Im Test! Miniature Garden

Fruitbat Factory ist mittlerweile kein unbeschriebenes Blatt mehr im Westen. Gerade wenn es um Visual Novels aus der Indie-Szene geht, hat der...
Titel Miniature Garden
Japan 16. August 2015
Muzintou
Nordamerika 30. März 2017
Fruitbat Factory
Europa 30. März 2017
Fruitbat Factory
System PC
Getestet für PC (Steam)
Entwickler Muzintou
Genres Visual Novel, Mystery
Texte
Nordamerika 
Vertonung Japan

Fruitbat Factory ist mittlerweile kein unbeschriebenes Blatt mehr im Westen. Gerade wenn es um Visual Novels aus der Indie-Szene geht, hat der Herausgeber einige unbekannte Perlen wie Magical Eyes: Red is for Anguish und Enigma herübergebracht. Mit Miniature Garden gelangt ein weiterer Mystery-Titel in den Westen. Die Indie-Visual-Novel stammt aus dem Hause Muzintou, die in Verbindung mit Entwickler Lump of Sugar stehen. Hört man die Namen Lump of Sugar und Riko Korie, die das Charakterdesign übernimmt, wäre der erste Gedanken, dass es sich hierbei um eine Visual Novel handelt, die mit Hentai-Inhalten daherkommt – aber dies ist nicht der Fall. Miniature Garden wurde als ein All-Ages-Titel entwickelt und enthält, selbstverständlich auch keine zuckersüßen, romantischen Szenen. Ob Miniature Garden mit anderen Genrevertreter wie Root Double oder Corpse Party mithalten kann, erfahrt ihr in unserem Test!

Das Geheimnis des Miniature Garden

Endlich ist es wieder soweit! Das berühmt-berüchtigte Miniature Garden Festival steht vor der Tür, welches alle drei Jahre an der gleichnamigen Schule stattfindet. Um dieses Event ranken sich einige mehr oder weniger schöne Gerüchte. So sagt man sich zum Beispiel, dass einen Tag nach dem Festival, ein Schüler tot aufgefunden wird. Protagonist Yasunari Iguchi, der nichts für solchen Humbug übrig hat, fängt an, an seinen Glauben zu zweifeln, als er in eine Situation geworfen wird, die glatt aus einem Horror-Szenario hätte stammen können.

Eigentlich war sein Plan, zusammen mit Kindheitsfreundin Ayana Sakura das Schulfestival zu genießen, aber stattdessen findet er sich plötzlich in einem leeren Schulgebäude wieder. Wie es dazu gekommen ist, weiß er nicht so wirklich, aber irgendwer muss ihn niedergeschlagen haben. Ganz alleine ist er allerdings zum Glück nicht, denn Ayana ist genau dasselbe passiert und auch Itsuki Orimoto und Sumika Shibaya, zwei seiner Freunde, treffen schnell dazu. Auf der Suche nach einer Erklärung für die seltsame Situation stellen sie schnell fest, dass sie in der Schule eingesperrt sind. Sowohl der Haupteingang als auch sämtliche Fenster wirken wie zugeklebt und lassen sich selbst mit einen schweren Gegenstand nicht einschlagen. Dazu kommt, dass ein geheimnisvolles Mädchen in den Gängen herumwandert, das mehr zu wissen scheint. Sie erzählt, dass sie wegen dem Miniature Garden Festival hier eingeschlossen wurden und wenn sie bis Mitternacht nicht die Wahrheit hinter der Situation herausfinden, werden sie die nächsten Opfer des Festivals werden.

