Im Test! Final Fantasy Crystal Chronicles Crystal Bearers

Der neuste Teil der Final Fantasy Spin-Off-Serie Crystal Chronicles für Wii! Eines vorweg, auch wenn der Name Final Fantasy bereits mehrmals gefallen ist, so sollte man sich darüber im Klaren sein, dass […]

Der neuste Teil der Final Fantasy Spin-Off-Serie Crystal Chronicles für Wii!

Eines vorweg, auch wenn der Name Final Fantasy bereits mehrmals gefallen ist, so sollte man sich darüber im Klaren sein, dass man als Kenner der Hauptserie mit Final Fantasy Crystal Chronicles: The Crystal Bearers ein völlig anderes Spielgefühl vermittelt bekommt als das, was man eventuell von den Teilen I bis XIII  der Hauptreihe gewöhnt ist. Doch schauen wir uns das Spiel mal etwas genauer an…

Liest man die Rückseite der Verpackung, so bekommt man schon einiges versprochen, denn dort ist die Rede von einem mitreißenden und actionreichen Abenteuer! Über die eigentliche Handlung bleibt man allerdings im unklaren. Ist ja auch nur eine Verpackungsvorschau.

Im Grunde genommen geht es darum:  Der junge Kristallträger („Crystal Bearer“) Layle (sieh Bild) jagt seit einem Zwischenfall auf einem Flugschiff eine Yuke (von Layle als „Goldstange“ bezeichnet), ein schmales, längliches Wesen dessen Rasse bereits als ausgestorben gilt. Der Grund für die Verfolgung ist ein Kristallidol, welches in Zusammenhang mit einem uralten Geheimnis steht.

Auf den ersten Blick ist die Handlung nicht wirklich originell, aber der Ersteindruck kann ja bekanntlich täuschen, denn immerhin kommen manche Geschichten erst spät in Fahrt oder Trumpfen durch eine eine überraschende Wendung auf. Leider muss man aber sagen, dass das bei „The Crystal Bearers“ nicht der Fall ist, aber dazu später mehr. Was ein Spiel neben der Handlung nämlich noch ausmacht ist ihr Protagonist und hier kann „The Crystal Bearers“ punkten, denn der Blondschopf Layle mag zwar vom Design bzw. vom Charakter her keine Neuerfindung sein, aber dafür hat er einen entscheidenden Vorteil, denn er will nicht (wie so viele Protagonisten dieses Genres) jemand werden, sondern ist bereits wer und zwar ein Kristallträger und das merkt man auch!

Kristallträger besitzen nämlich Kräfte die weit über jene eines normalen Helden hinausgehen. So kann Layle zum Beispiel eine Art blauen Vektor erschaffen, mit welchem er aller Hand Gegenstände bzw. Gegner hoch heben kann und sie so nach Belieben schweben lässt oder auch wegwirft. Seine nützlichen und vor allem coolen Fähigkeiten lassen den Sunnyboy ziemlich leicht durchs Leben gehen und das zeigt er auch offen, so gibt es eigentlich kaum eine Sequenz in der er seine Fähigkeiten nicht einsetzt. Seine coole Art wirkt sympathisch, auch wenn sein Charakter nicht wirklich tiefgründig ist.

Insgesamt muss man sagen, das die Welt von „The Crystal Bearers“ doch dem typischen Final Fantasy Flair entspricht. Das Design der Charaktere wirkt ein wenig so, als hätte man sich etwas von „The Legend of Zelda“ inspirieren lassen, aber das ist ja keinesfalls negativ. Wer sich mit dem Final Fantasy Universum auskennt, wird altbekannte und vor allem beliebte Elemente antreffen, wie z. B. die knuffigen Chocobos oder auch die niedlichen Mogrys. Auch eine Figur namens Cid ist wieder mit von der Partie.

Wie präsentiert sich das Spiel? Grafik und Soundtrack.

Man ist was Grafik angeht mittlerweile ziemlich verwöhnt, doch der wahre Rollenspieler weiß, dass Grafik nicht alles ist. Nichtsdestotrotz ist es teilweise erstaunlich was man optisch aus der Wii rausgeholt hat, denn es gibt so einige wunderschön gestaltete Umgebungen in dem Spiel die mit vielen Kleinigkeiten aufwarten.

Auch die Charaktere und die Spezialeffekte können sich sehen lassen. Natürlich hat auch „The Crystal Bearers“ einige unkreative und trostlose Gegenden, aber welches Spiel hat das bitte nicht? Als Final Fantasy Kenner muss man aber auf die mittlerweile serien-typischen FMV Sequenzen verzichten, bekommt dafür aber actionreiche und teilweise sehr coole Zwischensequenzen serviert.

