Im Test! Accel World VS Sword Art Online

Wenn es um Sword Art Online geht, so habe ich eine gewisse Hassliebe zu der Serie entwickelt. Irgendwie mag ich das Setting, die Charaktere...
Titel Accel World VS Sword Art Online
Japan 16. März 2017
Bandai Namco
Nordamerika 07. Juli 2017
Bandai Namco
Europa 07. Juli 2017
Bandai Namco
System PlayStation 4, PlayStation Vita
Getestet für PlayStation 4
Entwickler Bandai Namco
Genres JRPG
Texte
Japan Nordamerika
Vertonung Japan

Wenn es um Sword Art Online geht, so habe ich eine gewisse Hassliebe zu der Serie entwickelt. Irgendwie mag ich das Setting, die Charaktere größtenteils auch, aber mich ärgern die absolut unlogischen Entwicklungen im Laufe der Serie in Bezug auf Regeln in einer Videospielwelt. Accel World, welches wie Sword Art Online aus der Hand von Reki Kawahara stammt, konnte mich aber bisher immer überzeugen. Bereits im Roman sowie im Manga von Accel World stießen beide Serien aufeinander, mit Accel World VS Sword Art Online brachte Bandai Namco nun ein Crossover in Form eines Videospieles für PlayStation 4 und PlayStation Vita. Doch geht das Konzept überhaupt auf?

Es ist ein normaler Tag in ALfheim Online für Asuna und Kirito, die Hauptprotagonisten von Sword Art Online, als sie mit ihrer virtuellen Tocher Yui ein Picknick machen. Nach ihrer Rückkehr in die Stadt gibt es plötzlich eine Nachricht, dass sie sich ausloggen sollen, aber das machen sie natürlich nicht und gehen lieber den Ursachen für das Verhalten ihrer „Tochter“ nach. Die Ereignisse überschlagen sich und eine mysteriöse Person namens Persona Vabel sperrt ihre Tochter in einen riesigen Turm ein. Außerdem stoßen Kirito und Asuna auf einen Gegner, welcher erst wie ein normaler NPC wirkt, sich aber als echter Mensch herausstellt.

Die Rede ist von Black Lotus, oder auch Kuroyukihime genannt, aus der Accel-World-Reihe. Nachdem Black Lotus von Persona Vabel ausgetrickst und auf Kirito und Asuna gehetzt wurde, schließt sich das ungewöhnliche Trio zusammen und geht auf die Suche nach ihren Freunden. In der ersten Hälfte des Spieles geht es also erst einmal zum Teil darum, alle Partymitglieder von Kirito und Black Lotus zu finden. Die Story wirkt wie ein Aufhänger dafür, einfach alle Charaktere irgendwie zusammenzuwerfen, entwickelt sich aber dennoch in eine interessante Richtung. Sie ist manchmal dennoch ein wenig vorhersehbar und Sword-Art-Online-typisch wirft man gegen Ende jegliche Logik aus dem Fenster, aber immerhin spricht der Titel interessante Aspekte von künstlichen Intelligenzen und deren Unsterblichkeit an.

»Während die Handlung des Spieles in der Zukunft spielt, so erinnert die Technik von Accel World VS Sword Art Online eher an die Vergangenheit.«

Das anfängliche Picknick der Story dient dem Spieler als kleines Tutorial in die Steuerung von Accel World VS Sword Art Online. Das Kampfsystem ist stark actionorientiert, ihr könnt mit zwei Tasten leichte oder schwere Angriffe durchführen und auf Knopfdruck mit einem Dash ausweichen. Natürlich gibt es auch starke Skills, welche durch Tastenkombinationen ausgeführt werden können und anschließend auf Cooldown sind, bis sie wieder eingesetzt werden können. Anfänglich ein wenig knifflig ist die Flugsteuerung. Bis auf Ausnahmen können nur Sword-Art-Online-Charaktere fliegen und sobald man die Steuerung einmal erlernt hat, macht es durchaus viel Spaß durch die Gegend zu düsen. Ein Problem an dieser Mechanik ist jedoch, dass viel zu viele Kämpfe in der Luft stattfinden und Accel-World-Charaktere, welche sich durch unendliche – und Supersprünge oben halten müssen, einen gewissen Nachteil haben. Alleine deswegen bestand mein Team zu großen Teilen der Spielzeit aus Sword-Art-Online-Charakteren, da ich mir nicht vorstellen kann, wie Accel-World-Charaktere gegen manche Bosse eine echte Chance haben sollen.

