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Im Test! Yakuza: Dead Souls

Die Yakuza Reihe kann sich seit Jahren großer Beliebtheit erfreuen. Die Semi-Openworld Prügelreihe glänzte immer schon mit unterhaltsamen Stories und tiefgründigen Charakteren in einer Spielwelt, in der man viel Unternehmen konnte. Mit Yakuza: Dead Souls schlägt die Reihe nun einen neuen Weg ein. Das Spiel wandelt sich zu einem linearen Zombieshooter und möchte gern beantworten, wer in einem Aufeinandertreffen von japanischen Gangstern und untoten Horden gewinnen würde. Horror sollte hier natürlich nicht erwartet werden. Gelingt die Wandlung oder wären die Zombies lieber im Grab geblieben?

Eines jedoch direkt vorweg. Wer des Englischen nicht mächtig ist, wird nicht an Dead Souls interessiert sein. Denn die Sprachausgabe wurde bei Japanisch belassen und alle ingame Texte sind nur in Englisch verfügbar. Lediglich das Handbuch ist auf Deutsch. Ob es sich lohnt, sich in den Kampf gegen eine Vielzahl unterschiedlicher Zombietypen zu stürzen, oder man lieber zu anderen Genrevertretern greifen sollte, beantworten wir im folgenden Test.

Zu viert sind wir stark!

Zu viert sind wir stark.

Dead Souls ist aufgeteilt in mehrere Kapitel. In jedem Kapitel spielt ihr einen der 4 Hauptcharaktere. Chun Akiyama, Goro Majima, Ryuji Goda und Kazuma Kiryu. Ihr beginnt das Spiel mit dem Ausbruch. Während in den meisten Zombiespielen der Spieler einsteigt, nachdem die Welt schon völlig im Eimer ist, erlebt man hier das Chaos von Beginn an. Ihr erlebt wie Tokio nach und nach immer mehr zur Quarantäne Zone wird. Tokio selbst fühlt sich sehr lebendig an. Die Straßen sind von NPC bevölkert, man hört Gespräche und Geräusche des Stadtlebens. Während zu Beginn des Spiels Tokio noch relativ unbeeinflusst zugänglich ist, werden nach und nach immer mehr Bereiche zur Quarantäne Zone.

Die Story liegt Anfangs völlig im Nebel. Ihr habt keine Ahnung, wieso nun eigentlich passiert was eben passiert. Nach und nach lichtet sich der Nebel. Das erste Problem kommt allerdings direkt, denn das was sich hinter dem Nebel auftut, ist leider nicht grade sehr komplex, tiefgründig oder spannend. Komplett abschreiben sollte man die Story aber nicht. Ist sie auch insgesamt eher nur Mittelmaß, so weiß sie doch wenigstens ab und an mal für einen coolen Moment zu sorgen. Überwiegend jedoch bleibt sie eher einfach eine Rechtfertigung dafür, massenhaft Zombies nieder zu machen.

Wer nun auf eine der Stärken der Vorgänger hofft, tiefgründige toll inszenierte Charaktere, der wird leider auch enttäuscht. Obwohl der Cast von Dead Souls das Potential hätte, zum interessantesten bisher zu gehören, bleiben die Hauptcharaktere so blass wie bisher noch in keinem Yakuza. Dead Souls nimmt sich schlicht nicht die Zeit, die Charaktere auszuarbeiten und dafür zu sorgen, dass der Spieler an ihnen Interesse entwickelt oder eine Bindung aufbaut. So verkommen sie am Ende einfach nur zu einem Werkzeug das Spiel zu vollenden, anstatt zu coolen Zombie jagenden Gangstern für die man sich Interessiert.

Zwischen hui und pfui, die Technik des Spiels.

Zwischen hui und pfui...

Wer Yakuza Dead Souls zum ersten Mal startet, wird hoffnungsvoll feststellen, dass die Zwischensequenzen auf einem sehr guten Niveau sind. Und das gilt quer durch das komplette Spiel. Die Zwischensequenzen könnte man fast als kleines japanisches Dawn of the Dead vermarkten. Leider kommt die bittere Ernüchterung sobald das Spiel von der Intro Zwischensequenz ins Spiel selbst wechselt. Dead Souls sieht nicht gut aus, ganz im Gegenteil. Die Texturen sind verwaschen, alles in gewissen Entfernungen sieht nur noch flimmernd und verschwommen aus. Auch die Charaktere sehen nicht mehr berauschend aus, grade im Kontrast zu den Zwischensequenzen. Besonders verwirrend ist das wenn man sich den direkten Vorgänger, Yakuza 4 anschaut. Denn der sah deutlich besser aus. Und da praktisch dieselbe Engine verwendet wird, bleibt nur der Schluss, hier wurde keine so gute Arbeit wie im Vorgänger geleistet.