Der Soundtrack eines Spiels ist besonders wichtig, denn schließlich trägt ein gelungenes Stück unheimlich zur Atmosphäre bei, so z. B. das Stück welches im Titelmenü von „The Crystal Bearers“ spielt. Allein dieses Stück erfüllt die Erwartungen an ein klangliches Erlebnis. Leider  wird der tolle Ersteindruck nicht ganz bestätigt, denn auch wenn jedes Setting im Spiel eine andere Hintergrundmusik aufweist, so ist manches Stück auf Dauer doch ein wenig nervig.  Dennoch muss man sagen, passt die Hintergrundmusik jeweils gut zum jeweiligen Setting. Besonders die Zwischensequenzen haben desöfteren sehr rockige und stimmungsvolle Hintergrundmusik, aber diese machen ja nur einen kleineren Teil des Spiels aus.

Insgesamt kann man sagen, dass in Sachen Hintergrundmusik noch ein wenig Potential liegt. Das wird aber durch die wunderbare Optik und die teilweise schön in Szene gesetzten Zwischensequenzen wieder reingeholt. Nun aber genug zu den Äußerlichkeiten, kommen wir endlich zu der wohl wichtigsten Frage…

Wie spielt sich Crystal Bearers?

Auch wenn Final Fantasy für RPGs steht, so muss man klar sagen, dass „The Crystal Bearers“ keinesfalls ein Rollenspiel ist, sondern vielmehr ein Action-Adventure (als solches ist es ja auch ausgeschrieben). Dennoch bestitzt es einige Elemente eines RPGs.

Wer nämlich schon ein oder zwei RPG’s gespielt hat wird viele Parallelen erkennen und dementsprechend das Gefühl haben, das Ganze schon mal so oder so ähnlich erlebt zu haben. Sowohl die Charakterzüge, als auch die Dialoge, bis hin zur Handlung wirken teilweise wie aufgewärmt und dürften den meisten Spielern dieses Genres bekannt vorkommen. So ist es nicht verwunderlich das großartige Wendungen keinen großen Effekt haben. All das ist nicht schlecht, aber die Innovation ist „Crystal Bearers“ nicht. Dennoch: auch Spiele die seit Jahren auf das gleiche Prinzip setzen, haben ja schon Erfolgsszenarien durch, siehe die Dragon Quest Reihe.

Apropos Dialoge: Quasselstrippen kommen nicht ganz auf ihre Kosten, denn viele NPCs kann man gar nicht ansprechen, sie äußern sich nur über Symbole über ihren Köpfen. Wenn es aber dann doch mal zu einem Smalltalk, ist dieser oft nur humoristischer Natur.  Auch das eigentliche Spielprinzip ist relativ einfach gestrickt: so bekommt man meistens einen Brief von Mogry und in der Regel gilt es daraufhin von A nach B zu laufen. Auf dem Weg dorthin begegnet man selbstverständlich jeder Menge Monstern, die man bekämpfen kann oder auch nicht. Ob sich das lohnt, muss man selbst entscheiden, denn Erfahrungspunkte oder Levelaufstiege gibt es nicht. Auf diese Aspekte eines RPGs verzichtet „Crystal Bearers“ leider. Auch HP oder MP gibt es nicht.

Zugegeben, es macht die erste Stunde noch Spaß die Monster mit der Telekinese-Fähigkeit hoch zu heben, sie wegzuwerfen oder sie mit Gegenständen innerhalb des Gebiets zu bombardieren, aber nach zwei bis drei Stunden stellt sich diesbezüglich Ernüchterung ein und man ist geneigt, Monstern einfach aus dem Weg zu gehen, um Zeit zu sparen. Oft dauert es zudem unnötig lang, diverse Viecher zu besiegen und als Lohn dafür gibt es lediglich Ressourcen, die man gegen oft nutzlose Ausrüstung eintauschen kann.

Und sind wir beim Thema „Ausrüstung“, denn man kann Layle eine Reihe von Accessoires kaufen. Der Vorteil dieser Accessoirses ist aber ein wenig schleierhaft, denn die von Haus aus aktiven Kräfte Layles reichen völlig aus, um sich durch das Spiel zu schlagen. Man kann hier und da einige Veränderungen (auch an der Kleidung) vornehmen. Besonders fordernd ist „Crystal Bearers“ hier nicht. Die Idee, dass man ein Gebiet von den Monstern säubern kann und so den Bewohnern ermöglicht sich auf diesem Gebiet zu tummeln ist allerdings ganz nett und herzerwärmend.

