. Zwar tauchten ab und zu einige Gebäude und Bäume einfach aus dem Nichts auf, aber er erfüllte seinen Zweck. Die Atmosphäre war dicht und bedrohlich, wie der Nebel selbst. In der überarbeiteten Version hat man ein wenig mit den Filtern gespielt und der Nebel wirkt sehr künstlich und nicht mehr so bedrohlich. Beim ersten Spielen erscheint dies sehr unnatürlich und man muss sich erst eine Weile daran gewöhnen, besonders an die verkürzte Sichtweite. Ein weiterer Schnitzer, der einem ins Auge fällt ist der Schatten. Oftmals befindet sich dieser nicht dort wo er eigentlich sein sollte, was manchmal zu ungewollten Lachern führt.

Bei Silent Hill 3 sind die Nachteile noch schwer wiegender. So hat man mit heftigen Slowdowns zu kämpfen, während mehr als ein Charakter auf dem Bildschirm zu finden ist und teilweise auch so. Heather läuft dann in Super-Zeitlupe durch die leeren Gänge oder muss so gegen Monster kämpfen, was oft zu Frust-Aktionen führt. Auch das starke Kantenflimmern fällt negativ auf.

Diese negativen Effekte wären einigermaßen tragbar, wenn beide Spiele den Fokus nicht auf der dichten und bedrohlichen Atmosphäre legen würden. Ein ums andere Mal sieht man sich in die Welt und die Geschichte hineingezogen und man fiebert mit den Charakteren mit, bis diese technischen Fehltritte einen aus dem Geschehen reißen und vor Augen führen, dass es sich doch nur um ein Spiel handelt. Hier muss Konami schnell handeln und umfangreiche Patches auf den Markt bringen. Diese sind zwar Angekündigt, doch noch ohne ein genaues Release-Datum.

Ohren spitzen!

Einer der größten Stärken des Silent Hill Franchises war jeher die Sound-Kulisse. Von der bedrohlichen Stille, über das rauschende Radio und die nerven zerreißenden Laute der Kreaturen, bis hin zur unantastbaren musikalischen Untermalung von Serienkomponist Akira Yamaoka. Alles wirkt harmonisch, obwohl Rockgitarren Klänge, Schlürfgeräusche und ein rauschendes Radio kaum zu kombinieren sind. Die Entwickler haben es geschafft in beiden Spielen so mit dem Sound umzugehen, dass der Spieler nie weiß ob gleich etwas passiert. Man ist ständig unter Spannung und guckt alle paar Sekunden hinter sich um zu überprüfen ob da nicht doch etwas ist. Und damit spielt besonders Silent Hill 2. Durch die Atmosphäre und Stimmung wird das Gefühl erzeugt, dass zu jeder Zeit etwas geschehen könnte. Man ist sich nie sicher was hinter der nächsten Tür lauert, obwohl in den meisten fällen nichts passiert. Diese Art von subtilen und gezieltem Horror findet man heutzutage in kaum einem anderen Spiel und die machte die Silent Hill Reihe damals aus.

Mit dem Soundtrack von Silent Hill 2 hat Yamaoka damals einen Meilenstein gesetzt. Er kombinierte viele verschiedene Stilrichtungen zu einem Soundtrack, von dem so gut wie jeder Titel absolutes Ohrwurm-Potential besaß und später in den Nachfolgern und auch im Spielfilm benutzt wurde. Besonders bei den brilliant inszenierten Zwischensequenzen ist der Soundtrack das i-Tüpfelchen, welcher jede Sequenz einzigartig und oscarverdächtig macht.

Ein besonderes Feature der HD-Collection ist die überarbeitete Synchronisation für beide Teile. In Silent Hill 2 kann man noch selbst entscheiden ob man die Original-Synchro oder die überarbeitete Fassung haben möchte. Bei Silent Hill 3 ist nur letzteres möglich. Da die neuen Sprecher ihre Arbeit vorbildlich ausführen ist dies nicht negativ zu beurteilen. Als der zweite Teil damals erschien erntete er Kritik für die leb- und motivationslose Synchronisation, welche den ohnehin schon steifen Charakteranimationen noch einen drauf setzte. Die neue Sychronisation glänzt mit passenden und motivierten Sprechern, sodass die Charaktere wesentlich menschlicher wirken. Für Silent Hill 3 gilt das selbe, doch da ist der Unterschied nicht allzu groß, da die Originalsprecher schon solide Arbeit geleistet haben.

Jedoch zeigen sich auch hier gravierende Probleme, die durch die HD-Umsetzung entstanden sind. So ist bei Silent Hill 3 der Sound oft Asynchron zu den Lippenbewegungen, was natürlich ein No-Go im heutigen Spielezeitalter ist und den Charakteren Glaubwürdigkeit nimmt. Auch hier wurde Besserung durch einen Patch versprochen.

Der Zacken der aus der Krone bricht

Was funkelt denn da so schön?

Während beide Spiele sich in Sachen Story und Sound keine Blöße geben fällt das Gameplay etwas aus dem Rahmen. Dieses besteht hauptsächlich darin ein Objekt zu finden und es mit einem passenden anderen Objekt zu kombinieren. Dazu untersucht man neben Krankenhäusern und U-Bahnstationen noch Wohnsiedlungen, Jahrmärkte (Highlight!) und viele weitere Orte. Die Angst einflösende Atmosphäre und die Kreaturen machen die Sache nicht gerade einfacher.

