Im Test! Everybody’s Golf

Die Reihe "Everybody's Golf" und die PlayStation-Konsolen gehen mittlerweile schon seit 20 Jahren Hand in Hand. Pünktlich zum Jubiläum bringt der Entwickler...

Die Reihe „Everybody’s Golf“ und die PlayStation-Konsolen gehen mittlerweile schon seit 20 Jahren Hand in Hand. Pünktlich zum Jubiläum bringt der Entwickler Clap Hanz in Zusammenarbeit mit SIE Japan Studio den Titel auf PlayStation 4. Ob der Golf-Simulator ein echter Volltreffer ist, erfahrt ihr in unserem Review.

Titel Everybody’s Golf
Japan 31. August 2017
Sony
Nordamerika 29. August 2017
Sony
Europa 30. August 2017
Sony
System PlayStation 4
Getestet für PlayStation 4
Entwickler Clap Hanz

Sony

Genres Sport
Texte
Deutschland Nordamerika Japan
Vertonung Nordamerika Japan

Derselbe Schwung wie vor 20 Jahren

PlayStation und die „Everybody’s Golf“-Reihe bilden schon seit mehr als 20 Jahren eine Einheit. Ob für die originale PlayStation oder PS Vita, bisher ist immer ein Titel der beliebten Golfsimulator-Reihe auf einer Sony-Plattform erschienen. Der erste Teil der Reihe wurde 1997 veröffentlicht und entwickelt vom mittlerweile legendären Studio Camelot. Doch seit dem zweiten Titel wird die Produktion vom Studio Clap Hanz übernommen.

Die Everybody’s-Golf-Reihe steht seither für einsteigerfreundliche und schnelle Golfsimulation. Die Titel haben sich noch nie an Golf-Enthusiasten gerichtet, die sich nach einem möglichst realistischen Ersatz für die Sportart sehnen. Vielmehr soll die Reihe bei Menschen, die bisher noch wenig mit dieser Ballsportart anfangen konnten, Interesse hervorrufen. Entsprechend simpel gestaltet sich das Gameplay-Prinzip. Seit dem ersten Teil werden Schläge durch ein simples Drei-Knopf-System gemeistert. Durch dreimaliges Drücken des X-Knopfes wird der Ball schon in die Luft befördert. Durch das richtige Timing wird die Stärke sowie die Flugkurve bestimmt. Beim erfolgreichen Fortschreiten im Einzelspieler-Modus wird die Spielmechanik jedoch anspruchsvoller: Spins und andere ausgeklügelte Schlagmechaniken werden freigeschaltet.

Für das Reihen-Debüt auf PlayStation 4 haben sich die Entwickler eine neue Spiel-Oberwelt einfallen lassen. Zum ersten Mal gibt es eine Art von Lobby, in der man sich frei herumbewegen und auf andere Golfer treffen kann. In dieser Oberwelt befinden sich einerseits die klassischen Einrichtungen wie zum Beispiel ein Ausrüstungsshop oder die Anmeldungen für Golfturniere. Jedoch trifft man in der Lobby auch auf die ein oder andere Überraschung. So begegnet man neuen Caddys oder einem schrägen Professor, welcher euch an einem Golf-Quiz teilnehmen lässt. Weiterhin begegnet man anderen Golfern, deren Ausrüstung und Mode man für gesammelte Punkte kaufen darf. Die Insel-Lobby versprüht ein nettes Urlaubsgefühl.

Und wieder grüßt das Murmeltier

Golfkurs inklusive Urlaubsstimmung

Der größte Teil des Einzelspieler-Modus besteht aus den Golfturnieren, an denen sich eine hohe Anzahl an Golfern gegeneinander misst. In diesem Modus spielt man auf entweder neun oder 18 Löchern unter immer wieder anderen Bedingungen. Schließt man mit der geringsten Anzahl an Schlägen ab, erhält man Punkte für den Versus-Modus. Witzigerweise befinden sich in diesen Turnieren alle Golfer gleichzeitig auf demselben Loch. Das sieht zuerst ganz lustig aus, nervt aber allerdings nach einiger Zeit. Hier hätte man sich etwas mehr Ruhe gewünscht.

Um im Spiel vorwärtszukommen, muss man im Versus-Modus gegen einen Golfer antreten. Gegen japanische Idole, Boxer und sogar brasilianische Formel-1-Fahrer darf man sich auf dem Rasen messen. Durch kurze, belanglose Dialoge wird den Golfern etwas Persönlichkeit verliehen. Außerdem zeichnen sich diese Duelle auch durch ihre immer wieder wechselnden Regeln aus. Durch einen Sieg schaltet man dann ein Outfit, Golfschwung oder sogar neue Bälle frei.

