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Im Test! Street Fighter X Tekken

Da ist es endlich! Der wahr gewordene Traum vieler Beat’em Up-Fans – „Street Fighter X Tekken“! Mit den Marvel-Figuren durften sich die legendären Street Fighter bereits messen, doch nun steht ihnen ihre vielleicht schwerste Herausforderung bevor: Ein Kampf gegen die nicht weniger legendären Tekken-Recken!

Hnnnng!

Schon Im Vorfeld gab es wilde Spekulationen, wie man diese beiden Universen handlungstechnisch vereinen würde und welche Erklärungen einen Kampf dieser beiden Kader rechtfertigen könnten!? Nun ja, die Antwort ist ziemlich plump ausgefallen. Es gibt nämlich keine Erklärung! Stattdessen wird euch ein völlig banaler Grund für den Auftakt zum ultimativen Showdown genannt und zwar dreht sich alles um die Büchse der Pandora, welche eines Tages vom Himmel fiel und ganz nebenbei ungeheure Kräfte beherbergt.

Grund genug für alle Beteiligten, sich um die Büchse, die mehr einem Würfel ähnelt, zu schlagen! Und das war es dann auch schon mit allen Details zur Handlung. An sich erwartet man ja keine bahnrechende Hintergrundgeschichte bei einem Beat’em Up, aber ein bisschen mehr Mühe wäre doch schon ganz schön gewesen, zu mal die Story sehr bieder in ein paar Standbildern präsentiert wird, was einen recht antiquierten Eindruck macht. Ein paar hübsche Videosequenzen wären definitiv keine schlechte Idee gewesen. Vor allem, da man so noch einmal die Möglichkeit gehabt hätte, die wirklich wunderschöne Cel Shading-Optik in ihrer ganzen Pracht zu präsentieren.

Show me your moves

Diese sind nicht nur unverschämt gut aus, nein, sie bleibt auch in den Kämpfen stets geschmeidig. Besonders beeindruckend sind dabei die zahlreichen Spezialattacken, welche sehr aufwendig in Szene gesetzt worden sind. Dabei spielt es auch überhaupt keine Rolle, ob ihr alleine angreift oder zu zweit! Moment, man kann zu zweit angreifen!? Ganz richtig! Eine große Besonderheit des Crossover-Prüglers ist nämlich der Umstand, dass man stets in einem Tag-Team kämpft, sprich 2 gegen 2.

Das System an sich ist natürlich nicht neu, was aber neu ist, das ist der dazugehörige Pandora-Modus! Dieser erlaubt es euch nämlich in einer Gefahrensituation einen eurer beiden Kämpfer zu opfern, um den jeweils anderen für eine kurze Zeit stärker zu machen. Der aktivierte Pandora-Modus lässt euren Charakter dabei bedrohlich lila leuchten – der eigentliche Clou an der ganze Sache ist aber die Tatsache, dass ihr nun unter Zeitdruck steht! Schafft ihr es nämlich nicht innerhalb der nächsten paar Sekunden euren Kontrahenten zu besiegen, so habt ihr automatisch verloren. Es bleibt also euch überlassen, ob ihr dieses Risiko eingehen wollt. Andernfalls könnt ihr euch auch weiterhin auf das altbewährte Tag-Team-Verschnaufsystem verlassen, welches die Lebensleiste eures passiven Charakters kontinuierlich auflädt, zumindest bis zu einem gewissen Punkt.

Ken ist von der Rolle

Ebenfalls neu sind die sogenannten Gems, welche wie Upgrades bei einer Waffe funktionieren und eure Charaktere dementsprechend aufwerten. Wie ihr eure Charaktere „verbessert“, will dabei gut überlegt sein, denn es gibt wirklich unzählige Gems mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten. Manche machen euren Charakter schneller, andere wiederum lassen euren Charakter automatisch blocken und wieder andere lassen euch stärker zu schlagen.

Gemeinsam ist ihnen allen nur, dass sie gewisse Vorbedingungen besitzen. Wollt ihr beispielsweise stärker zuschlagen, so müsst ihr dafür fünf mal erfolgreich blocken – andernfalls aktivieren sich die besonderen Fähigkeiten der Gems nicht. An sich diese kleinen Helfer für Anfänger eine gute Sache – Profis hingegen werden sich vermutlich ziemlich ärgern, denn die Gems sind durchaus in der Lage, die Spielbalance zu stören.

Immerhin können nun windige Anfänger mit den richtigen Gems problemlos mit den alten Street Fighter-Hasen mithalten. Ohne die Gems beginnt für Neulinge zunächst eine Lernphase, denn wer bei diesem Spiel etwas reißen will, der muss eins mit seinen Charakter werden und dessen Moves im Schlaf können. Zwar vermittelt ein Tutorial zu Beginn des Spiels alles Wesentliche, aber dies teilweise ziemlich ungenau, sodass für Unwissende schnell der erste Frust aufkommen könnte.

Zum Glück bietet „Street Fighter X Tekken“ aber nicht nur die Möglichkeit, sich im Onlinemodus verprügeln zulassen. Neben dem obligatorischen Arcade-Modus, welcher euch Stage für Stage ein gegnerisches Team präsentiert, gibt es nämlich auch noch einen Missionsmodus, der wie der Name schon sagt verschiedene Aufgaben bereit hält. Wer darüber hinaus seiner künstlerischen Ader frönen will, der kann nun auch seine Charaktere beliebig einfärben, um ihnen so eine ganz persönliche Note zu geben.

