Im Test! Criminal Girls 2: Party Favors

Nippon Ichi Software scheint sich mit den Verkaufszahlen von Criminal Girls seiner Zeit recht zufriedengegeben zu haben, weswegen wir ...

Hinweis: Dieses Videospiel erhielt keine Altersfreigabe durch die USK. Dieses Videospiel enthält nach Einschätzung der USK Szenen mit jugendbeeinträchtigenden oder sogar –gefährdenden Inhalten.

Klassischer Dungeon Crawler

Klassischer Dungeon Crawler

Nippon Ichi Software scheint sich mit den Verkaufszahlen von Criminal Girls seiner Zeit recht zufriedengegeben zu haben, weswegen wir nun auch prompt den Nachfolger serviert bekommen. Das klassische RPG mit dem gewissen Touch erschien in Europa am 20. September, allerdings mit Ausnahme von Deutschland. Hierzulande hat sich unsere Prüfstelle USK dazu entschlossen, den Titel nicht zum freien Verkauf freizugeben. Nichtsdestotrotz ist Criminal Girls 2: Party Favors im europäischen Umland ohne Weiteres erhältlich, auch wenn die lokalisierte Version einige Veränderungen und Anpassungen erfahren musste. Ob das Sequel nun unbedingt nötig war, sei mal dahingestellt. Dennoch schnappen wir uns Peitsche und Elektroschocker und testen den PlayStation-Vita-Titel auf… Herz und Nieren, natürlich.

Die Geschichte beginnt in der sogenannten Gefängnisebene. Hier tummeln sich sieben Mädchen, die vor ihrem Ableben gesündigt haben und nun dafür büßen sollen. Als Bewährungshelfer dient der vom Spieler gesteuerte Charakter. Ein Anfänger in seinem Job und zudem noch ohne Erinnerungen. Nach dem ersten Kennenlernen gilt es, die Girls von einer Läuterung zu überzeugen, um mit reinen Gedanken in die wirkliche Welt zurückzukehren. Wie es der Zufall so will, kommt es zu Komplikationen auf dem Weg und der Dungeon-Crawler-Alltag beginnt. Im Laufe des Spiels gewinnt man immer mehr an Zuneigung bei den Mädels und man erfährt langsam kleine Fetzen derer Hintergrundgeschichten. Eine einfache aber auch seltsame Geschichte trifft auf mehr oder weniger sympathische Charaktere und weiß durchaus kurzweilig für ungefähr 20 bis 25 Stunden zu unterhalten. Hat man die Story allerdings durch, ist die Luft auch raus, sodass man auf ein weiteres Durchspielen gern verzichten mag, um etwaige Enden freizuschalten. Das wird einem jedoch auch nicht abverlangt, denn das Spiel selbst schlägt zum Ende vor, für die anderen Enden einen Speicherpunkt anzulegen, den man bequem und ohne großen Zeitaufwand neu laden kann.

Die Qual der Wahl in jeder Runde

Die Qual der Wahl in jeder Runde

Neben der eigentlichen Geschichte gibt es so gut wie nichts zu erledigen. Nach genügendem Aufblühen der Gefühle für den Drill Instructor, geben die Mädchen kleine Wünsche preis, die sich als Item-Fetch-Quests entpuppen. Allerdings hat jedes Mädchen nur insgesamt vier Wünsche – ach, wie schön! Die Mädchen selbst bedienen fast jedes Anime-Klischee sowohl charakterlich als auch körperlich, sodass hier jeder Fan auf seine Kosten kommen sollte. Während die Story zwar ausgefallen und nett ist, so hat das Spiel seine Stärken eher im Gameplay zu bieten.

Zunächst keine großen Besonderheiten, Criminal Girls 2: Party Favors ist ein klassischer Dungeon Crawler. Die Karte aktualisiert sich, sobald man neue Bereiche betritt und neben Schatztruhen mit nützlichen Items sind die Dungeons auch mit zahlreichen Gegnern gespickt, die per Zufallskampf die Gruppe von bis zu vier Mädchen angreifen. Fast in jeder Etage der Dungeons findet man meist einen Speicherpunkt, an dem man die obligatorischen HP und MP wieder auffrischen, Items kaufen oder verkaufen oder aber auch sture Mädels zum Kämpfen „motivieren“ kann.

»Neben der besonderen Art von Motivation machen die Kämpfe die eigentliche Besonderheit des Spiels aus.«

Neben der besonderen Art von Motivation, worauf später noch genauer eingegangen wird, machen die Kämpfe die eigentliche Besonderheit des Spiels aus. Was zunächst wie ein klassisches, rundenbasiertes Kampfsystem aussieht, entpuppt sich auf den zweiten Blick als nicht ganz so klassisch. Pro Runde kann man nämlich nur eine Aktion auswählen, einfach gesprochen hat man so für jede Runde vier verschiedene Angriffe oder Support-Skills, zwischen denen man wählen muss. Das Interessante hierbei ist, dass sich die Skills der Mädchen je nach Situation unterscheiden und somit meist ein gutes Repertoire an Aktionen anbieten. Wird es also zum Beispiel einmal knapp bei der Gesundheitsanzeige, so bietet ein Mädchen mit großer Wahrscheinlichkeit einen Heilzauber an. Natürlich müssen die entsprechenden Skills zunächst erlernt werden, damit sie überhaupt im Kampf zur Verfügung stehen können. Trainiert und motiviert man eifrig, so eröffnen sich immer mehr Skills, die mitunter auch zu Angriffsketten verbunden werden können. Hier sei zum einen der vierfache normale Angriff genannt, der trotz der Beschränkung auf einen Befehl pro Runde alle Mädchen in Szene setzt, zum anderen bieten die kriminellen Damen auch die ein oder andere Konterattacke, die durch bestimmte Umstände automatisch ausgeführt wird.

