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Im Test! Resident Evil: Operation Raccoon City

Die Kulisse stimmt!

Das Jahr 2008 war ein wundervolles Jahr für alle Gamer mit einer Vorliebe für Zombies, denn am 18.11.2008 erschien Valve’s „Left4Dead“! Ein Zombie-Shooter, der das altbekannte Horror-Genre mit einem unglaublichen Teamfeeling revolutionierte und sich so die Pole-Position in diesem hart umkämpften Genre bis heute sichern konnte. Fürchtete man sich noch vor gut einem Jahrzehnt allein in einem von Zombies verseuchten Spiel unterwegs zu sein, offenbarte einem der amerikanische Spieleentwickler nun den Trugschluss, dass man in einer Gruppe aus vier Mann, trotz schwerer Bewaffnung sicherer wäre.

Jeder Spieler von „Left4Dead“ kennt das Gefühl, wenn sich ein muskelbepackter und schlecht gelaunter Tank in eine scheinbar sichere Situation einmischt. Panik greift um sich, die Spieler trennen sich und fallen Mann für Mann. Unmengen Zombies, Hunter, Boomer und Smoker treiben den Puls kontinuierlich in die Höhe – was dann noch folgt ist in der Regel ein wildes Geschrei um Hilfe im Teamspeak.

Es ist schon erstaunlich, wie es Valve geschafft hat das vier erwachsene Männer sich bei dem blossen Gewimmer einer Witch ernsthaft Sorgen machen und in blanke Angst verfallen, wenn aus dem Trauerkloss eine wilde Furie wird, die mit einem Schlag alles niedermäht was ihr in die Quere kommt. Umso erstaunlicher ist es, dass es beinah vier Jahre gedauert hat bis sich ein anderer Entwickler erneut an diesem Erfolgsrezept orientiert!

Doch mit Capcom tritt ein nicht weniger bekannter Zombie-Entwickler in den Ring um die Vorherrschaft der Untoten-Spiele! Statt eines völlig neue Franchises setzt der Publisher dabei auf sein Urgestein „Resident Evil“. Da die Reihe seit dem vierten Teil ohnehin in Richtung Shooter tendiert scheint ein reines Action-Spiel im Resi-Gewand also keine schlechte Idee zu sein. Um auf Nummer sicher zu gehen lässt Capcom sein neuestes Baby allerdings vom kanadischen Entwicklerstudio „Slant Six Games“ entwickeln, die in der Vergangenheit bereits mit Team-basierten Shootern wie der SOCOM-Reihe Erfahrung sammeln konnte. Ein bekannter Name, ein erfahrenes Entwicklerteam und ein erfolgreiches Konzept bilden nun also die Ursuppe aus der „Resident Evil: Operation Raccoon City“ geboren wurde – klingt vielsprechend, oder etwa nicht?

Scheinbar nicht, denn wenn man den aktuellen Wertungen auf Metacritic glauben schenken darf, dann ist ORC alles andere als ein Überflieger, geschweige denn eine ernsthafte Bedrohung für den Genre-Primus! So wird der neuste Resi-Teil mit bemitleidenswerten 54% (Xbox 360) bedacht, die PS3-Version bekommt sogar nur 51% – ein Urteil das gerechtfertigt ist? JPGames forscht nach!

Meat gibts genug...

Wie der Name des Spiels bereits andeutet ist man handlungstechnisch in Raccoon City unterwegs und zwar genau genommen im Jahr 1998! Resident Evil-Jünger können mit diesem Datum natürlich sofort einen bestimmten Vorfall assoziieren: Den Ausbruch der Zombie-Seuche! Diese bildet nämlich nicht nur den Auftakt der ursprünglichen Resident Evil-Reihe, nein, sie ist nun auch (wieder) Dreh- und Angelpunkt für den neusten Streich von Capcom „Operation Raccoon City“.

Wirklich interessant wird diese altbekannte Umgebung allerdings erst durch den schlichten, aber effektiven Wechsel der Spieler-Perspektive. Denn im Gegensatz zu den bisherigen Resident Evil-Teilen vertritt man diesmal den Hauptantagonist des Franchises, die Umbrella Corporation. Da diese für den Ausbruch der Seuche verantwortlich sind, ist es nun eure Aufgabe als ein spezielles Säuberungs-Team sämtliche noch verbliebenden Beweise auf euren Arbeitgeber zu vernichten.