Zusätzlich tun sich die Entwickler keinen Gefallen beim Spieldesign. Nicht nur das die Grafik sehr schwach ist, überwiegend läuft man auch noch durch triste graue Gänge die von Zombies bevölkert werden. Grafische Höhepunkte sucht man einfach vergebens, sondern wird von grauer Tristesse erschlagen. Das geht so weit, dass es nicht falsch ist wenn der Spieler an manchen Stellen das Gefühl bekommt, das er hier eine sehr aufgemotzte PS2 Engine spielt.

Die Kamera, ein leidiges Thema in vielen Spielen ist auch hier weit entfernt von „gut“. Versucht der Spieler z.B. Beim Laufen die Kamera genretypisch mit dem linken Analogstick zu drehen, geht das zwar, aber anscheinend möchte die Kamera sich laufend selbst wieder hinter dem Charakter justieren. Sie Kämpft regelrecht gegen den linken Analogstick an, was sich auf dem Bildschirm dann in einem furchtbaren Geruckel und Zucken des Bildes äußert, das grade Leuten mit Motion Sickness große Probleme bereiten wird.

Für eventuellen Frust kann die Tatsache sorgen, dass es innerhalb der Missionen kein Speichern gibt. Zwar gibt es Checkpoints, die ganz gut gesetzt sind, aber wer innerhalb einer Mission die Konsole ausschalten muss, hat Pech gehabt. Die Checkpunkte dienen leider nicht gleichermaßen als Speicherpunkte, sondern Speichern geht nur nach einer Mission oder während man sich in den freien Teilen von Tokio bewegt.

Bevor man das Spiel überhaupt starten kann, erwartet einen erstmal eine ca. 10 Minuten dauernde Installation. Entsprechend halten sich die Ladezeiten innerhalb des Spiels in akzeptablen Grenzen. Weniger akzeptabel ist hingegen, dass es trotz der schlechten grafischen Qualität häufig zu Slowdowns kommt. Die sind dabei nicht einmal auf Situationen beschränkt, in denen sehr viel auf dem Bildschirm los ist, sondern uns passierte es auch, dass schon beim Kampf gegen einen Gegner das Spiel langsamer wurde. Positiv erwähnen kann man allerdings, dass uns beim Testen zumindest keine gravierenden Bugs aufgefallen sind.

Die Ohren freuen sich.

Sehr viel besser sieht es in Sachen Sound aus. Die japanische Sprachausgabe des Spiels ist hervorragend, auch wenn nicht alles vertont ist. Zwar gibt es nur eine japanische Sprachausgabe, aber auch als Europäer fanden wir diese sehr passend und Stimmig. Der Soundtrack, auch wenn sich die Stücke gern mal wiederholen, ist durchaus gelungen, ebenso die ingame Sounds. Es wirkt einfach alles stimmig. Etwas mehr hätten wir uns aber grade bei den Waffensounds gewünscht.

Ballern, Rennen, Minispiele.

Witziges Bowling-Minispiel.

Was Serienveteranen als erstes auffallen wird ist, das Dead Souls viel linearer ist, als seine Vorgänger. Zwar gibt es noch Passagen in denen man sich etwas in Tokio bewegt, aber überwiegend ist man in Missionen unterwegs und diese sind völlig linear. Der Hauptteil des Spiels besteht darin, graue Gänge entlang zu rennen und dabei Unmengen an Zombies zur ewigen Ruhe zu bitten.

Hier fangen aber schon die Probleme an. Man merkt Dead Souls an, das die Reihe eigentlich mehr auf Nahkampf ausgelegt war. Die Steuerung ist sehr schlecht an einen reinen Third Person Shooter angepasst. Es gibt 3 Möglichkeiten mit Fernkampfwaffen auf Zombiejagd zu gehen. Den freien Modus, in dem man auch durch die Gebiete rennt, den Strafemodus in dem man auch nach links und rechts laufen kann und den Ego Modus. Leider sind alle 3 nicht gut. Im freien Modus reagiert der Charakter so empfindlich, das schon bei geringem verwenden der Analogsticks der Charakter gern mal 180° Drehungen macht und es so fast unmöglich ist die anstürmenden Zombiehorden im Blick zu behalten, stattdessen dreht man ihnen gern mal ausversehen den Rücken zu.

Der Strafemodus (L1 gedrückt halten) verspricht Besserung…aber nicht alle Versprechen werden erfüllt. Zwar ist es im Strafemodus gut möglich, alles was vor einem ist unter Feuer zu nehmen, aber der Charakter reagiert unheimlich langsam. So dauert eine 180° Drehung im Strafemodus gerne mal 5 Sekunden. Zombiehorden die von allen Seiten angreifen, oder schnelle Zombies so im Blickfeld zu behalten war uns nur schwer möglich. Als letztes der Ego Modus. Hält man L2 gedrückt, wechselt man in einen Modus mit Fadenkreuz, der eigentlich für das genauer anvisieren der Gegner gedacht sein sollte. In diesem kann man sich, wie z.B. in der Resident Evil Reihe nichtmehr bewegen. Leider ist die Steuerung hier sehr ungenau, so dass das gezielte anvisieren von Köpfen ein Unding wird und man eigentlich nur wild auf den Torso feuert. Und selbst das geht in den anderen beiden Modi besser.

