Im Test! Stardew Valley

Bereits als kleiner Bube habe ich mit großer Faszination die Harvest-Moon-Reihe gespielt. In keinster Weise kann ich erklären, wieso mich die Spiele so faszinieren...
Titel Stardew Valley
Japan 26. Februar 2016
Chucklefish
Nordamerika 26. Februar 2016
Chucklefish
Europa 26. Februar 2016
Chucklefish
System PC, PS4, Xbox One, Nintendo Switch
Getestet für Nintendo Switch
Entwickler ConcernedApe
Genres Simulation
Texte
Deutschland Nordamerika Japan
Vertonung Deutschland Nordamerika Japan

Bereits als kleiner Bube habe ich mit großer Faszination die Harvest-Moon-Reihe gespielt. In keinster Weise kann ich erklären, wieso mich die Spiele so faszinieren. Sie machen einfach Spaß, das Dorfleben ist interessant und ich liebe es, fette Gewinne mit meinen Erzeugnissen einzufahren. Doch irgendwie konnten mich die neueren Ableger der Reihe nicht begeistern. Im vergangenen Jahr erschien jedoch Stardew Valley für PCs und ich habe mich verliebt. Auf Nintendo Switch wurde das Bauernhof-Abenteuer nun ebenfalls veröffentlicht und ich habe mir die portable Version einmal angeschaut.

Das Leben in einem großen Konzern kann ganz schön schlauchen. Jeden Tag arbeitet man in seinem Büro vor sich hin, schiebt Zahlen von A nach B und ist nur ein kleines Zahnrad in einer riesigen Maschine. Euer Hauptcharakter in Stardew Valley, den ihr aus zahlreichen Optionen selbst gestalten könnt, ist ein solches Zahnrad. Eines Tages auf Arbeit erinnert er (oder sie) sich an den Brief, welcher der Großvater am Sterbebett hinterlassen hat und öffnet ihn. Darin befindet sich die Besitzurkunde über einen Bauernhof im sogenannten Stardew Valley, einem gemütlichen Örtchen am Rande der geschäftigen Welt.

Kurzerhand entflieht man Joja, dem riesigen Konzern, welcher definitiv eine Parodie auf Coca Cola sein soll, und begibt sich auf die Farm. Dort angekommen merkt man schnell, dass die zahlreichen Jahre, in denen der Bauernhof nicht bewirtet wurde, ihm nicht besonders gut getan haben. Es ist also nun die Aufgabe von euch, des neuen Bauern im Pelikan Dorf, die Farm wieder ordentlich in Schuss zu bringen.

Dafür muss einiges gemacht werden, logischerweise. Überall stehen Bäume, Steine und Unkraut umher, was es euch schwer macht etwas anzupflanzen. Glücklicherweise stehen euch diverse Werkzeuge zur Verfügung um mit den störenden Objekten umzugehen. Eine Axt für Äste und Bäume, eine Spitzhacke für Steine und die Sense hilft gegen Unkraut. Ist ein wenig Platz geschaffen, heißt es, das Feld zu pflügen und Saat einzupflanzen. Dies ist, vor allem zu Beginn des Spieles, eine der wichtigsten Aufgaben in Stardew Valley. Denn eure Aufgabe ist es Geld zu verdienen, um eure Farm weiter ausbauen zu können. Das bedeutet: Jeden Tag gießen, ernten, verkaufen, neue Saat pflanzen. Das klingt in der Theorie eigentlich total langweilig, aber wenn man dann die ersten großen Ernten eingefahren und ordentlich Gewinn gemacht hat, ist es ein tolles Gefühl.

