Im Test! Digimon World: Next Order

Einen Grundtenor zum Spiel kann man anhand der Einleitung eventuell bereits festmachen. Fangen wir dennoch erst mal beim Anfang an...
Titel Digimon World: Next Order
Japan 26. Februar 2017
Bandai Namco
Nordamerika 31. Januar 2017
Bandai Namco
Europa 27. Januar 2017
Bandai Namco
System PlayStation 4, PSVita (JP)
Getestet für PlayStation 4
Entwickler B.B. Studio
Genres RPG

Zähmer: „Willkommen bei einem neuen Test hier auf JPGames. Dieses Mal dreht sich alles um…“
Agumon: „Ich habe Hunger! Gib mir etwas zu essen!“ *gibt Agumon Fleisch*
Zähmer: „Entschuldigt die Unterbrechung. Wo war ich? Ach ja. Dieses Mal dreht sich alles um Digi…“
Salamon: „Ich möchte jetzt kein Katzengras essen, gibt mir was Anderes!“ *schimpft Salamon aus*
Zähmer (leicht gereizt): „Also… kommen wir nun zum Test von Digimon World: N…“
Agumon & Salamon: „WIR MÜSSEN AUS’S KLO!!“
Zähmer: „Digimon World: Next Order. Test. JETZT!“ *läuft mit beiden schnell zum Klo*

Wieder einmal befindet sich die Digiwelt in großer Gefahr

Einen Grundtenor zum Spiel kann man anhand der Einleitung eventuell bereits festmachen. Fangen wir dennoch erst mal beim Anfang an. Nichtsahnend gelangt ihr als Protagonist/in in die Digiwelt. Euch stehen plötzlich zwei Digimon gegenüber: WarGreymon und MetallGarurumon. Allerdings bleibt euch keine Zeit zum Plaudern oder um Fragen zu stellen, denn ein böses Machinedramon erscheint und greift euch an. Mutig stellen sich eure Digimon dem Machinedramon entgegen und obwohl ihr den Kampf gewinnt, gelangt ihr nicht nach Hause. Warum nur?

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WarGreymon und MetallGarurumon eilen euch zur Hilfe!

Nach dem Kampf seid ihr in der Stadt Floatien und erfahrt von Jijimon, dass sich die Digiwelt momentan in großer Gefahr befindet. Böse Machinedramon tauchen überall auf und vernichten einzelne Dörfer. Natürlich gibt es nur eine Person, welche dieses Unheil aufhalten kann: du! Damit ihr aber den bösen Machinedramon nicht alleine entgegentreten müsst, bekommt ihr zwei Digimon-Partner an eure Seite. Am Anfang habt ihr die Auswahl zwischen zehn Digi-Eiern. Soll es lieber ein Botamon oder ein Puyomon werden? Egal für was ihr euch entscheidet, zu Beginn des Spiels ist eure Entscheidung mehr oder weniger obsolet, falls ihr euch wünscht, mit einem bestimmten Digimon die Welt zu erkunden. Dazu gleich mehr.

Zwar bietet euch Digimon World: Next Order eine Geschichte, jedoch ist diese nicht wirklich von großer Bedeutung. Die Haupthandlung habt ihr bereits mehrfach (ebenfalls in Digimon-Spielen) erlebt und sollte daher keinen vom Hocker hauen. Davon allerdings mal abgesehen, haben mir die Charaktere im Spiel gut gefallen, auch wenn diese nicht wirklich oft in den Vordergrund treten. Sie sind da, wenn man sie braucht, treiben die Geschichte ein wenig voran und haben ebenfalls ab und zu einen lustigen Spruch auf Lager. Das Hauptaugenmerk liegt dennoch auf euch, wie ihr die Welt erkundet und den Aufbau von Floatien vorantreibt. Das kleine Dorf besitzt anfangs nicht viel und es liegt an euch, die „verlorenen“ Digimon zur Stadt zu führen. Dadurch wächst Floatien, ihr bekommt neue Gebäude oder alte Gebäude werden verbessert, ihr könnt bestimmte Dinge reparieren lassen und einkaufen.

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Mit kleinen Tamagotchis tretet ihr online gegeneinander an.