Hat man also seine Mädchen ausreichend trainiert, so merkt man fast gar nicht mehr, dass eigentlich nur ein Befehl im Kampf zur Verfügung steht. In jeder Runde kann man allerdings noch andere organisatorische Dinge erledigen. Zum einen ist es erlaubt, genau ein Item zu nutzen und einen Charakter aus der Reserve einzuwechseln, zum anderen lassen sich die aktiven Mädchen coachen, was diese für einige Runden stärkt oder eben auch schwächen kann. Die Auswirkungen bekommt man für jede Coaching-Anweisung angezeigt.

Das sollte doch motivieren...

Das sollte doch motivieren…

Die richtige Charakterkonstellation und das Coaching sind das A und O für die Kämpfe in Criminal Girls 2: Party Favors, das bereits mit teilweise anspruchsvollen normalen Gegnern aufwarten kann, aber besonders bei den Boss-Kämpfen eine Menge an Können, Timing, ein ausreichendes Level und auch ein wenig Glück voraussetzt. Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad kann Criminal Girls 2: Party Favors mitunter schnell zu einem kleinen Grindfest avancieren, was den ein oder anderen sicherlich abschrecken könnte.

Durch den unbekannten Faktor der Skillverteilung machen die Kämpfe recht viel Spaß und bringen etwas frischen Wind in das klassische System.

Wie kommt man nun an neue Attacken und Skills? Jetzt wird näher auf die Option des Motivierens eingegangen. In Criminal Girls 2: Party Favors muss man die Mädchen ein wenig härter rannehmen, um deren volles Potential zu entfalten. An den Speicherpunkten kann man nun das Mädel seiner Wahl mit einem Schrubber abschrubben, mit dem Elektroschocker bearbeiten oder auspeitschen. Die verschiedenen Methoden werden im Spielverlauf automatisch freigeschaltet und verlangen eine gewisse Anzahl an Punkten, die man pro Behandlung aufbringen muss.

Diese äußerst ungewöhnliche Methode, Skills zu erlernen, hat nun sicherlich auch die USK dazu bewogen, den Titel nicht freizugeben, bietet jedoch eine ungewöhnlich einzigartige Weise für so etwas Übliches wie das Erlernen von Attacken und Skills. Das Motivations-Feature hat von NIS America auch die meisten Anpassungen erhalten, um möglichst wenig Aufruhr zu veranstalten.

Ob das jemandem persönlich jetzt zusagt oder anwidert, muss jeder für sich entscheiden. Nichtsdestotrotz hat das Spiel, schon durch seine ungewohnten Methoden, mit klassischen JRPG-Elementen umzugehen, seine Daseinsberechtigung verdient. Der Vorgänger bot hingegen auch bereits diese Gameplay-Elemente.

»Wer sich darauf einlässt und das Spiel Spiel sein lässt und Dungeon Crawler mag, der wird für 20 Stunden seinen Spaß daran finden.«

Grafisch braucht man sich bei einem Titel wie Criminal Girls 2: Party Favors nichts vorzumachen. Mit nettem Chibi-Look und bunten Dungeons erledigt man seine Hausaufgaben befriedigend. In den Motivations-Szenen bekommt man einen genaueren Blick auf die Mädchen, die sich dann auch dementsprechend bewegen, wenn man auf sie eingeht. Musikalisch gibt es ein, zwei Stücke, die ganz nett die Kämpfe untermalen können, aber auch hier bewegt man sich auf der Schiene passend, aber nicht herausragend. Die Sprachausgabe bietet mit ausschließlich japanischen Stimmen eine gute Qualität. Im Gegensatz zur Originalversion verzichtet man aber auf das Stöhnen und Ermutigen der Mädchen während der Motivations-Szenen. In der lokalisierten Fassung verzichtet man hier auf die Sprachausgabe.

Criminal Girls 2: Party Favors ist eine Fortsetzung, die sicherlich nicht unbedingt nötig war, dennoch ist es kein schlechtes Spiel. Die ungewöhnliche Art und Weise, angestaubte Praktiken des Genres aufzupeppen, gelingt. Obendrein konnte man das Gameplay des Vorgängers noch mit dem Coaching-System weiter verbessern. Die Kämpfe warten mit einem knackigen Schwierigkeitsgrad auf und besonders Bosse verlangen einiges ab. An kleineren Grind-Sessions führt leider kein Weg vorbei und dessen sollte man sich auch vorher bewusst sein. Die Geschichte ist ungewöhnlich, haut aber dank zu knapper Darstellungen keinen vom Hocker. Auch die Charaktere stellen nur die bekannten Anime-Klischees dar. Criminal Girls 2: Party Favors weiß trotzdem kurzweilig sehr gut zu unterhalten, auch wenn das Auspeitschen und Massieren von Anime-Mädchen nicht unbedingt jedermanns Sache sein werden.

Wer sich darauf einlässt und das Spiel Spiel sein lässt und obendrein Dungeon Crawler mag, der wird sicherlich für 20 Stunden seinen Spaß daran finden.

Story: Neue Mädchen, neue Sünden, neue Bestrafungen.

Gameplay: Knackiger Schwierigkeitsgrad trifft auf aufgepepptes, rundenbasiertes Kampfsystem. Skills erlernt man durch Motivation der Mädchen mit verschiedenen Hilfsmitteln wie Elektroschocker und Peitsche.

Grafik: Chibi-Optik und bunte Farben.

Sound: Passt, wackelt und hat Luft nach oben. Japanische Sprachausgabe ist recht gelungen.

Sonstiges: Zweierlei Eingabemethoden beim Motivieren. Mehrere Enden.