Jedoch muss ein Tag auf dem Bauernhof gut geplant sein. Ihr könnt nicht unendlich lang auf Bäume einschlagen, Pflanzen gießen und Ähnliches. Jedes Mal, wenn ihr ein Werkzeug nutzt, verringert sich die Energie-Anzeige auf dem unteren rechten Bildschirmrand. Diese sollte natürlich nie komplett zur Neige gehen. Benötigt ihr doch ein klein wenig mehr Energie für den Tag, dann ist es möglich eure Erzeugnisse oder in der Wildnis gefundene Früchte zu essen und somit ein wenig fitter zu werden. Im Laufe des Spieles kann die Anzeige aber auch erweitert werden, um mehr körperliche Arbeit zu ermöglichen.

Doch nicht nur mit Feldarbeit lässt sich Geld verdienen. Nach kurzer Zeit schaltet ihr die Möglichkeit frei zu angeln. Mit den gefangenen Fischen lässt sich gut Geld verdienen, vorausgesetzt, man meistert das Angel-Minispiel schnell. Neben dem Angeln gibt es in den Wäldern ebenfalls die Möglichkeit, durch das Einsammeln von Pflanzen und Früchten Geld zu verdienen. Wer also keine Energie nach der Arbeit mehr besitzt, der kann immerhin in den Wäldern noch etwas sammeln und somit den täglichen Profit erhöhen.

Neben den Dingen, die ihr im Wald sammeln könnt, gibt es auch die Möglichkeit Holz und Co. zu verkaufen. Haut ihr einen Baum um, lässt dieser verschiedene Dinge fallen, hauptsächlich aber natürlich Holz. Dieses könnt ihr aber nicht nur zum Verkauf nutzen, sondern auch um Gebäude beim Schreiner in Auftrag zu geben oder im Bau-Menü eigene Dinge herzustellen. Während ihr im Laufe des Spieles neue Objekte freischaltet, so sind anfänglich vor allem Kisten und Vogelscheuchen wichtig, um die Feldarbeit besser zu organisieren und euren recht knappen Rucksack ein wenig zu erleichtern. Auch gekocht werden kann, sobald ihr euer Haus ausgebaut und eine Küche erworben habt.

Nach einiger Spielzeit kommen dann aber natürlich auch Tiere mit auf den Bauernhof dazu, welche täglich gefüttert und gepflegt werden müssen. Ob Huhn, Kuh oder Schaf, die Klassiker sind alle mit dabei. Das Schöne an Stardew Valley ist jedoch, dass ihr ab einem gewissen Punkt viele Dinge automatisieren könnt. Mit Hilfe von Sprinkler-Anlagen kann das Feld täglich von alleine gewässert und mit Hilfe von Fütterungs-Maschinen die Tiere automatisch gesättigt werden. Dadurch bleibt dann mehr Zeit für die zahlreichen anderen Dinge, welche euch das Spiel bietet.

»Ein wichtiger Aspekt ist es, sich mit den Dorfbewohnern anzufreunden. Dabei besitzt jeder Charakter seine ganz eigene Persönlichkeit und Geschichte.«

Ein wichtiger Aspekt ist es, sich mit den Dorfbewohnern anzufreunden. Dabei besitzt jeder Charakter seine ganz eigene Persönlichkeit und Geschichte, wobei manche tatsächlich ein wenig tragischer sind, als man meinen mag. Da gibt es nicht nur den Bürgermeister, der nie zur Ruhe kommt, aber auch den Alkoholiker, welcher nichts mit seinem Leben anzufangen weiß. Jeder hat so seine Probleme, aber dennoch leben alle mehr oder weniger glücklich miteinander in dem gemütlichen Dörfchen. Um sich im Dorf gut einzugewöhnen solltet ihr so oft wie möglich mit den Bewohnern reden, am besten machen sich jedoch Geschenke. Dabei hat natürlich jede Person seine ganz eigenen Vorlieben, die es herauszufinden gilt.

Auch eine Heirat ist in Stardew Valley möglich, wie es bereits in der Harvest-Moon-Reihe gang und gäbe ist. Das Besondere an diesem Titel ist jedoch, dass euch nur wenige Grenzen gesetzt sind. Es sind hetero-, aber auch homosexuelle Beziehungen möglich. Jeder heiratsfähige Charakter kann von beiden Geschlechtern geheiratet werden. Auch Kinder können gezeugt beziehungsweise adoptiert werden. Diese wachsen jedoch nicht über das Kleinkindalter hinaus, was schade ist. Ein Helfer mehr auf der Farm wäre sicher schön.

