Im Test! .hack//G.U. Last Recode

Zehn Jahre ist es her, seit die Tore zu „The World“ geschlossen wurden. In drei Teilen wurde die Geschichte eines MMORPGs erzählt, das mehr war als...

Titel

.hack//G.U. Last Recode
Japan 01. November 2017
Bandai Namco Entertainment
Nordamerika 03. November 2017
Bandai Namco Entertainment
Europa 03. November 2017
Bandai Namco Entertainment
System PlayStation 4, PC
Getestet für PlayStation 4
Entwickler CyberConnect2
Genres JRPG
Texte
Deutschland Nordamerika
Vertonung Nordamerika Japan

Zehn Jahre ist es her, seit die Tore zu „The World“ geschlossen wurden. In drei Teilen wurde die Geschichte eines MMORPGs erzählt, das mehr war als nur eine Plattform zum Spielen. In über 100 Stunden sind den Fans die Charaktere, die Musik und die Welt ans Herz gewachsen. Doch leider nur in einigen Ländern. Während Japan und Amerika in den Genuss der drei Action-RPGs kommen durften, schaffte es kein Teil nach Europa. Diesen Fehler will man anscheinend bei Bandai Namco Entertainment nun beheben und bringt die von Fans heiß ersehnte Remaster Collection, nicht nur mit deutscher Übersetzung, sondern auch mit vielen Stunden Extra-Videomaterial und einer abschließenden vierten Episode, zu uns.

Welcome to The World

Das .hack//-Universum umfasst weit mehr als nur drei Spiele. Neben zahlreichen Romanen, Mangas, Serien und Filmen steht zudem im Kanon eine ebenfalls für PlayStation 2 erschienene Tetralogie. Auch wenn es viele wiederkehrende Charaktere und Themen in diesem Universum gibt, so bildet „The World“ das Zentrum. Ein fiktives MMORPG, in welches Spieler nicht nur am Monitor, sondern komplett als Virtual Reality eintauchen. Hier spielt sich die Geschichte rund um Haseo ab, der viele schwere Schicksalsschläge durchleben muss. Zu den vielen Mysterien, die sich rund um „The World“ ranken, gehören das Puppen-Syndrom, ins Koma gefallene Spieler, die medizinisch gesund zu sein scheinen, und diverse Organisationen. Auf seiner Suche nach Antworten muss Haseo neue Freundschaften schließen, Kämpfe bestreiten und über sich hinauswachsen. Es gilt das Leben seiner Freunde zu beschützen und zu retten.

Die Geschichte, ihre Charaktere und Umsetzung sind mit Abstand die größten Stärken dieser Trilogie. Beim Spielen wird deutlich, dass das gesamte restliche Gameplay nur als Vorwand dient eine Zwischensequenz mit der nächsten zu verbinden. Sie ist der Grund, wieso man weiterspielt, wieso man motiviert ist, die nächste Wendung und die nächste Gefahr zu erleben. Gründe dafür sind unter anderem die vielleicht heute noch aktuelleren Probleme mit Spiele-Sucht, Technisierung und Abhängigkeit von Social Media. Diese und viele andere Themen werden aufgegriffen und über die vielen Spielstunden auch mal etwas ausführlicher bearbeitet.

Auch wenn die Rahmenhandlung viel Freiraum für technische Themen bietet, so bleibt der Fokus doch bei den Emotionen der Charaktere.

Wie bei einem echten MMORPG wird alles geboten, was dazugehört. Ein belebtes und sich konstant füllendes Forum mit vielen verschiedenen Threads. Von Hilfe-Foren, über Geheimnisse rund um „The World“ bis hin zu privaten Problemen aus der Ingame-Realität. Hier findet man genau das, was man auch in MMO-Foren in der echten Welt findet. Die Liebe zum Detail und schiere Masse, die hineingeflossen ist, heben das Spielgefühl auf ein völlig neues Level. Selbes gilt für das Nachrichten-System von „The World“. Weltpolitik, Technik und Amateur-Journalismus, all das wurde völlig überzeugend in diese Spielwelt eingebaut. In vielen Texten und tollen Anime-Sequenzen lernt man so viel über die Welt und die MMO-Welt. In den ersten Spielstunden wird man von dieser realitätsnahen Ausarbeitung einer MMO-Plattform in einem Offline-JRPG komplett überrascht und wird sich kaum davon lösen können. Den Entwicklern ist etwas gelungen, was seiner Zeit weit voraus war und heute so aktuell und passend ist wie nie zuvor. „The World“ ist das vielleicht am schönsten und ausführlichsten ausgearbeitete Spiel in einem Spiel, das man heute noch finden kann.