An sich ist es ein sehr cooles und auch erfrischendes Gefühl in die Rolle der Bösen zu schlüpfen, allerdings hört sich dieser Umstand umfangreicher an, als er tatsächlich ist, denn auch wenn ihr Befehle für Umbrella ausführt, wird euch nie wirklich das Gefühl vermittelt, dass ihr nun auch wirklich etwas böses tut. Ihr bekämpft Zombies und Mutationen genauso, wie ihr es auch in als ein Held getan hättet. Natürlich wird euch gesagt das es sich bei den feindlichen Soldaten um Regierungsbeamte handelt, also de facto um die Guten, aber was macht das schon? Denn selbst die Haustierchen von Umbrella oder auch der bekannte und gefürchtete Nemesis sind euch feindlich gesinnt, sodass ihr auch hier wieder keinen Unterschied zwischen Gut und Böse spürt. Spannend wird es dagegen erst, wenn ihr auf die ursprünglichen Protagonisten von Resident Evil trefft, wie zum Beispiel Ada oder auch Leon. Wobei man sich bei letzteren fragen muss, warum sein Charaktermodell schlechter aussieht, als noch zu Zeiten von Resident Evil 4?

Lange nicht aufgeräumt...

Fairerweise muss man aber sagen, dass sich Slant Six Games zumindest für das Ende einen ganz netten Kniff ausgedacht haben und zwar könnt ihr hier erheblichen Einfluss auf die Timeline von Resident Evil nehmen, sofern ihr das wollt? Ihr habt nämlich schlussendlich die Wahl… und gerade das ist der Witz, denn genau diese Wahl ergibt einfach keinen Sinn! Rein von der Logik her seit ihr nämlich im Grunde gezwungen die Timeline zu verändern und das macht die an sich gute Idee wieder zu Nichte. Aber glücklicherweise ist ja alles halb so wild, denn egal wie ihr euch entscheidet, ihr bekommt ohnehin nur eine 20 sekündige und nichts sagende Sequenz spendiert. Kurz gesagt: Das Ende von ORC ist trotz seiner guten Idee einer der größten Kritikpunkte am Spiel und das sowohl inhaltlich, als auch spielerisch. Da haben die vorherigen Missionen deutlich mehr zu bieten!

So durchstreift ihr in einer vierer Gruppe Raccoon City – immer mit dem Ziel etwas zu sabotieren, wie zum Beispiel die örtliche Stromversorgung. Auf diesen teilweise sehr tristen und engen Laufwegen werden euch eine Unmenge Gegner begegnen. Zumeist Zombies! Diese Gehirnlosen sind allerdings nur in einer größeren Gruppe gefährlich oder wenn sie Blut riechen. Das ist nämlich immer der Fall, wenn ihr ungünstig und/oder mehrmals angeschossen wurdet, denn dann stürmen unzählige, fleischhungrige Untote auf euch zu. In der Regel habt ihr nun zwei Probleme! Erstens seht ihr nicht mehr allzu gut, da der Bildschirm sich rot und schwammig gefärbt hat und zweitens könnt ihr in einer solchen Situation nicht auf eure KI-Kameraden zählen, denn diese sprichwörtlich dumm wie 5-Meter Feldweg.

Es empfiehlt sich daher immer mit menschlichen Kameraden zu spielen, was ohnehin ein viel größerer Spaßgarant ist. Aber zurück zu den Zombiebissen – diese sind nämlich nicht nur schädlich für die Lebensleiste, die sich nur ganz Oldschool-mäßig mit Medipacks in Form von grünen Deo oder dem grünen Resi-Kraut heilen lässt, nein, ein solcher Biss kann auch zu einer üblen Infektion führen, die euch letztendlich selbst zombifiziert. Das wiederum hat zur Folge, dass ihr nun keine Kontrolle mehr über euren Charakter habt, der nun wie wild eure verbliebenden Kameraden angreift. Aber auch hier gibt es zwei Optionen! Entweder erschießt ihr einen solchen Kameraden einfach und belebt ihn dann fix wieder der ihr heilt ihn bzw. euch selbst rechtzeitig mit dem Ani-Serum, dass sich des öfteren in blauen Fläschchen finden lässt.

Nachts nix los? Nicht in Raccoon City.

Obwohl sowohl der Blutschaden, als auch der Zombiemodus immer wieder für Spannung und Abwechslung sorgen, kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kampagne generell sehr monoton abläuft und zudem auch noch sehr kurz ist. In gut 4 Stunden habt ihr bereits das Ende erreicht. Dennoch besitzt das Spiel einen recht großen Wiederspielwert! So könnt ihr beispielsweise Level aufsteigen und Punkte gewinnen um neue Waffen und Fähigkeiten zu erwerben. In einem Durchgang ist es dementsprechend auch unmöglich alles zu bekommen. Sammelwütige haben also auch nach der kurzen Kampagne eventuell noch ihre Freude an dem Spiel mit seinen unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.