Wie im echten Leben ist ein Jahr in Stardew Valley in vier Jahreszeiten unterteilt. Dabei geht jede Jahreszeit jedoch nur 28 Tage. Mit Hilfe eines Kalenders im Spiel könnt ihr einsehen, wann ein Dorfbewohner Geburtstag hat oder wann eines der vielen Feste stattfindet. Diese sind immer ein lustiges Ereignis, da man dort auch neue Dinge gewinnen oder Minispiele absolvieren kann. Wichtig für die Farmarbeit ist, die restliche Zeit bis zur nächsten Jahreszeit im Blick zu haben, denn Feldfrüchte verwelken in den meisten Fällen beim Wechsel. Das macht sie somit komplett unnütz und ihr habt viel Geld verloren. Jedoch findet ihr in den Item-Beschreibungen der Saat immer eine Angabe, wie lange eine Frucht bis zur Ernte braucht, was also bei der Planung helfen sollte.

Abgesehen von der Feldarbeit und dem sozialen Leben im Pelikan Dorf gibt es für euch noch die Mine als Ziel. Diese wird nach wenigen Spieltagen freigeschaltet und kann von euch betreten werden. Doch das ist kein leichtes Unterfangen, denn dort warten nicht nur wertvolle Materialien in Form von Bronze, Gold und Co. auf euch, sondern auch gefährliche Monster. Fledermäuse, Schleimkreaturen und Geister werden euch dort attackieren. Jedoch besitzt ihr natürlich die Möglichkeit euch zu wehren und könnt mit verschiedenen Waffen den Kampf antreten. Dies ist nun nicht besonders beeindruckend, da man einfach nur auf Knopfdruck das Schwert schwingt, bringt aber durchaus einiges an Abwechslung rein. Auch hier sollte man vor allem im Voraus planen, wie tief man in die Mine vordringen möchte. Alle fünf Etagen gibt es allerdings einen Checkpoint, von dem ihr später fortfahren könnt. Je tiefer man gelangt, desto wertvollere und seltenere Gegenstände findet man. Viele von den Dingen, die man in der Mine findet, kann man übrigens der Bibliothek des Dorfes spenden und dort knackige Belohnungen erhalten. Also sollte man nicht unbedingt immer direkt alles verkaufen, was man findet.

Damit man ein gewisses Ziel in Stardew Valley verfolgen kann, abgesehen von Familie, Reichtum und einer abgefahrenen Farm, gibt es das Gesellschaftszentrum in der Stadt. Dieses wird euch vom Bürgermeister nach kurzer Spielzeit gezeigt und ihr könnt euch von dem heruntergekommenen Zustand des Gebäudes überzeugen. Nun gibt es zwei Möglichkeiten für euch: Ihr kauft im ansässigen Joja-Markt, welcher günstige Preise besitzt, eine Mitgliedschaft und das Zentrum wird als Lagerhalle des Großkonzerns genutzt. Oder ihr verweigert euch einer Mitgliedschaft bei eurem ehemaligen Arbeitgeber und baut das Zentrum selbst wieder auf.

Das Ziel hierbei ist es, die verschiedenen Erzeugnis-Pakete zu füllen. Zu Beginn gibt es nur ein Bündel, welches durch euch gefüllt werden muss. Je mehr Gegenstände ihr jedoch abliefert, desto mehr verschiedene Thematiken schaltet ihr frei: Minen-Paket, Fisch-Paket, und so weiter. Für das Abschließen eines der großen Pakete erhaltet ihr wichtige Belohnungen, mit denen ihr beispielsweise schneller durch das Dorf manövrieren könnt oder sogar ein neues Areal, die Wüste, freischaltet. Es ist allerdings nicht so, dass ihr durch die Ablehnung der Mitgliedschaft keinen Zugang auf die zusätzlichen Funktionen habt, im Gegenteil. Ihr erspart euch das Sammeln und könnt euch einfach die Inhalte mit dem erwirtschafteten Geld kaufen.