Nicht nur, dass dieses Spiel genial ausgearbeitet ist, diese Plattform wird auch oft realistisch benutzt. Etwa wenn man in „The World“ einen Heiler braucht, um die nächste Quest zu machen und man gezwungen ist im Forum um Hilfe zu bitten. Diese Momente machen .hack//G.U. zu mehr als nur einem Rollenspiel. In diesen Momenten wird es eine komplett glaubhafte Simulation eines MMOs. Das ist verrückt und brillant zugleich.

Da es sich hierbei um alte JRPGs handelt, heißt das selbstverständlich so japanisch wie nur möglich. Das bedeutet viel Drama, unglaublich viel Kitsch und nicht enden wollende Dialoge voller Repetition. Das nimmt der Geschichte zwar viel an Authentizität und Impakt, trotzdem haucht diese Art der Erzählung auch eine Nostalgie in die Spiele, die man heutzutage nicht mehr erlebt. Im Vordergrund stehen dabei nicht die saubere technische Umsetzung oder die Logik. Nein, hier wird durch die Augen von jungen Charakteren eine eigentlich sehr technische Geschichte auf emotionale Weise wahrgenommen. So wie die echten Spieler in .hack// die Erlebnisse in „The World“ tatsächlich wahrnehmen. Das klingt kompliziert und ist es über weite Strecken auch, da man nie genau weiß, welcher Einfluss aus der echten Welt und welcher aus der virtuellen Welt kommt. Welche Autorität, Funktion und Macht haben die Entwickler und Administratoren innerhalb und außerhalb der Server?

»Bevor man an diese Spiele herangeht, muss man sich darüber im Klaren sein, dass man an jeweils über 30 Stunden lange Filme gerät.«

Diese Dynamik macht die drei Spiele faszinierend, aber auch anstrengend. Jede Minute werden neue Fremdwörter in die Diskussion geworfen, nach jeder Szene fragt man sich, ob und wie das überhaupt in einem Spiel passieren kann, das von normalen Programmierern (in diesen PlayStation-2-Spielen) entwickelt wird. Nach vielen Stunden gelangt man an den Punkt, an dem man einfach aufhört darüber nachzudenken, denn die echten Entwickler haben es anscheinend auch getan. Am Ende bleiben viele unbeantwortete Fragen zu „The World“ und natürlich viele Logiklöcher. Aber darum geht es auch gar nicht. Es geht um Haseo, der seine Freunde retten muss.

Generell lebt die Geschichte von ihren vielen Charakteren. Sie haben aber auch sehr viele Stunden um sich vorzustellen und zu entwickeln. Zudem besitzt jeder einzelne Charakter eine Dualität, die dadurch entsteht, dass seine Online-Persönlichkeit sich nicht unbedingt in der Ingame-Realität widerspiegeln muss. Die Story nimmt sich viel Zeit wichtige Themen anzureißen und Charaktere auszuarbeiten, aber der finale Schliff fehlt bei beidem einfach, um das volle Potential aus dieser sehr gut umgesetzten Idee herauszukitzeln. Dennoch wachsen die Charaktere einem ans Herz und überraschen auch noch nach über 60 Stunden. Besonders unterhaltsam sind die vielen kleinen Humor-Einlagen, denen sie ihren Charme zu verdanken haben.

Die Umsetzung der Technik und der Seele eines MMORPGs ist absolut grandios und heute noch unerreicht.

Hier nun eine Warnung: Bei der .hack//G.U.-Trilogie handelt es sich nicht um klassische Videospiele. Es handelt sich viel mehr um Anime-Filme, die zwischendrin mal ein wenig Gespiele mit dem Controller brauchen, um fortzufahren. In den ersten zehn Stunden verbringt man acht damit Zwischensequenzen zu gucken, anderthalb mit Menü-Führung und eine halbe mit Kämpfen. Bevor man an diese Spiele herangeht, muss man sich darüber im Klaren sein, dass man an jeweils über 20 Stunden lange Filme gerät.