Die Multiplayer-Modi sollen auch nicht unerwähnt bleiben. Im lokalen Mehrspieler-Modus kann man sich gegen Familie oder Freunde messen. Erfreulich ist, dass hier sogar ein einziger Controller ausreicht. Der Online-Modus von Everybody’s Golf wurde nun zum Jubiläum komplett erneuert. In der Open-World-Umgebung kann man mit einem Golfkart herumfahren und andere Online-Spieler herausfordern. Eine nette Idee, die dem sonst recht altbackenen Spielprinzip Frische verleiht.

Trotz der Regel-Variationen und den drolligen Charakteren gestaltet sich der Spielverlauf sehr zäh. Um im Spiel weiterzukommen, muss man gerade zu Beginn immer wieder auf denselben Kursen Punkte erzielen. Da die Auswahl an Kursen und Löchern sehr gering ist, stellt sich schon nach kurzer Zeit ein Gefühl der Eintönigkeit ein. Zwar ändern sich ständig die Regeln und Bedingungen der Kurse, jedoch wirken diese sich nicht stark auf die benötigte Taktik aus. Zudem vereinfachen einige der Sonderregeln das schon von vornherein simple Gameplay. So verursacht zum Beispiel eine Regel einen Windsog, der alle Bälle um das Loch aufsaugt.

Da man schon nach kurzer Zeit die simple Schussmechanik gemeistert hat und auch die KI der Gegner sehr dümmlich ist, kommt in den ersten zehn Stunden wenig Spielspaß auf. Zudem dauert es zu lange, bis man neue Kurse freischaltet. Man wünscht sich, dass der Entwickler das Gameplay schwieriger gestaltet und die Anzahl Turniere verringert hätte. Jedoch werden im späten Spielverlauf schwierige Kurse freigeschaltet. Zudem werden nach und nach neue Spielmechaniken hinzugefügt, die dem Gameplay etwas mehr Tiefe verleihen.

Bunte Einfallslosigkeit

Der Golfschwung kann ziemlich schnell gemeistert werden.

Die Everybody’s-Golf-Reihe zeichnete sich schon immer durch ihren sehr farbigen und unschuldigen Grafikstil aus. Natürlich ändert sich auch bei der Jubiläumsfeier hieran wenig. Die Insellobby sowie die verschiedenen Kurse wurden mit einem möglichst bunten Pinsel gemalt. Jedoch findet man nur an wenigen Stellen kreative Einfälle. Das Design der Kurse ist sehr klischeehaft. Wir wünschen uns mehr Landschaften und Verzierungen, die dem Spiel mehr Charakter verleihen könnten. Die ersten beiden Golfkurse unterscheiden sich wenig im Aussehen, zudem wirken die gegnerischen Spieler im Turnier-Modus wie zufallsgeneriert. Auch beim Sounddesign des Spiels ergibt sich ein ähnliches Bild. Die Hintergrundmusik bietet keine einprägsamen Melodien, so harmlos gestaltet sich der Soundtrack. Etwas Golfstimmung macht sich jedoch durch die Aufpralltöne der Golfbälle und das Rascheln der Bäume bemerkbar.

Alles beim Alten

»Zum Jubiläum haben die Entwickler von Clap Hanz das altbekannte Spielprinzip der Everybody’s-Golf-Reihe angemessen für PlayStation 4 umgesetzt. Fans der vorherigen Teile werden sich schnell zurechtfinden und sicherlich hin und wieder Spaß an einem kurzen Trip aufs Grün haben. Jedoch ist das Gameplay zu simpel und einfallslos um auch längerfristig Freude am Einlochen zu finden. Für den nächsten Teil der Reihe wünschen wir uns, dass der Fortschritt im Einzelspielermodus schneller vollzogen werden kann. Zudem erwarten wir neue Einfälle im Design der Kurse sowie einen einprägsamen Soundtrack. Für junge Spieler und Neulinge ist Everybody’s Golf sicher ein guter Einstieg, doch leidenschaftlichen Spielern können wir diesen Titel leider nur bedingt empfehlen.«

 

Kein Story-Modus vorhanden, jedoch gibt es im Versus-Modus einige Dialoge und Hintergrundinformationen zu den gegnerischen Golfern.
Das einfache Schlagsystem ist schnell erlernt, jedoch fehlt es eindeutig an spielerischer Tiefe für langfristigen Spaß.
Hübsche Wettereffekte vermitteln ein Urlaubsgefühl, insgesamt ist der Grafikstil jedoch zu charakterlos.
Sehr unauffällige Hintergrundmusik, jedoch fehlt es nicht an den typischen Golf-Soundeffekten.
Ein frischer Online-Modus sowie ein ganz lustiges Quiz-Spiel sind vorhanden.