Wie wahrscheinlich nur die wenigsten wissen, wurde Stardew Valley ursprünglich von nur einer einzigen Person entwickelt. Das erklärt wahrscheinlich auch, warum man den Grafikstil so gewählt hat, wie er ist. Eine liebevoll in 2D-Grafiken gehaltene Welt, welche sicher nicht unbedingt nur wundervolle Grafiken mit sich bringt. Aber der Charme, den die Welt und die Gesprächs-Modelle der Charaktere mit sich bringen, macht einen großen Teil der Atmosphäre in Stardew Valley aus.

»Wie wahrscheinlich nur die wenigsten wissen, wurde Stardew Valley ursprünglich von nur einer einzigen Person entwickelt.«

Eine Sprachausgabe gibt es nicht, dafür aber komplett deutsche Texte. Hierbei wurde sich mit der deutschen Lokalisierung viel Mühe gegeben, um die Persönlichkeit der Charaktere nicht zu verlieren. Die musikalischen Aspekte sind durchaus gelungen und motivieren euch zur Arbeit auf der Farm.

Stardew Valley wurde, bevor es auf Nintendo Switch portiert wurde, auch auf PlayStation 4 und Xbox One veröffentlicht. Da las ich bereits ab und an Beschwerden über die Steuerung, welche wohl für Konsolenspieler nicht so gut gelungen sein soll. Ich persönlich kann mich jedoch absolut nicht beklagen, auch wenn ich gelegentlich mal ein falsches Feld gewässert habe. Das lag dann aber an meiner Positionierung. Man merkt anhand mancher Menüs, dass Stardew Valley anfänglich für eine Maus- und Tastatursteuerung gedacht war, aber die Controllerweise funktioniert meiner Meinung nach ohne Probleme. Und gerade auf Nintendo Switch im Handheld-Modus ist es unglaublich gemütlich den Titel zu spielen.

Bauer sucht Sau

»Das größte Problem, was man als Spieler bei Stardew Valley haben wird, ist es, das Spiel auszumachen. Dadurch, dass man immer beim Schlafengehen speichert, ist die „Ein Tag noch!“-Einstellung irgendwie immer vorhanden. Ständig plant man, was man als nächstes machen kann, achtet auf Geburtstage und Geschenke, die man beachten muss, verwaltet sein Geld oder besucht die Mine. Es gibt so viel zu tun und doch kommt nie irgendwie Druck auf, dass man nun eine bestimmte Sache als nächstes machen muss. Ich persönlich bin begeistert von dem Titel, aber ich kann mir auch vorstellen, dass vielen Spielern das Leben auf dem Bauernhof dennoch ein wenig zu eintönig oder langweilig ist. Wer jedoch nur ein bisschen Interesse zeigt, sollte definitiv zuschlagen, denn mit 14,99€ in der digitalen Version auf Nintendo Switch ist das Spiel ein absolutes Schnäppchen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass man locker über 100 Stunden in diesen Indie-Titel stecken kann.«

 

Als neuer Bauer in Stardew Valley müsst ihr eure geerbte Farm wieder aufbauen und euch mit den Dorfbewohnern anfreunden.
Tägliches Gießen, Anbauen von Feldfrüchten. Abenteuer in der Mine sind möglich, ihr könnt aber auch soziale Kontakte pflegen und heiraten. Zahlreiche Möglichkeiten zum Geldverdienen sind vorhanden.
Charmanter 2D-Grafiksstil, der aber nicht unbedingt Bäume ausreißt.
Sehr angenehme Hintergrundmusik, keine Sprachausgabe.
Komplett auf Deutsch lokalisiert, Mehrspielermodus soll in zukünftigen Updates noch hinzugefügt werden.