Das bedeutet aber nicht, dass ich nie die Steuerung über Silver Crow, Black Lotus und Co. übernommen habe, im Gegenteil. In Dungeons, in denen man meist am Boden oder nur leicht über selbigem kämpft, glänzen die Duel-Avatare deutlich mehr. Dort kann man deren spezielle Funktionen auch deutlich mehr auskosten. Scarlet Rain kann beispielsweise, wie im Original, ihr riesiges Geschütz aufbauen und massig durch die Gegend ballern. Das macht sie zwar angreifbar, aber auch extrem stark. Ash Rider kann auf seinem Motorrad durch die Gegend düsen und Blood Leopard macht ihren Feinden mit ihren Krallen kurzen Prozess. Der größte Unterschied liegt jedoch in der Art und Weise, wie man die Charaktere verstärken kann.

»Die Story wirkt wie ein Aufhänger dafür, einfach alle Charaktere irgendwie zusammenzuwerfen, entwickelt sich aber dennoch in eine interessante Richtung.«

Sämtliche Sword-Art-Online-Charaktere können mit verschiedenen Waffen ausgerüstet werden. Kirito kann beispielsweise seine berühmten Doppelklingen nutzen, ist aber auch zum Kampf mit einem Zweihandschwert oder Schwert und Schild in der Lage. Jede Waffenart hat dabei ihre eigenen Angriffsskills, während die Charaktere zusätzlich abhängig ihrer Feenart (wovon es acht verschiedene gibt) andere Magie- und Unterstützungs-Fähigkeiten erlernen. Asuna als Undine lernt dabei zum Beispiele viel Angriffsmagie, während Kirito einige Debuff-Fähigkeiten lernt um beispielsweise die Abwehr der Gegner zu verringern. Positiv: Debuffs klappen auch bei den Bossen. Durch die Möglichkeit, Waffen auszurüsten, kann man auch einem Sword-Art-Online-Charakter mit niedrigem Level einfach eine starke Waffe in die Hand drücken und ihn gegen starke Feinde schicken. Bei den Accel-World-Figuren ist das alles ein wenig anders. Deren Angriffsstärke kann nur mithilfe der Burst Points (BP) verstärkt werden, welche gemeinsam mit der Spielwährung Yrd aus Sword Art Online von Monstern fallengelassen werden. Außerdem benötigt man zusätzlich Materialien, um die Stärke zu erhöhen. Während Kirito beispielsweise durch ein Level-up nicht mehr Angriffspunkte bekommt, so erhöhen sich die Angriffswerte bei Silver Crow und Co. eben durch das Aufleveln. Mithilfe der BP könnt ihr jedoch auch das Level eines Charakters erhöhen, was das Verstärken der Accel-World-Figuren etwas einfacher macht.

Durch weitere Ausrüstungsgegenstände können die Charaktere weiter verbessert werden. Dabei gibt es die üblichen Dinge wie Ring, Kette oder Nebenhand. Bei den Accel-World-Charakteren gibt es jedoch noch zusätzliche fünf Ausrüstungsplätze, welche mit hilfreichen Teilen ausgerüstet werden können. Damit kann man beispielsweise bei einem Angriff direkt einen geringeren Abwehr-Effekt hinzufügen und den Feind mit Debuffs extrem schwächen. Eine perfekte Mischung ist da also äußerst hilfreich. Bei den Sword-Art-Online-Charakteren ist es auch möglich, weitere Kostüme freizuschalten, während ich bei den Accel-World-Figuren lediglich komplett eigenständige, neue Formen der Personen als neue Charaktere erhalten habe. (Die aber sehr cool sind, zugegeben.)

Um Yui zu retten, kehrt ihr immer wieder in dieselben drei Gegenden zurück, recht spät kommt noch ein viertes Areal dazu. Die Gebiete sind groß, aber es wird doch recht schnell ein wenig langweilig, immer dieselbe Gegend zu sehen. Auch ist es dann nervig, wie riesig die Gegenden sind, wenn man einfach nur von A nach B möchte. Das ist auch der Grund, wieso ich recht schnell aufgehört habe, Nebenquests anzunehmen.