Aber kommen wir doch zurück was man am meisten in „The Crystal Bearers“ macht, nämlich Laufen. Leider fehlen desöfteren irgendwelche Orientierungshilfen, was dazu führt, dass einige Wege oft umsonst sind. Es gibt wohlgemerkt eine Karte, aber leider gibt diese keinerlei Auskunft über die Wegmöglichkeiten, sondern zeigt vielmehr, wie schön die Welt ist.

Zumindest verlaufen die Wege von A nach B recht schlauchförmig und so ist die Route dann doch gefunden. Allerdings muss man dafür seinen Entdeckerdrang ein wenig außer Gefecht setzen. Sehr viel gibt es aber abseits der Route ohnehin nicht zu entdecken. In den größeren Arealen, wartet hier und da eine Kiste oder ein paar Münzen, die man gegen die erwähnte Ausrüstung eintauschen kann.  In einer anderen Sache kann „Crystal Bearers“ aber sehr wohl punkten, nämlich mit dem Umstand, dass es für die Wii entwickelt wurde und so naturgemäß einige schicke Minispiele bietet.

Kurzweilige Minispiele

Davon gibt es wirklich eine Menge und sie sind sogar recht unterhaltsam, wenn auch wenig anspruchsvoll. So darf man manchmal ein wenig in der Luft ballern oder auch mal surfen. Sogar eine Schleichaktion ist mit dabei. Die Minispiele zwar recht simpel, erfüllen aber ihren Zweck und machen das Spiel doch sehr spaßig. Zumal einige sehr passend gewählt wurden und zusätzlich gut in Szene gesetzt sind.

Weniger ein Minispiel, aber doch recht cool gemacht ist Layles Nutzung seines Vektors um Hindernisse zu überwinden oder um Vorsprünge zu erklimmen. Insgesamt ist die Fähigkeit sehr cool, auch wenn es schön gewesen wäre, wenn man ein wenig mehr als nur die Aktionen Hochheben und Ranziehen zur Verfügung hätte. Das die Macher durchaus andere Ideen für die Fähigkeit oder überhaupt den Kampf haben, zeigt sich in den Zwischensequenzen, aber leider nicht im aktiven Spiel. Stattdessen muss man die Fähigkeit auch für wirklich simple Sachen benutzen, wie z. B. Hebel aus 10 cm Entfernung runterdrücken oder jede x-beliebige Tür öffnen. Entweder Layle ist ziemlich faul oder selbst wahnsinnig begeistert von seiner Fähigkeit.

Schlechte Kameraführung, die sich zwar nachjustieren lässt, aber das nur auf eine sehr fummelige Art und Weise. Lässt man die Kamera in Ruhe so wird sie in regelmäßigen Abständen alles unwichtige offenbaren und Dinge wie Gegner ignorieren.

Was man dem Spiel aber zu Gute halten muss sind zahlreiche Kleinigkeiten wie zum Beispiel das Auszeichnungssystem, welches immer wieder ein wenig motiviert. Regelmäßig darf man zudem auch ein wenig schmunzeln, denn der Humor ist zwar etwas platt, aber ganz niedlich in seiner Art.  Im Übrigen kann man auch eine andere Version von Fußball spielen, bei der man versucht auf Blitzball-ähnliche Tore zu schießen.

Fazit – keine Offenbarung

Final Fantasy Crystal Chronicles: The Crystal Bearers macht zwar hier und da einige grobe Fehler und einen ernüchternden Eindruck, kann aber trotzdem bei Laune halten, auch wenn es nichts wirklich Neues bietet. Sehr kurzweilig sind zudem die vielen Minispiele. Etwas wirklich auszeichnendes bietet „Crystal Bearers“ aber leider nicht. Grafisch ist es sicherlich eines der besseren Wii Spiele, aber alles andere hat man bis auf die Telekinese -Fähigkeit schon zu oft gesehen oder gehört. Müsste man eine Wertung in Prozent geben, würden wir wohl trotz (oder gerade wegen) des Fanbonus eine Wertung um die 60 – 70% geben.

Spielerische oder erzählerisch ist „Crystal Bearers“ keine Offenbarung, aber es ist insgesamt recht unterhaltsam, auch wenn es dem Namen „Final Fantasy“ nicht gerechnet wird. Kenner sind also gewarnt, aber keinesfalls dazu aufgerufen einen Bogen um „The Crystal Bearer“ zu machen! Wer sich nun selbst überzeugen möchte, kann „Crystal Bearers“ bei Amazon versandkostenfrei bestellen!

 

Gespielt und geschrieben von Nero