Miniature Garden

Miniature Garden stellt das Thema Mystery an erster Stelle und weiß dies vor allem im ersten Spieldurchgang gut darzustellen. Die Handlung wird spannend und in einem passenden Tempo erzählt und führt den Leser zu einem von insgesamt sieben unterschiedlichen Enden. Drei davon sind den weiblichen Charakteren des Spieles zugeordnet und decken die Geheimnisse hinter dem Miniature Garden Festival auf, während der Rest schlechte Enden darstellt. Um ein vollständiges Bild zu bekommen, müssen alle Enden gelesen werden. Leider fügen sich die Informationen, die man aus unterschiedlichen Routen herausfiltert, nicht zu einem zufriedenstellenden Gesamtbild zusammen. Es wirkt eher wie ein Puzzle, welchem selbst bei der Fertigstellung noch Teile fehlen und selbst die Enden, die sich direkt mit den Geheimnissen beschäftigen, finden zu schnell ein Ende und lassen Fragen offen. Die Ideen an sich sind allerdings interessant, besonders wie einige Wendungen und Szenen dargestellt werden. Der Verlauf der Handlung und der Hintergrund wissen den Leser zumindest zeitweise zu fesseln und machen Lust darauf, alles aufzudecken.

Die Charaktere sind leider nicht alle zufriedenstellend geschrieben und es fehlen ihnen Merkmale, die sie hervorstechen lassen. Man lernt die Charaktere zum Großteil nur als ihre Stereotypen kennen und auch wenn man teils ein anderes Bild von ihnen zu Gesicht bekommt, fehlt aufgrund der Kürze der Visual Novel einfach die Ausarbeitung. Dazu kommt, dass bis auf zwei Ausnahmen, keiner die Situation ernst genug nimmt und dementsprechend fehlplatzierter Humor keine Seltenheit ist. Da die Verbundenheit fehlt, kann man auch nicht wirklich mitfühlen, was etwas schade ist, da sich dies auch auf dramatische Momente auswirkt in denen ein Charakter tot aufgefunden wird. Trotz allem hat jeder Charakter einen eigenen interessanten Hintergrund und jeder ist auf irgendeiner Art und Weise mit dem Geheimnis hinter dem Festival verbunden.

Das mysteriöse Mädchen namens Rio, welches von Yasunari und seinen Freunden in der Schule gefunden wird, nimmt eine zentrale Rolle in der Handlung ein und wirkt allgemein wie der am besten durchdachte Charakter. Eigentlich sollte auch Yasunari selbst, gerade durch seine Wichtigkeit und den Geheimnissen um ihn, denen er sich selbst nicht bewusst ist, gut in Erinnerung bleiben. Dies tut er allerdings nicht, weil er als Charakter etwas unsichtbar wirkt. Er wird behandelt wie der typische Self-Insert-Protagonist in Romanzen-Visual-Novels, ohne Stimme und immer verstecktem Design oder Gesicht, was er aber nicht ist. So etwas passt nicht in die Art und Weise, wie die Handlung erzählt wird.

Miniature Garden

Auch wenn man bei so einer Geschichte schnell an Corpse Party und ähnliche Vertreter des Genres denken mag, so ist Miniature Garden vergleichsweise zahm in Bezug auf Gore in Beschreibung und Bildern. Vollkommen ohne kommt es allerdings nicht aus. Es gibt einige wenige Szenen und Bilder, die etwas verstörend herüberkommen können und auch Gebrauch von Blut machen, aber man merkt, dass es nicht im Vordergrund steht. Nach einem Happy End (oder auch ein Wahres Ende) sucht man übrigens vergeblich. In jedem Ende passieren schreckliche Dinge und damit ist es vorprogrammiert, dass nicht jeder lebend aus dem Albtraum herauskommen wird.

In Sachen Musik kommt Miniature Garden eher mittelmäßig daher. Nicht jeder Track wiederholt sich übergangslos, was entsprechend negativ auffällt. Zudem ist, bis auf das Opening- und Ending-Lied eigentlich alles andere leicht wieder vergessen. Eine wirklich große Auswahl an Hintergrundmusik gibt es übrigens nicht, daher muss man sich damit anfreunden, dass oftmals die selben Lieder gespielt werden. Punkten kann dafür das hübsche Charakterdesign von Riko Korie, was professionell und qualitativ hochwertig daherkommt. Bekannt ist die Zeichnerin allerdings in erster Linie an ihren Arbeiten für PC-Visual-Novels für Erwachsene und sie zeichnet sich durch ihren zuckersüßen Stil aus. Dementsprechend sehen auch die Charaktere in Miniature Garden aus. An sich ist dies nichts Schlechtes, aber es wirkt in bestimmten Momenten einfach nur fehl am Platz. Gleiches gilt für einige verwendete Gesichtsausdrücke, die einfach zu sehr in Richtung Comedy gehen. Der Stil der Hintergründe steht im direkten Kontrast zu den Charakteren, da diese ein eher realistisches Gefühl vermitteln. Zudem besteht eine gewisse Ungleichmäßigkeit durch unterschiedlich verwendete Stilmittel. Neben der gelungenen Atmosphäre, kann man zudem der japanischen Synchronisation ein großes Lob aussprechen, denn die Sprecher legen einen fantastischen Job hin. Gerade Tetsuya Kakihara lebt in seiner Rolle als Itsuki richtig auf und sorgt für den ein oder anderen Gänsehautmoment.