In der Stadt, welche als Mainhub genutzt wird und euch die Möglichkeit zum Einkauf und zum Treffen mit anderen Figuren gibt, könnt ihr jederzeit Quests annehmen. Diese bestehen aus drei Kategorien: Besiege Monster X 30 Mal, sammle von Item Y Z Gegenstände oder finde einen speziellen Platz auf einer Karte. Beim Monsterbesiegen geht es schon los: Ihr bekommt nur einen vagen Hinweis, wo sich die Gegner auf einer Karte befinden und auf der Minimap wird euch deren Position nicht angezeigt. Also reist ihr auf der Suche nach einem Monster ewig durch die Gegend, bis ihr dann einen kleinen Mob aus drei bis vier Monstern gefunden und besiegt habt. Dann geht die Suche weiter. Dadurch, dass die Karten so riesig und die Monster-Spawngegenden recht verstreut sind, dauert das dann schon eine ganze Weile.

Noch schlimmer ist die Suche nach speziellen Items, welche die Monster fallen lassen, denn diese haben natürlich nur eine gewisse Chance, überhaupt fallengelassen zu werden, was dann zu noch mehr langweiligem Umherfliegen führt. Am schlimmsten sind aber die „Finde folgende Location“-Quests. Darin müsst ihr einen ganz speziellen Punkt auf einer Karte finden, der meist nur extrem vage beschrieben wird. Oft stolpert man dann mehr aus Zufall über den Ort als willentlich. Das alles wäre vielleicht gar nicht so das Problem, wenn man so viele Quests annehmen könnte, wie man möchte, aber man kann nur eine kleine Anzahl an Quests auf einmal starten. Einfacher sind da die Herausforderungen, in denen ihr einfach nur an einen Punkt teleportiert werdet und dort einen Gegner besiegen müsst. Simpel und spaßig. Ebenfalls nervig: Manchmal hat man während der Hauptstory nicht wirklich einen Indikator, wo man hin soll und auch die Gespräche mit Bewohnern der Stadt sind nicht immer sehr hilfreich. Früher oder später findet man es dann raus, aber ein wenig einfacher hätte man es dem Spieler durchaus machen können. Einfach nur ziellos durch die Gegend zu rennen macht keinen Spaß.

Die Anzahl der spielbaren Charaktere ist wirklich gigantisch und gerade durch die riesige Abwechslung kommt einiges an Motivation herein, diese auch ausnutzen zu wollen. Sogar nach dem Abschließen der Hauptstory könnt ihr noch weitere Charaktere in euer Team aufnehmen und leveln. Das Ganze hat sogar noch einen weiteren Nutzen, unabhängig davon, dass sie stärker werden. Eure Charaktere bauen eine Beziehung zueinander auf, je mehr ihr sie im selben Team habt und allgemein nutzt. Dies schaltet euch in der Hauptstadt neue Nebenquests zwischen den Figuren oder einfach nur lustige Gespräche frei. Manchmal kann man dabei sogar neue Kleidung oder Gegenstände bekommen, indem man die Nebenquests absolviert. Ein weiterer Vorteil von Charakteren, die sich gern haben: Im Kampf werden sie bei einem Wechsel umso stärker, je mehr sie sich gern haben. Ein Wechsel kann ausgeführt werden, sobald die zugehörige Leiste mindestens zur Hälfte gefüllt ist. Wird ein solcher Move ausgeführt, ist der Gegner kurz paralysiert und eure Angriffe machen deutlich mehr Schaden. Auf diese Weise kann mit den richtigen Kombos sogar der stärkste Feinde schnell geschmolzen werden.

Passend zum Aspekt, dass es sich bei der Spielwelt ja eigentlich um ein MMO handelt, gibt es auch einen Multiplayer-Modus. Dieser wird aber erst nach Spielende richtig interessant, da ihr besser erst einmal ordentlich Ausrüstung und Erfahrung sammeln solltet, bevor ihr euch mit anderen Spielern gemeinsam auf große Monster stürzt. Generell muss man dem Titel zugutehalten, dass es nach dem Abspann noch einiges zu tun gibt. Zahlreiche neue Quests und Aufgaben werden euch geboten, sobald ihr den Titel erstmals beendet habt. Wer direkt noch einmal von vorn anfangen möchte, kann sogar in einem New Game Plus seine verstärkten Charaktere übernehmen.