Dabei muss man aber leider sagen, dass es fast unnötig ist neue Waffen zu kaufen, da die bereits vorhandenen vollkommen ausreichen und teilweise sogar besser sind. Das selbe Problem hat man mit den speziellen Fähigkeiten der sechs spielbaren Charaktere – zwar verfügt jeder der Sechs über jeweils drei verschiedene Fähigkeiten (von Heilung bis Brandmunition), aber im Grunde wirken auch diese nicht wirklich bis kaum nützlich.

Ein weitere großer Kritikpunkt ist die Steuerung und das für ein Shooter sehr wichtige Treffer-Feedback! ORC ist zwar in beiden Punkten kein Totalausfall, aber es fallen immer wieder nicht übersehbare Defizite ins Auge, zumindest wenn man bereits Erfahrung mit anderen Third-Person-Shootern gemacht hat. So fühlt sich die Steuerung etwas träge und ungenau an, was man beispielsweise an den Handfeuerwaffen merkt. Auch ist die Tastenbelegung teilweise etwas fragwürdig und ungünstig. So ist dieTaste zum Waffe wechseln, auch die Taste mit der man eine 180° Drehung vollführt – was für ein Problem hier manchmal auftritt kann sich wohl jeder selbst denken! Das Treffer-Feedback hingegen macht nicht selten den Eindruck als würde es gar nicht existieren. So lassen sich zwar Arme und Beine stillvoll abschiessen, aber das sieht hin und wieder sehr merkwürdig aus. Ach ja, in der deutschen Version ist das Abtrennen von Extremitäten im übrigen nicht möglich!

Horde voller Zombies!

Grafisch und auch musikalisch hat man sich mit ORC nicht gerade mit Ruhm bekleckert, sodass man das Spiel nur im groben Mittelfeld einordnen kann. Der Grund dafür sind vor allem die langweilig konzipierten Areale, die vor Trostlosigkeit hin und wieder kaum zu übertreffen sind. So sind ganze Räume oftmals einfach mit Kisten zugestellt. Etwas schöner sind da schon die Straßenareale, die aber leider viel zu selten vorkommen – stattdessen werden die typischen Umgebungen abgeklappert: Fabriken und Labore – perfekte Orte für Kisten! Wirklich Übel sind allerdings die teilweise heftigen Bugs und Unschönheiten, wie zum Beispiel das plötzliche Auftauchen von Zombies aus dem Nichts. Lobenswert sind aber mal wieder die deutschen Sprecher, die zwar keinen Preis dafür gewinnen würden, aber ihre Sache in Ordnung machen.

Alles in allem ist „Resident Evil: Operation Raccoon City“ meilenweit von dem Ort entfernt, an dem „Left4Dead“ vor knapp 4 Jahren bereits war und enttäuscht so in fast allen Bereichen! Die Idee war ohne Frage gut und auch die Charaktere sind eine Nummer für sich, aber die technischen und spielerischen Unzulänglichkeiten trüben das Gesamtbild leider immens. Dennoch muss man sagen, dass das Spiel im Multiplayermodus wirklich Spaß macht und dort viele Schwächen vom gemeinsamen Erlebnis hervorragend kaschiert werden. Das dieser Teil allerdings gar nichts mehr vom einstigen Charme der Resident Evil-Reihe hat und im Grunde ein stupides Actiongame ist, muss man an dieser Stelle mit Sicherheit nicht weiter ausführen! Wer also ein paar Freunde für sich gewinnen kann und Lust auf einen unterhaltsamen, wenn auch wenig überragenden Third-Person-Shooter mit Resi-Lizenz hat, der sollte sich ORC zulegen. Für alle Anderen gibt es „Left4Dead“!

Story: Altbekannt und durchgekaut, aber dank der neuen Sichtweise ein erfrischendes Erlebnis!

Gameplay: Hier und da hapert es gewaltig, aber dem gemeinsamen Spielspaß stört das mit Sicherheit nicht.

Grafik: Okay, aber nichts außergewöhnliches! Die vielen unschönen Bugs sind allerdings ein Unding…

Soundtrack: Nervt stellenweise und ist insgesamt auch ohne besondere Highlights.

Sonstiges: Der Koopmodus macht vieles wieder wett, ebenso wie der Anreiz das Spiel mehrmals durchzuspielen.

von Nero