Auf der Suche nach dem passenden Schlüssel oder Schloss irrt man oft durch komplex aufgebaute Orte, was teilweise sehr lange dauert und einen schon frustrieren kann. Manchmal hat man schon alle Komponenten zusammen, weiß jedoch nicht genau was zu kombinieren ist. Außerdem übersieht man nicht zu selten wichtige Gegenstände in den dunklen Orten die man besucht. Diese werden nämlich meist nur durch die kleine Taschenlampe, die man am Körper trägt beleuchtet. Erschwerend kommen noch die verwirrende Steuerung der Protagonisten und die eigenwillige Kamera hinzu. Diese sorgt zwar mit der limitierten Sicht für eine Steigerung des Horrors-Faktors und der Unberechenbarkeit der Welt, doch bei der Suche nach Gegenständen, die meist winzig sind, wirkt sich das nachteilig auf den Spielfluss aus. Ganz schlimm ist dies, während Kämpfen auf engen Räumen mit mehreren Gegnern. Da die Protagonisten weder ausweichen können, noch sich schnell bewegen, noch besonders zügig angreifen versucht man oft verkrampft den richten Winkel mit der Kamera zu finden, was einige Zeit dauert. Diese Zeit hat man leider oft nicht.

Das Kampfsystem ist auch nicht ganz frustfrei. Zunächst geht man in Kampfposition und kann dann schnellere leichte Schläge oder langsame starke ausführen. Beide Varianten benötigen jedoch sehr lange “Aufladezeit“. Drückt man auf die Angriff-Taste, so dauert es meist mehrere Sekunden bis der Charakter zuschlägt. Hat man es dann doch geschafft den Gegner nieder zu schlagen, so muss man auf diesen weiter einschlagen bzw. eintreten bevor dieser sich wieder aufrichtet. Zwar kann man auch zu den wesentlich effektiveren Schusswaffen greifen, doch die Armut an Munition verhindert einen häufigen Gebrauch. Dieses System, zusätzlich zur bockigen Kamera ist wohl das größte Manko an beiden Spielen. Doch der Atmosphäre tut das keinen Abbruch, es erscheint auch ein bisschen logisch, dass die Protagonisten keine Ausbildungen in Nahkampf genossen haben und die Schwäche und Zerbrechlichkeit der Charaktere bei Horror-Spielen einen großen Teil des Charmes ausmachen.

Besonders lobenswert an der Collection zu erwähnen ist die Tatsache, dass verschiedene Schwierigkeitsgrade eingeführt wurden. Nicht nur für die Kämpfe, sondern auch für die Rätseleinlagen. So kann man für beides zwischen drei Schwierigkeitsgraden entscheiden und sein persönliches Abenteuer kreieren.

Trotz allem ein Meilenstein

Obgleich ordentlich an der Grafikschraube gedreht wurde, neue Synchronsprecher angeheuert und Schwierigkeitsgrade eingeführt wurden, zählt die Silent Hill Collection zu den schwächsten HD-Umsetzungen. Dies liegt zum einen an dem etwas geringem Umfang, aber hauptsächlich an den technischen Schwächen, die besonders bei Silent Hill 3 ihre Wirkung zeigen. Es scheint, als hätte niemand das Spiel gespielt und die Qualität getestet bevor es auf den Markt gekommen ist.

Dennoch zählt diese Collection zu denen, die ich neben der Ico-Collection am stärksten empfehle. In der heutigen Zeit sind Survival-Horror Spiele rar wie nie zuvor, wenn überhaupt noch welche erscheinen. Und mit Silent Hill 2 erscheint einer der Höhepunkte der Survival-Horror Zeiten in HD. Selten empfindet man eine solche Angst, obwohl rein gar nichts passiert und je länger dieser Zustand anhält desto schneller schlägt einem das Herz und man wünscht sich ein Monster oder ein Schockmoment, doch gleichzeitig fürchtet man sich umso mehr davor. Einen solchen subtilen und gezielten Horror findet man auf keinem anderen Medium.

Darum hoffe ich, dass bald Patches erscheinen, die zumindest einige der Probleme lösen und darum bekommt diese Collection von mir eine uneingeschränkte Kaufempfehlung, da man nichts Ähnliches jemals in einem Spiel erlebt.

Grafik: Ordentlich restaurierte Optik mit altbekanntem, groteskem Silent Hill Flair. Schöne Charaktermodelle. Organische Welt. Dennoch bleibt es nur ein HD-Port. Störender Nebel (SH2) und nervende Slowdowns (SH3) inklusive. (7/10)

Sound: Brilliante Sound-Kulisse, die einem das Gruseln lehrt, gepaart mit fantastischem Soundtrack und motivierten neuen Sprechern. Einziges Manko: Lippenbewegungen asynchron zum Ton. (9/10)

Story: Erzähltechnik und Thematik auf allerhöchstem Niveau (SH2). Beide Teile glänzen mit einer dicht erzählten Story, die sich am Rande der Psyche befindet und den Spieler zugleich abschreckt und fasziniert, komplett getragen von menschlichen Charakteren. (10/10)

Gameplay: Teilweise ewig lange Suche nach des Rätsels Lösung. Bockige Kamera, nervige Steuerung und ein überholtes Kampfsystem sorgen für Frust. Doch separater Schwierigkeitsgrad für Kampf und Rätsel macht einiges wieder gut. (6/10)

Sonstiges: Zwei komplette Spiele, die jedoch keine sehr lange Spielzeit bieten. Bonuskapitel für SH2, multiple Endings und einzigartige Atmosphäre machen diese Collection zu einem Must-Have. (8/10)

Zusatz:Wenn die Patches alle technischen Probleme beheben, dann bekommt das Spiel 9/10.

von Rygdea