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Im Test! Silent Hill: Downpour

Als Silent Hill 8 auf der E3 2010 vorgestellt wurde, waren Fans zunächst wenig erfreut darüber zuhören, dass man den langjährigen Komponisten der Reihe, Akira Yamaoka durch einen westlichen Vertreter ersetzt hatte. Mit Daniel Licht am Pult fand man zwar einen durchaus würdigen Nachfolger, aber dennoch blieb eine gewisse Skepsis, denn was war nun eigentlich noch vom ursprünglichen Silent Hill übrig geblieben?

Schon der Wechsel zu einem westlichen Entwicklerstudio wurde nicht von allen Seiten positiv aufgenommen und nun sollte auch noch der Soundtrack seine unverwechselbare Handschrift verlieren!? Kein gutes Vorzeichen, doch die ersten Samples beruhigten die Fans etwas, genauso wie die Versprechen und Vorhaben der Macher sich vorwiegend am legendären zweiten Teil der Reihe zu orientieren, der auch nach über einer Dekade seinen Ruf als Horrormeisterwerk bravourös halten kann. Um das ganze noch etwas abzurunden bekam Silent Hill 8 den Titel „Downpour“ spendiert, was soviel heißt wie Regenguss. An und für sich sicherlich kein schlechter Titel, aber worum geht es denn nun genau in „Downpour“?

Wohin des Weges?

Der Spieler übernimmt die Rolle von Murphy Pendleton, einem Gefängnisinsassen der durch einen Unfall während eines Gefangenentransports mit einigen Umwegen in der kleinen Stadt Silent Hill landet. Warum Murphy überhaupt im Gefängnis saß ist zu Beginn genauso unklar, wie der dichte Nebel, der sich über die merkwürdig verlassene Stadt Silent Hill gelegt hat. Dass das unheimliche Städtchen mehr über Murphy weiß als diesem lieb ist, wird spätestens dann klar, als man anfängt verschiedene Hinweise auf Murphys dunkle Vergangenheit zu finden.

Die Auflösung des ganzen Spuks wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten, aber soviel kann man ohne Zweifel sagen: Die Handlung wird, wie für ein Silent Hill generell üblich sehr konfus geschildert und erinnert am ehesten an ein Puzzle, dessen Stücke ihr mühsam zusammenfügen müsst um das Gesamtbild zu erkennen oder kurz gesagt euch wird die Handlung nicht vorgekaut! Es gibt keinen Erzähler, der euch behutsam durch die Geschichte führt, stattdessen erlebt ihr eine merkwürdige Szene nach der Anderen und irgendwie erscheint alles keinen rechten Sinn zu ergeben. Erst wenn ihr auch abseits des Hauptpfands anfangt Dokumente und Briefe aufzusammeln kommt etwas Licht ins Dunkel, aber gerade dieses an sich komplizierte Konzept macht einen großen Teil des Reizes von Silent Hill aus.

Alte Hasen wissen also was auf sie zukommt, während Neulinge sich eventuell etwas schwer tun könnten, was durchaus fatal ist, denn gerade das Verfolgen der Handlung ist mit die größte Motivation das Spiel zu beenden, denn man möchte ja als eifriger Detektiv wissen, inwieweit man seine eigenen Gedanken richtig ausgelegt hat.

Unangenehme Gäste

Am reinen Gameplay hat sich nicht viel getan. Wie auch in den Vorgänger durchstreift ihr unheimliche Orte und Behausungen, immer auf der Suche nach einem Ausweg. Nicht selten sind dabei die hoffnungsvollen Ausgänge versperrt und lassen sich nur mit etwas Hirnschmalz öffnen, denn wie immer werdet ihr mit zahlreichen Rätseln konfrontiert, die eure Kombinationsgabe auf die Probe stellen. Des Rätsels Lösung sind dabei fast immer Gegenstände, die ihr unterwegs ausfindig machen müsst.