Bauchplatscher

Apropos Charaktere! Wer sich notorisch schwer entscheiden kann, der dürfte so seine Schwierigkeiten mit diesem Spiel haben, denn der Kämpfer-Kader ist mit gut 40 Charakteren sehr groß ausgefallen. Neben Street Fighter- und Tekken-Charakteren gibt es selbstverständlich auch noch eine Handvoll Gäste, so zum Beispiel Cole aus InFamous, sowie die Videospiellegenden Pac-Man und Mega Man.

Unfair ist dabei nur, dass die eben genannten Charaktere nur den PlayStation 3-Besitzern zur Verfügung stehen. An sich ist das ja nicht so schlimm, sollen sie die Xbox 360-Spieler doch mit ihren exklusiven Charakteren vergnügen. Der Witz ist allerdings, dass es keine Xbox-exklusiven Charaktere gibt. Auch steht jetzt schon fest, dass zahlreiche Charaktere (genau genommen 12 zum Release der Vita-Version im Herbst) per DLC nachgereicht werden, womit sich der Kader natürlich noch um einiges vergrößern wird. Während man Pac-Man und Mega Man noch umsonst bekommt wird die Zukunft zeigen, was man für die restlichen Charaktere zahlen muss.

Rolle à la Cammy

Herzstück des Spiels ist aber natürlich der bereits erwähnte Onlinemodus! Bevor ihr euch in diesem aber quer über den Globus prügelt, könnt ihr euch noch ein schickes Profil einrichten. Hier könnt ihr euch mit Titeln schmücken, ein Profibild auswählen und einen User-Kommentar generieren. Titel erhaltet ihr im übrigen indem ihr fleißig das Spiel spielt, was bei dem einen oder anderen sicherlich eine gewisse Sammelleidenschaft wecken könnte. Habt ihr euch für ein Profil entschieden, geht es auch schon los! Nun heißt es einen Gegner zu finden. Dabei werdet ihr allerdings kaum Probleme haben, denn die weltweiten Lobbys sind gut besucht und die Verbindungen sind stets stabil.

So könnt ihr euch ganz entspannt den wirklich fulminanten Duellen hingeben. Wobei „entspannt“ nicht immer der richtige Ausdruck sein wird, denn bei den Ranglistenkämpfen geht es immerhin nur um eins und zwar um Punkte! Wer siegt bekommt Punkte gut geschrieben – wer hingegen verliert muss damit rechnen Punkte zu verlieren, was ganz nebenbei gesagt sehr frustrierend sein kann. Es wäre deutlich motivierender gewesen, wenn man nach einer Niederlage einfach 0 Punkte bekommen hätte und nicht -10. Die Punkte selbst dienen dabei nur dem eigenen Rang. Hat man eine gewisse Anzahl Punkte erreicht, steigt man einen Rang auf – ein System was man bereits
aus anderen Beat’em Ups kennt.

Wie lässt sich „Street Fighter X Tekken“ denn nun bewerten? Obwohl das Spiel wirklich gelungen ist und man sicherlich zahllose Stunden im Onlinemodus verbringen kann, muss man einfach sagen das es sich bei dem Crossover-Titel ganz trivial um ein Street Fighter mit Tekken-Charakteren handelt, welches sich auch dementsprechend anfühlt! Nicht mehr und nicht weniger! Wer also schon vorher nichts mit Street Fighter anfangen konnte, der wird mit Sicherheit auch nicht mit diesem Spiel warm. Tekken-Fans hingegen sollten den Umweg über die Videothek nehmen, denn es steckt sehr viel weniger Tekken in dem Spiel als man auf den ersten Blick vielleicht meinen könnte.

Oder sie warten einfach auf das entsprechende Pendant „Tekken X Street Fighter“ – bis zu dessen Release kann allerdings noch eine ganz Weile vergehen. Street Fighter-Veteranen werden hingegen mit einem Kauf nichts falsch machen. Die Optik ist grandios, der Umfang kann sich sehen lassen und das Spielgefühl ist abgesehen von dem Tag-Team-Feature eins zu eins das selbe wie das aus Street Fighter IV. Okay, die Gems werden sicherlich noch für einige Gespräche sorgen, aber das kann man dem Spiel an sich nicht anrechnen, da die Grundidee das Spiel zugänglicher zu machen wirklich gut ist. Etwas wirklich Negatives wird man im Grunde nicht finden. Man kann zwar die geringe Auswahl an Arenen beklagen oder die fragwürdige DLC-Politik, aber ansonsten gibt es keine gravierenden Probleme! Größter Kritikpunkt bleibt so die quasi nicht vorhandene Handlung, die man als Kämpfer sowieso nicht beachtet!

Story: Quasi nicht existent und dann auch noch unglaublich schwach präsentiert.

Gameplay: Nicht unbedingt einsteigerfreundlich, aber ansonsten ein Hochgenuss für jeden Beat’em Up-Fan.

Soundtrack: Keine wirklich prägnanten Tracks – das übliche Hintergrundgedudel eben. Okay, aber nichts was man in Erinnerung behält.

Grafik: Die Optik ist über jeden Zweifel erhaben, zumindest wenn man etwas mit Cel-Shading anfangen kann.

Sonstiges: In sämtlichen Belangen umfangreich, seien es nun die Charaktere, die Modi oder auch nur die verschieden Möglichkeiten seinen Charakter zu spezifizieren (Farbe & Gems). Selbst an den Trophäen wird man seine Zeit sitzen!

von Nero