Dank den oben genannten Eigenschaften wie Drama, Kitsch und Repetition wird langes Spielen am Stück wirklich nervig und anstrengend. Nicht hilfreich ist dabei die nur ab und an einsetzbare Funktion, Dialogzeilen einzeln zu überspringen. Meistens muss man sich komplett durch die oft sehr schlecht geschriebenen Dialoge beißen, um nach einer halben Stunde vielleicht einen wichtigen Satz mitzubekommen. Wer jedoch oft Dialoge überspringt oder gar mit dem zweiten oder dritten Teil startet, der verliert komplett den Überblick, was vor sich geht.

Obwohl die Charaktere und die Welt durch die drei langen Spiele Zeit haben sich zu entwickeln, bleibt doch das Gefühl, dass auch ein Spiel gereicht hätte, um eine kohärente Geschichte zu erzählen. Die gebotene Zusatzepisode, welche nach Vol. 3 Redemption spielt und zum Glück sehr kompakt ist, dient zum einen natürlich als purer Fanservice, aber andererseits bietet sie einen nahtlosen Übergang und ein emotional befriedigendes Ende nach dieser langen, langen Zeit in „The World“. Auch wenn man viel gelitten hat, auch wenn man oft den Kopf schütteln musste und auch wenn man oft frustriert war, so hat man doch stets mit den Charakteren mitgefiebert und ist tatsächlich in „The World“ eingetaucht.

In flüssigen 60fps flimmern die Zwischensequenzen und Kämpfe über den Bildschirm und diese wurden sehr erfolgreich in die heute Zeit transportiert. Das Bild ist scharf und die Charaktermodelle detailliert. Abseits der aufwendigeren, vorgerenderten Sequenzen ist den Animationen natürlich anzusehen, dass sie über eine Dekade alt sind. Doch auch das spielt mehr dem Charme zu als negativ aufzufallen. Das schaffen leider die häufige Detailarmut und die sehr unpassende Lippensynchronisation, die im Japanischen oft, aber bei Weitem nicht immer, und im Englischen so gut wie nie passt. Dennoch machen die japanischen Synchronsprecher, allen voran Takahiro Sakurai (Cloud) als Haseo, eine wie gewohnt überzeugende Figur. Im Englischen gibt es leider einige Totalausfälle, bei denen sich wortwörtlich die Nackenhaare sträuben und weswegen man wahrscheinlich früher oder später zu den japanischen Stimmen wechseln wird.

»Zum Gameplay lässt sich wirklich nicht viel sagen. Hierbei handelt es sich mit großem Abstand um den größten Kritikpunkt.«

Eine große Stärke, die damals wie heute besteht, ist der Soundtrack der Trilogie. Die drei Spiele tragen die Handschrift von Chikayo Fukuda. Mit vielen vokalen Tracks erschafft die Komponistin eine einzigartige Aura für „The World“, die fast schon an etwas Heiliges grenzt. Dies gelingt ihr unter anderem durch eine ungewöhnliche Instrumentenwahl. Besonders die Charakter-Themen bleiben im Kopf (Ovans Thema!). Generell werden viele Ohrwürmer geboten, die eine tolle Atmosphäre erschaffen und auch alleine ein absoluter Genuss sind.

Zum Gameplay lässt sich wirklich nicht viel sagen. Hierbei handelt es sich mit großem Abstand um den größten Kritikpunkt. Die meiste Zeit läuft man dieselben Strecken ab und jagt von einer Zwischensequenz zur nächsten. Darunter fällt auch das ständige Ein- und Ausloggen aus dem Spiel (ingame selbstverständlich) zum Checken der Foren und der Mails. Anfangs noch aufregend und neu, verflüchtigen sich diese Gefühle, wenn man zum tausendsten Mal durch dieselben Menüs muss, einfach nur, um die nächste Zwischensequenz abspielen zu können. Das gilt zudem für alle drei Teile.

Dem Kampfsystem wurde leider nicht mehr Sorgfalt zuteil. Während die Konkurrenz damals motivierende und süchtigmachende Action-Kampfsysteme in Rollenspiele einpflegte, läuft hier fast jeder Kampf gleich ab. Stupides X-Gehämmere reicht aus, um die Kämpfe zu bestehen. Mit insgesamt drei Charakteren kann man Kämpfe bestreiten, jedoch lässt sich nur Haseo aktiv steuern.

Eine Spiele-Sammlung, die hauptsächlich an eine kleine Gruppe Fans gerichtet ist.