Hin und wieder werdet ihr aber auch auf die Suche nach bestimmten Zahlencodes geschickt, die ihr nur mit gründlicher Recherche ausfindig machen könnt, so wird manch eine Zahl beispielsweise erst unter UV-Licht sichtbar. Habt ihr also keine UV-Lampe dabei, so habt ihr gelinde gesagt ein Problem! Die teilweise recht kniffligen Rätsel sind ein fester Bestandteil des Spiels und sind mit Sicherheit auch nicht jedermanns Sache. Glücklicherweise bietet auch „Downpour“, wie auch schon seine Vorgänger, die Möglichkeit den Schwierigkeitsgrad der Rätsel zu vereinfachen. So werdet ihr direkt bei Beginn eines neuen Spiels gefragt, ob ihr den Rätselmodus lieber auf „Einfach“ oder eher „Schwer“ haben wollt. Je nachdem wie ihr euch entscheidet verändern sich die Rätsel im Spiel stückweise. So befindet sich auf „Einfach“ ein bestimmter Gegenstand gleich in eurer Nähe, während ihr diesen auf „Schwer“ in einem ganz anderen Gebäude suchen müsst.

Die Ruhe vor dem Sturm

Wie ihr vielleicht anhand des Textes schon gemerkt habt, ist die Welt von „Silent Hill“ relativ frei begehbar, sodass ihr euch bei Betreten der Stadt völlig frei entscheiden könnt, ob ihr der Handlung folgt oder doch lieber eins der rund ein Dutzend zur Verfügung stehenden Nebenquests absolviert. Die letzte Nebenaufgabe wird im übrigen erst während eines zweiten Durchgangs freigeschaltet.

Leider verspricht euch die Karte von Silent Hill aber mehr Freiraum als ihr tatsächlich habt, denn oftmals sind ganze Straßen durch Unrat oder erdbebenähnliche Risse blockiert, sodass ihr letztendlich doch gezwungen seit vorbestimmten Pfaden zu folgen. Auf diesen Wegen werdet ihr nicht selten von unansehnlichen Monstern angegriffen. Ob ihr diese bekämpf oder einfach vor ihnen wegrennt ist dabei euch überlassen. Ihr könnt das gesamte Spiel auch abschließen ohne auch nur einen einzigen Gegner zu töten. Entscheidet ihr euch stattdessen für eine direkte Konfrontation seit ihr aber auf weit mehr als nur eure blanken Fäuste angewiesen. Aber auch das ist kein Problem, denn auf eurem Weg findet ihr neben Rätsel relevanten Dingen auch unzählige Waffen, wie beispielsweise eine Feueraxt oder auch eine Schrottflinte.

Aber Vorsicht: Munition ist rar und Schlagwerkzeuge gehen nach einiger Zeit unwiderruflich kaputt. Die eigentlichen Kämpfe laufen dabei sehr simpel ab. Eurer Gegner kommt auf euch zu und ihr schlagt per Knopfdruck zu. Nach ein paar Schlägen liegt der Unhold am Boden und windet sich vor Schmerzen. Nun könnt ihr ihm den Gnadenstoß geben oder eures Weges gehen – das ist eure Entscheidung. Je nachdem wie ihr euch nun verhaltet beeinfluss dabei allerdings das Ende. Abgesehen davon werdet ihr im Verlauf der Handlung auch in einige Situation geraten, in denen ihr euch entscheiden müsst, ob ihr Hilfe leistet oder es bleiben lasst. Schade ist dabei nur das eure direkte Entscheidung sich eigentlich gar nicht auf die Situation an sich auswirkt, sondern nur auf eins der möglichen sechs Enden. Ein Umstand der allerdings erst in einer zweiten Runde auffällt.