Das man trotz misslungener Steuerung Massen von Zombies niederstrecken kann liegt dann lediglich am Autoaim. Im freien und im Strafemodus setzt das Spiel vollkommen auf Autoaim. Alles was grob vor einem ist, wird automatisch getroffen. Zumindest meistens. Selbst das Autoaim ist fehlerhaft und schafft es manchmal nicht, Gegner zu erwischen obwohl sie vor einem sind. Für den Ego Modus kann man sich sogar eine Fähigkeit kaufen, die per Autoaim bei Antippen von L2 automatisch den nächsten Gegnerkopf ins Visier nimmt. Wegen der schlecht umgesetzten Third Person Shooter Steuerung wird man sich oft dabei erwischen, die Zombies lieber im Nahkampf mit allerlei herumliegenden Gegenständen zu verprügeln. Denn der Nahkampf ist nach wie vor enthalten und Funktioniert besser als der Fernkampf, leider ist Nahkampf gegen 20 Zombies auf einmal, oder stärkere Zombies kaum möglich.

Treffer!

Fähigkeit kaufen? Ja Dead Souls hat auch RPG Elemente. Schließt ihr Missionen ab oder metzelt Zombies nieder, erhaltet ihr Erfahrung. Diese endet in Levelaufstiegen, welche wiederum Fähigkeitspunkte zum Kauf von Fähigkeiten geben. Diese reichen von standard Fähigkeiten wie dem Ausbau des Inventars, über besseren Umgang mit Waffen, zu besseren Nahkampffähigkeiten oder mehr Autoaim Möglichkeiten. Auch verbessern lässt sich der Heat Snipe. Das ist eine neue Spezialattacke. Zusammengefasst ist es so, dass man, hat man die Heat Snipe Leiste voll, auf bestimmte explosive Gegenstände in der Umgebung feuern kann um in der Explosion so viele Zombies wie möglich auszuschalten. Selbst an das Modifizieren von Waffen wurde gedacht.

Seid ihr mal nicht auf Zombiejagd, bietet euch Dead Souls eine Reihe von Minispielen für die die Serie bekannt ist. Diesen merkt man an, dass sehr viel Arbeit hinein geflossen ist und sie machen wirklich Spaß. Sie sind sogar so sehr im Fokus, das es extra für die Minispiele Onlineranglisten gibt (kleine Anmerkung in eigener Sache, wir waren gar nicht so schlecht!). wären nicht die Zombies, hätte man Dead Souls glatt als Minispielsammlung vermarkten können.

Seid ihr mal nicht mit Standardzombies beschäftigt, trefft ihr ab und an auf sehr langweilige und eintönige Bosse die wenig Strategie erfordern. Und doch, trotz all seiner Fehler hat Dead Souls uns zumindest eine Weile in gewissem Maße unterhalten können. Das ist vor allem dem Ansatz geschuldet, einen Ausbruch von Anfang an mitzuerleben. Und natürlich den guten Minispielen.

Fazit

Yakuza: Dead Souls hätte so viel besser sein können. Stattdessen liefert es für jeden positiven Aspekt auch etwas negatives. Trotzdem kann Dead Souls aus unerfindlichen Gründen durchaus mit eigenem Charme aufwarten. Die vielen Minispiele, das miterleben des sich ständig ausweitenden Ausbruchs und natürlich der Charme der japanischen Kultur. Es muss aber jedem klar sein, dass auch sehr viel Frustpotential geboten wird, ja teils man einfach das Gefühl nicht los wird, hier wurde schlampig gearbeitet. Die Technik ist schwach, die Story überwiegend lau und in die Ausarbeitung der Charaktere floss nicht genug Mühe. Zombiemetzelfreunde mit guten Nerven können aber trotzdem ihren Spaß haben, man sollte nur keine hohen Erwartungen hegen. Insgesamt ist das Drumherum besser als das Hauptspiel.

Story: Story bietet kaum Höhepunkte, aber wenigstens ein paar wenige. Charaktere zu wenig ausgearbeitet. Netter Humor. Tokio sehr lebendig. (5/10)

Technik: Schwache Grafik. Schlechte Kamera. Slowdowns. Akzeptable Ladezeiten. Gute Zwischensequenzen (5/10)

Sound: Tolle, leider nur japanische, Sprachausgabe. Gute musikalische Untermalung, die etwas abwechslungsreicher sein könnte. Ingame Sounds ok. (7/10)

Gameplay: Eintöniges Kampfsystem. Lineare graue Gänge. Ungenaue Steuerung. Langweilige Bosskämpfe. RPG Elemente und Waffenmodifikationen. (4,5/10)

Sonstiges: Tolle minispiele. Guter Umfang, reine Story ca. 10 Stunden. Eigener Charme japanischer Kultur. (7,5/10)

von S. K.