Die anderen beiden Charaktere übernimmt die eher mäßige KI. Kombiniert mit einer verschachtelten Menüführung und einem Leveling-System, das absolut keinen Fortschritt bemerkbar macht, führt das schnell dazu, dass man jedem Kampf, soweit möglich, aus dem Weg geht. Ja, es handelt sich dabei um eine weitaus bessere Alternative als noch bei der alten Tetralogie, aber dennoch ist es ein schlichtweg schlechtes und oft, dank der Kamera und der KI, nerviges Kampfsystem.

Ab und an kommt ein wenig Würze rein, wenn mehrere Waffen ins Spiel kommen oder man kleine, repetitive Shooter-Einlagen einbaut, aber das geschieht zu spät und ist einfach zu wenig, um das Ruder herumzureißen. Zu all dem Übel werden nur eine handvoll Dungeons geboten, die praktisch nur aus einem Schlauch bestehen, der so gut wie gar keine Details oder Atmosphäre besitzt. Wieder und wieder werden diese langweiligen und leeren drei Gebiete recycelt, was irgendwann nur noch für Kopfschütteln sorgt. Lustigerweise scheint dies den Entwicklern bekannt gewesen zu sein, denn jeder Teil bietet neben dem normalen Modus noch einen sogenannten Cheat-Modus. Dabei starten alle Charaktere und Waffen auf dem maximalen Level und das Inventar ist voller nützlicher Gegenstände, sodass das Gameplay zu einem noch größeren Witz wird. Für diejenigen, die nur die Story erleben wollen, und seien wir ehrlich, das ist der einzige Grund .hack//G.U. zu spielen, ist dies aber eine nette und sinnvolle Idee.

Abseits der drei Spiele und der Zusatz-Episode hat man die Collection mit weiteren sehr sinnvollen Inhalten gefüllt. Neben einem Parodie-Modus, der kleine Sketche mit den bekannten Charakteren bietet, wird die gesamte Tetralogie, die vor .hack//G.U. spielt, in Entwicklertagebüchern erzählt. Dabei handelt es sich um mehrere Stunden langes Videomaterial mit guter japanischer und englischer Narration vom Ingame-Entwickler. Leider handelt es sich beim benutzten Player nur um ein dürftiges Exemplar, da weder Vorspulen noch Vollbild integriert sind. Trotzdem steckt hier viel sichtbare Mühe drin und natürlich eine sinnvolle Vorgeschichte zum Trilogie-Remaster.

R:2 ; )

»Wie aus dem Nichts kam die Ankündigung für .hack//G.U. Last Recode. Eine über zehn Jahre alte Trilogie, die es nicht nach Europa geschafft hat, auf einer Disk vereint, mit einer abschließenden Zusatzepisode, stundenlangem Bonusmaterial, Dual-Audio und dazu noch mit überzeugenden deutschen Texten. Die Trilogie besteht nicht aus den besten Spielen der PlayStation-2-Generation. Es handelt sich dabei definitiv nicht um große Klassiker. Das eintönige und langweilige Gameplay macht es schwierig, sich durch die vier Kapitel zu beißen. Aber für die Einzigartigkeit von „The World“, die Charaktere, die einem nach so vielen Stunden ans Herz wachsen, und den tollen Soundtrack von Chikayo Fukuda lohnt sich diese anstrengende Reise allemal.

Es ist Bandai Namco Entertainment hoch anzurechnen, wie viel Mühe und Arbeit in diese, hauptsächlich an Fans gerichtete, Remaster-Collection investiert wurde. Dies ist ein Projekt, das nicht nur des Profits wegen erschaffen wurde, sondern auch aus Liebe und Dankbarkeit für Fans weltweit.«

 

Ein MMO in einem JRPG. Nie wurde diese Idee so überzeugend und realistisch dargestellt wie hier. Interessant, spannend, kitschig, repetitiv, aber charmant und fesselnd.
Lückenfüller. Besteht hauptsächlich daraus, dieselben Menüs zu durchforsten und dieselben Strecken abzulaufen. Kampfsystem besteht nur aus dem Nötigsten um so genannt werden zu können.
Heute noch beeindruckende Zwischensequenzen, die von einer kleinen Hub-Town und den langweiligsten Dungeons unterbrochen werden. Alles zeitgemäß in die Moderne geholt.
Überzeugende japanische Synchronisation, teils gute, teils katastrophale englische. Überragender Soundtrack mit vielen Ohrwürmern und ungewöhnlichem Stil.
Drei volle PlayStation-2-JRPGs. Abschließende Zusatz-Episode. Stundenlanges Bonus-Material zu Charakteren und Prequels. Gute deutsche Lokalisierung. Hier bleibt man über 80 Stunden dran.