Als guter Anlaufpunkt, um mögliche Digimon zu finden oder weitere Informationen über das Spiel zu erhalten, dient Jijimons Haus. Viele Baby-Digimon erzählen euch von den Grundregeln. Wer bislang noch nichts mit der World-Reihe zu tun hatte, sollte diesen Digimon einen Besuch abstatten. In dem Haus könnt ihr ebenfalls eine Internetverbindung herstellen und gegen andere Zähmer aus der ganzen Welt antreten. Die Kämpfe laufen mit Tamagotchi-ähnlichen Digivices ab, auf denen ihr eine Pixelvariante eures Digimon sieht. Es ist wie früher, als man seine Digivice-Spielzeuge aneinandergesteckt hat. Für zwischendurch sind diese Kämpfe wirklich nett, da man die gewonnenen Punkte gegen gute Items eintauschen kann. Leider gibt es ein Tageslimit von drei Kämpfen.

Neben Jijimons Haus findet ihr noch allerhand weitere Gebäude. Da gibt es zum einen die Ackerfelder mit köstlichem Fleisch von Tanemon, die euch jeden Tag mit Nahrung versorgen oder ihr verbringt eure Tage im Trainingsraum. Damit ist eure Grundversorgung gegeben. Mit weiteren Digimon könnt ihr den Wert eurer Stadt steigern und es kommen mehr Gebäude hinzu. So verkauft euch zum Beispiel Tentomon Items, wenn ihr es schafft, ihn zu überreden in die Stadt zu kommen oder Patamon wird zum Lageristen. Mit Hilfe der Architekten Veemon seid ihr später sogar in der Lage, eure Gebäude zu verbessern. Dafür benötigt ihr allerdings Materialien, die eure Digimon in den unterschiedlichen Gebieten sammeln können.

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Ihr könnt eure Digimon loben, ausschimpfen oder ignorieren.

Apropos Digimon! Wie bereits erwähnt, gesellen sich zwei Digimon-Partner an eure Seite. Diese brauchen viel Pflege, damit sie stärker werden und digitieren können. Aus diesem Grund müsst ihr eure Partner füttern, loben oder disziplinieren, zur Toilette bringen und trainieren. Zum letzten Punkt sei jetzt schon gesagt, dass es viel Zeit in Anspruch nehmen wird, besonders, wenn ihr noch keinen vorherigen Teil der World-Reihe gespielt habt. Euch werden teilweise unverständliche Zahlen oder Werte vorgeworfen, mit denen ihr euch erst einmal zurechtfinden müsst. Zu Beginn ist das wirklich nicht einfach und selbst nach mehreren Stunden kann dies noch zu Schwierigkeiten führen. Es braucht seine Zeit, bis ihr merkt, in welchen Zusammenhang ihr die Werte bringen müsst, damit die passende Digitation erreicht wird.

Lasst euch nicht abschrecken!

In diesem Punkt hilft euch das Spiel ein wenig. Jedes Mal, wenn ihr eure Partner lobt oder ausschimpft, schaltet ihr die verschiedenen Punkte in einer Übersicht frei und erkennt, welche Werte ihr trainieren müsst. Im Trainingsraum, wo ihr eventuell viel Zeit verbringen werdet, verbessert ihr anschließend eure Partner in Sachen Stärke, Ausdauer etc. Allerdings sind dies nicht die einzigen Werte, auf die ihr achten solltet. Das Gewicht oder wie gut/schlecht ihr eure Digimon diszipliniert habt, hat ebenfalls eine Auswirkung auf die Digitation. Wenn ihr es dann endlich geschafft habt, eine bestimmte Anzahl an Schlüssel-Werten, welche für eine passende Digitation benötigt werden, zu erreichen, digitiert euer Partner. So viel zur Theorie.

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Im Trainingsraum können unterschiedliche Werte verbessert werden.

In der Praxis sieht das Ganze oft anders aus. Selbst wenn man die passenden Schlüssel-Werte erfolgreich trainiert hat, kann es vorkommen, dass der Partner nicht digitiert oder nicht in das Digimon digitiert, auf das man hintrainiert hat. Im Laufe des Spiels wird euch auch hier immer mehr geholfen. Zu Beginn solltet ihr aber eure Zeit nicht damit vergeuden, ein gewünschtes Digimon zu digitieren. Nehmt die Digitationen so, wie sie kommen und konzentriert euch erst einmal auf die Geschichte sowie darauf, den Ausbau der Stadt voranzutreiben. Im Laufe des Spiels werdet ihr noch die Gelegenheit bekommen, eure Lieblingsdigimon zu erhalten, denn Digimon leben nicht für immer, sondern nur bis zu circa 20 Ingame-Tage. Anschließend dürft ihr euch ein neues Digi-Ei aussuchen und die Chose geht vorne los. Zum Glück werden nach jedem Tod bestimmte Attribute an die nächste Generation weitergegeben und so müssen einige Werte ab und zu weniger trainiert werden.