Seit ihr von der ganz frommen Sorte Spieler, die sich auf keinen Kampf einlässt, so werdet ihr dennoch nicht um Action herumkommen, denn einige Passagen im Spiel zwingen euch nämlich vor einer merkwürdigen Anomalie wegzurennen, die euch ansonsten wie ein schwarzes Loch aufsaugt. Diese Abschnitte geben euch das Gefühl wie eine Ratte im Labyrinth zu sitzen, denn Wegrennen ist eure einzige Option, nur das ihr den richtigen Weg nicht kennt und dieser durch unzählige Gabelungen und Tricks verschleiert wird. Oftmals ist das Aufkommen der Anomalie auch mit dem Auftauchen der sogenannten Anderswelt verbunden, die die altbekannte Welt in eine rostige Hölle verwandelt und euch eine besonders obskure Umgebung zeigt, die mit der uns bekannten Realität nicht viel gemeinsam hat und generell nicht viel von Naturgesetzten hält.

Das Abtauchen in die Anderswelt ist mit Sicherheit einer der denkwürdigsten Momente des Spiels. Weniger denkwürdig, dafür aber ganz auflockernd sind die vielen kleinen Geschicklichkeitsaufgaben, die ihr bewältigen müsst. So müsst ihr hin und wieder über einen Baken balancieren, eine Rutschpartie mit Ausweichmanövern in Kauf nehmen oder euch durch einen mit sich bewegenden Nägeln gespickten Gang quetschen.

Eigentlich ganz Idyllisch...

An Abwechslung und Inhalt mangelt es „Downpour“ also nicht, woran es dem Spiel allerdings ganz offensichtlich mangelt ist die richtige Technik! An sich macht das Spiel optisch nicht besonders viel her und sieht teilweise wirklich arg veraltet aus. Hinzu kommen ständige Texturnachlader und unschöne Ruckler beim gehen. Als wäre das nicht schon schlimm genug gibt es auch noch ausschweifende Ladepausen und ab und zu einen Grafikfehler.

Darüber hinaus steuert sich das Spiel nicht immer flüssig und behindert sich nicht selten durch schnelle und feste Kameraperspektiven selbst. Loben muss man allerdings die netten Wassereffekte, wenn es regnet und auch Murphys Schadensmodell. Man sieht der Spielfigur nämlich richtig an, wenn sie verletzt ist. So schmücken Murphys Äußeres Kratzer, Risse und Blutflecken, die erst dann durch Zauberhand verschwinden, wenn man eins der vielen Medipacks verwendet. Ein schöner Effekt zur Kosten der Logik! Es ist wirklich bedauerlich das die offensichtliche Technik so grob ausfällt, während kleine Details sehr stimmungsvoll in Szene gesetzt werden.

Alles in allem ist Downpour ein gutes Spiel, das in erster Linie unter seinen technischen Unzulänglichkeiten leidet! Wer allerdings ein zweites Silent Hill 2 erwartet wird definitiv enttäuscht werden, denn auch wenn Downpour so seine Momente hat und des öfteren auch sehr unheimlich ist, so ist es ein verhältnismäßig schwaches Silent Hill. Auch kann man nicht verleugnen, dass das Spiel mittlerweile sehr amerikanisch wirkt, sowohl von der Inszenierung her, als auch vom Spielgefühl. Dem einen gefällst, dem anderen eher nicht!

Story: Wird zum Ende hin recht spannend und besitzt dank dem Puzzle-artigen Aufbau auch eine gewisse Tiefe, die eigenständiges Handeln und Denken voraussetzt.

Gameplay: Die Mischung aus Action und Rätseln stimmt und bietet dank einstellbaren Schwierigkeitsgrad auch für jeden etwas.

Grafik: Technisch sehr altbacken und mehr sehr vielen Defiziten versehen, sprich Ruckler, lange Ladezeiten, unschöne Animationen und Texturnachlader.

Sound: Sehr stimmig, wenn auch mit wenig Wiedererkennungswert. Es fehlen richtige Highlights…

Sonstiges: Umfangreiche Nebenquests, relative frei begehbare Stadt, recht hoher Wiederspielwert dank 6 verschieden Enden, Spielzeit kann sich sehen lassen.

von Nero