An der Qualität der Übersetzung gibt es nichts zu bemängeln, allerdings haben sich einige seltsame Fehler in die Visual Novel geschlichen. Einige wenige Formatierungsfehler, Rechtschreibfehler, ausgegraute Buchstaben, plötzlicher Wechsel der Textart und das Opening wurde auf dem Kopf und spiegelverkehrt gezeigt. Dies sind alles Dinge, die Fruitbat Factory mit Patches beheben könnte, was auch hoffentlich noch passieren wird.

Miniature Garden lässt sich im Fenstermodus und im Vollbildmodus spielen. Die höchste Auflösung ist dabei 1280×720. Sowohl die automatische Textlesefunktion als auch das Überspringen der Texte lässt sich in einer zufriedenstellenden Geschwindigkeit einstellen. Der Backlog ist etwas einfach gestaltet. Zwar erfüllt dieser seinen Dienst, aber es gibt zum Beispiel keine Möglichkeit an früheren Stellen zurückzukehren. So ist es ratsam, vor jeder Entscheidung entweder die Schnellspeicherfunktion zu nutzen oder einen Speicherstand anzulegen. Freie Speicherstände gibt es übrigens mehr als genug.

Als Extra gibt es eine Übersicht der Enden, allerdings leider nur namentlich aufgeführt und eine Galerie mit allen freigeschalteten Eventbildern.

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Fazit

»Miniature Garden schafft es eine spannende Mystery-Geschichte zu erzählen, die vor allem Stärken in Erzählweise und Atmosphäre zeigt. Leider fügen sich nicht alle Charaktere gut in die Handlung mit ein, was vor allem an der Art und Weise liegt, wie sie geschrieben sind, aber die Wendungen und ihr Hintergrund sind interessant genug erzählt. Selbst nach Lesen aller Enden wird es leider noch offene Fragen geben und nicht alles fügt sich gut zusammen. Zudem sollten vor allem Fans des Genres nicht zu viel erwarten, weil es ansonsten zu Enttäuschungen kommen könnte. Miniature Garden kommt nämlich längst nicht an Titel wie Root Double, Corpse Party oder Enigma heran und stellt lediglich eine kurzweilige, nette Visual Novel für zwischendurch dar. Durch den gegebenen negativen Punkten, die das Leseerlebnis doch etwas trüben können und der relativ kurzen Spielzeit von fünf bis acht Stunden, ist es zudem ratsam auf eine Preissenkung zu warten.«

Story: Wird spannend erzählt und baut eine gute Atmosphäre auf, leider sind Charaktere weitgehend zu stereotypisch und fügen sich nicht alle gut in das Genre ein.

Gameplay: Wie üblich bei einer Visual Novel besteht das Gameplay aus Lesen und zwischendurch ein paar Entscheidungen zu treffen.

Grafik: Hübsches Charakterdesign, was in einigen Momenten etwas zu niedlich herüberkommt, Hintergründe passen nicht so gut mit den sonstigen Artworks zusammen.

Sound: Unbedeutender Soundtrack, bei dem lediglich das Opening- und Ending-Lied hörenswert sind, einige Tracks wiederholen sich nicht übergangslos, die japanische Synchronisation ist sehr gelungen.

Sonstiges: Sieben Enden, eher kurzweilig (5 – 8 Stunden Spielzeit), Galerie und Endenübersicht als Extra.