»Trainingseinheiten können wirklich sehr mühsam sein. Zudem wird man immer wieder unterbrochen, weil die Digimon etwas möchten.«

Trainingseinheiten können wirklich sehr mühsam sein. Wenn man von der Tatsache absieht, dass es sehr repetitiv und eintönig ist sowie ihr im Grunde immer und immer wieder nur die X-Taste drückt, zehrt es ziemlich an den Nerven, wenn man dann auch noch nicht wirklich vorankommt, da die gewünschten Verbesserungen, aufgrund von niedrigen Zahlen, nicht zu Stande kommen. Zudem wird man in seiner Trainingseinheit immer wieder unterbrochen, weil die Digimon etwas zu Essen möchten, auf’s Klo müssen oder erschöpft sind. Das sind zwar alles Faktoren, die man nachvollziehen kann, aber nerven, wenn man gerade mal eine Einheit gemacht hat und anschließend sofort irgendwelche Sprechblasen mit Forderungen auftauchen. Im Laufe des Spiels werden die Trainingseinheiten zwar deutlich besser sowie einfacher und mit bestimmten Lebensmitteln könnt ihr ebenfalls die Werte eines Digimon steigern, dennoch wirkt das ganze Konzept nicht mehr zeitgemäß.

Geht raus in die Natur!

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Es gibt einige schöne Landschaften.

Solltet ihr mal nicht im Trainingsraum versauern, erkundet ihr die wunderschöne Digiwelt. Diese besticht durch facettenreiche Gebiete, die sehr individuell gestaltet sind. Dennoch merkt man dem Spiel ein wenig an, dass es ein PlayStation-Vita-Spiel als Vorlage hatte. Das sieht man unter anderem an verschiedenen Texturen einzelner Gegenstände, die etwas einfacher ausmodelliert sind. Des Weiteren gibt es einige Ruckler in bestimmten Gebieten, wenn man die Kamera bewegt. Im Großen und Ganzen fällt das zum Glück nicht ganz so stark ins Gewicht und ist vertretbar, da man Derartiges im normalen Spielverlauf nicht unbedingt oder nur im geringen Maße merkt.

Noch etwas, was ihr im Trainingsraum nicht machen könnt, ist feindlich gesinnten Digimon in den Hintern zu treten. Diese lauern in allen Gebieten und wenn sie euch sehen, greifen sie euch direkt an. Dabei sind die Gegner nicht immer alleine unterwegs. Berührt euch eines dieser Digimon, springt ihr ins Kampfgeschehen. Dieses läuft in Digimon World: Next Order in Echtzeit ab. Während eure Digimon gegen das feindliche Digimon kämpfen, steht ihr am Rand des Geschehens und ruft ihnen zu. Dadurch erhöht sich die sogenannte Befehlskraft und ihr könnt ihnen Befehle (Angriffe/Verteidigung) erteilen. Diese sind nicht gerade vielseitig. Großes strategisches Verhalten müsst ihr ebenfalls nicht an den Tag legen, da eure Digimon im Grunde alles auch autonom erledigen könnten. Wenn eure Partner sich dennoch in Schwierigkeiten befinden, könnt ihr ihnen ebenfalls mit Heilungsdisks oder Angriffsboosts helfen. Auch wenn sich die Kämpfe etwas langweilig anhören, können sie richtig spannend werden, bei den richtigen Endgegnern.

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Los Gabumon!

Nach einem erfolgreichen Kampf erhalten nicht nur eure Digimon Erfahrungspunkte bei bestimmten Werten, sondern euer Zähmer bekommt ebenfalls welche. Das sind die sogenannten Zähmer-Punkte, welche ihr in unterschiedliche Bereiche investieren könnt. Dadurch lernt ihr unter anderem das Kochen und könnt euren Digimon leckere Sachen zubereiten. Oder ihr investiert alles ins Training, sodass eure Digimon schneller bessere Fortschritte erzielen. Ihr könnt die Punkte auch ins verbesserte Sammeln von Materialien stecken oder ins Kommandieren eurer Digimon, sodass ihnen weitere Angriffe im Kampf zur Verfügung stehen. Dabei solltet ihr eure Punkte mit Bedacht wählen, da ihr nicht alle Zähmer-Fähigkeiten erforschen könnt.