»Manchmal hat man während der Hauptstory nicht wirklich einen Indikator, wo man hin soll. Einfach nur ziellos durch die Gegend zu rennen macht keinen Spaß.«

Während die Handlung des Spieles in der Zukunft spielt, so erinnert die Technik von Accel World VS Sword Art Online eher an die Vergangenheit. Die riesigen Gegenden sind recht leer, auch wenn es ein paar hübsche Orte gibt. Die Charaktere sehen gut aus, aber eher auf hohem PlayStation-3-Nivau „gut“. Man merkt, dass der Titel auch auf PlayStation Vita erscheinen musste und somit eventuell die grafischen Möglichkeiten für PlayStation 4 zurückgehalten hat. Absolut unverständlich ist vor allem, wieso der Titel auf der Heimkonsole manchmal ins Stocken gerät, vor allem beim Betreten einer Gegend oder dem Auftauchen von Monstern. Auch das Quest-System ist, wie bereits erwähnt, absolut altbacken und hätte deutlich besser ausfallen können. Allgemein ist das Spiel also technisch gesehen ein wenig enttäuschend. Besonders peinlich sind die Zwischensequenzen, von denen es zu Recht nur wenige gibt. Diese sind unangenehm merkwürdig animiert, oftmals ohne Ton und absolut effektlos. Da wäre definitiv deutlich mehr drin gewesen, wenn man überlegt, wie actionreich beide Vorlagen sind.

Die Soundkulisse kann hingegen ein wenig mehr überzeugen. Alle bekannten japanischen Sprecher beider Reihen kommen vor und machen ihre Aufgabe sehr gut. Musikalisch gibt es Höhen und absolute Tiefen. Das Hauptthema der Stadt ist mir so im Kopf geblieben, dass es mir sogar vorm Schlafengehen in den Ohren geisterte. Eine Melodie, welche bei manchen Bosskämpfen auftaucht, ist mir jedoch aus einem ganz anderen Grund im Kopf geblieben: Sie ist irgendwie albern und unpassend. Man hat eher den Wunsch, im Rhythmus einen bayrischen Volkstanz zu vollziehen, anstatt ein Monster zu schnetzeln.

Fazit

»Accel World VS Sword Art Online ist das erste Sword-Art-Online-Spiel, welches mich endlich richtig packen konnte und mich dazu brachte, es freudig zu beenden. Es hat allerdings definitiv seine Macken und mehr als nur einmal habe ich genervt gestöhnt, beispielsweise weil ein Boss einfach die ganze Zeit durch die Gegend geflogen ist und ich ihn so schwer angreifen konnte, ohne ihm erst einmal hinterherzufliegen. Das Quest-System motiviert mich nur gering aufgrund seiner schlechten Ausführung. Warum aber habe ich dann freudig das Spiel beendet? Die Story konnte mich dennoch ein wenig packen und ich persönlich mag die Charaktere einfach sehr. Die Interaktion der Figuren aus beiden Welten ist sehr interessant und hat mich tatsächlich auch das ein oder andere Mal zum Lachen gebracht. Ein weiterer Grund für mein Spielen war einfach die gigantische Charakterauswahl, auch wenn ich größtenteils mit meinen persönlichen Lieblingen durch die Gegend geflogen bin. Fans der Reihen kommen also definitiv auf ihre Kosten. Wer jedoch noch nie etwas mit Accel World oder Sword Art Online am Hut hatte, sollte definitiv die Finger von dem Spiel lassen. Denn dann wird die fehlende Liebe zu den Charakteren wahrscheinlich nur schwer über das doch recht mittelmäßige Gameplay hinwegtäuschen.«

 

Aus einer recht typischen „Zwei Welten prallen aufeinander“-Story entwickelt sich eine interessante Geschichte, in welcher die Charaktere aus beiden Reihen die virtuelle Welt retten.
Actionreiches Kampfsystem, welches auch in der Luft Spaß macht. Durch die Gegend fliegen ist spaßig, aber die riesigen Areale und das schlechte Quest-System machen es einem flott ein wenig madig.
Technisch gesehen ist Accel World VS Sword Art Online in der Vergangenheit hängen geblieben. Ruckler auf PlayStation 4 sind unerklärlich, Zwischensequenzen peinlich.
Klasse japanische Sprachausgabe, nahezu jedes Gespräch ist vertont. Soundtrack reicht von super bis absolut lahm und albern.
Multiplayer-Modus lässt euch mit anderen Spielern gemeinsam questen, viel Inhalt nach der Story, komplett deutsche Texte.