Vor einem Kampf solltet ihr immer die jeweilige Stufe eines gegnerischen Digimon im Auge behalten. Zwar befindet sich euer Gegenüber vielleicht nur auf Level Rookie, könnte jedoch bereits auf Stufe 26 sein. Bei solchen Konfrontationen habt ihr selbst mit Ultra-Digimon eine große Herausforderung. Umgekehrt gilt dies für Mega-Digimon, die nur eine niedrige Stufe zu haben scheinen.

Auch etwas für die Ohren

Neben der wunderschönen Optik des Spiels und den reizvollen Charakteren sowie Digimon, besitzt Digimon World: Next Order ebenfalls einen sehr guten Soundtrack. Wer die Animes Sword Art Online oder Kill La Kill gesehen hat, wird die Sängerin der jeweiligen Openings, Eir Aoi, bereits schon einmal gehört haben. Wie schon bei den Animeserien gibt Aoi dem Spiel ein klangvolles Opening, welches man sich ebenfalls abseits des Spiels gerne anhört.

Einen kleinen Wermutstropfen besitzt das Spiel noch: die Lokalisierung. Hin und wieder liest man in der deutschen Übersetzung einige Rechtschreibfehler mit. So etwas ist im Grunde nicht weiter tragisch, wird allerdings zum Problem, wenn etwas komplett falsch übersetzt wird wie zum Beispiel bei der Seadramon-Quest. Das Digimon verlangt von euch einige Fische, darunter befindet sich ebenfalls eine Karausche. Allerdings gibt es diese im Spiel nicht und es ist ein Krustentier gemeint. Wenn man das nicht zufällig herausfindet, hockt man sehr lange beim Angeln und es sorgt für Frust. Ich hoffe, Bandai Namco patcht den Fehler.

Fazit

»Digimon World: Next Order macht es mir oft sehr schwer, es zu mögen. Zu Beginn und noch teilweise viele Stunden später habe ich das Gefühl, 8o Prozent meiner gesamten Spielzeit im Trainingsraum zu verbringen, ohne nennenswerte Fortschritte zu machen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich mich mit dem ganzen System immer noch nicht allzu gut auskenne. Bei Spielern, die das erste Digimon World bereits gespielt haben, gehen die Fortschritte bestimmt schneller voran, da sie es von früher kennen. Vieles läuft bei mir noch ohne Plan ab. Außerdem können die Digimon ganz schön quengeln, wenn sie etwas wollen.

Allerdings habe ich gemerkt, dass ich mich davon nicht entmutigen lassen sollte. Hin und wieder klappt eben doch alles nach Plan und man bekommt starke Digimon, mit denen man einfach alles niedermäht, was sich in den Weg stellt. So macht das Spiel gleich viel mehr Spaß und einige Frustmomente werden leicht überspielt. Zudem sieht das Spiel einfach wunderschön aus. Die Gebiete wirken lebendig und man freut sich über jedes Digimon, welches einem über den Weg läuft. Der Soundtrack ist ebenfalls sehr gut und ich höre ihn mir gerne abseits des Spiels an..«

Story: Eine Geschichte, welche man bereits mehrmals erlebt hat und im Grunde keinen vom Hocker hauen sollte. Die Charaktere sind dennoch gut geschrieben und schön in die der Welt verbaut. Digimon für Floatien zu suchen und die Stadt damit zu vergrößern hat einen größeren Aspekt im Spiel.

Gameplay: Für Anfänger ein undurchsichtiges System mit vielen Zahlen und Werten. Ein Kampfsystem in Echtzeit, bei dem man als Zähmer vom Rand des Geschehens Befehle erteilt. Nicht besonders strategisch, dennoch können spannende Kämpfe entstehen. (Gefühlt verbringt man viel Zeit im Trainingsraum.)

Grafik: Schöne Zwischensequenzen und eine wunderschöne, bunte Welt. Allerdings erkennt man an flachen Texturen die Vita-Vorlage. Gelegentliche Ruckler.

Sound: Toller Soundtrack, welcher jeweilige Situationen gut unterstreicht und den man ebenfalls abseits des Spiels hören kann.

Sonstiges: Online-Interaktion in Form von kleinen Digivice-Kämpfen.