Culture Slot: Ein Blick auf Japans Roboter-Entwicklung

In wohl sämtlichen Zukunftsszenarien spielen sie eine Rolle und das inzwischen schon seit vielen Jahren - Roboter. Dabei reichen die Visionen...

In wohl sämtlichen Zukunftsszenarien spielen sie eine Rolle und das inzwischen schon seit vielen Jahren – Roboter. Dabei reichen die Visionen von praktischen Funktionen, wie beispielsweise dem Reinigen der eigenen vier Wänden bis hin zur Angst, dass uns künstliche Intelligenzen irgendwann komplett am Arbeitsplatz ersetzen werden. Roboter sind allerdings schon lange keine Zukunftsmusik mehr, sondern längst Alltag in einigen Branchen. Diese Roboter dienen für mehr oder weniger komplexe Aufgaben und sind optisch noch meilenweit von ihren Vertretern aus Filmen wie A.I. – Künstliche Intelligenz entfernt. Generell muss man aber festhalten, dass Roboter für die breite Masse nach wie vor eher wenig präsent sind.

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Ein langer Weg: Die E- und P-Serie von Honda – Asimos Vorfahren

Im fortschrittlichen Japan sieht es da schon anders aus, dort arbeiten derzeit viele Hersteller an humanoiden Roboter, die die Welt zu den Olympischen Spielen 2020 willkommen heißen sollen. Unser heutiger Culture Slot widmet sich ganz den Robotern in Japan, wir schauen, welche Entwicklungen es in der Vergangenheit gab, in wie fern Roboter bereits im Alltag der Menschen angekommen sind und welche Entwicklungen die Japaner noch erwartet. Wir möchten gleich zu Anfang betonen, dass die Roboter-Entwicklung kein typisch japanisches Phänomen ist, wir uns in diesem Artikel allerdings auf die japanische beschränken. Auch anderen Nationen beschäftigen sich seit vielen Jahren mit der Entwicklung von immer menschlicheren Robotern.

Wirft man einen Blick zurück in die Geschichte der Roboter, dann fällt sofort auf, dass Japan seit jeher eine der führenden Nationen in diesem Bereich ist. Das Unternehmen Kawasaki startete bereits vor über 40 Jahren mit der Produktion von Industrierobotern, die lange Zeit überwiegend in Japan genutzt wurden. 1995 wurden weltweit 700.000 Industrieroboter genutzt, wovon allein auf Japan 500.000 entfielen. Der erste „humanoide“ Roboter aus Japan wurde 1973 vom Professor Ichire Kato fertiggestellt und trug den Namen WABOT-1. WABOT-1 war lebensgroß, besaß jeweils zwei Arme und Beine und sogar bereits Kamera-Augen. Er konnte laufen, auf japanisch kommunizieren und mittels Rezeptoren Abstände und Richtungen bestimmen. Die sperrige Konstruktion war allerdings noch weit davon entfernt, die Bezeichnung humanoid zu tragen. 1984 folgte mit WABOT-2 der Nachfolger, der schon deutlich kompakter war und neben Kommunikation auf japanisch auch Orgel spielen und Noten lesen konnte.

Asimo: Der Rockstar unter den Robotern

Asimo: Der Rockstar unter den Robotern

Auch das Unternehmen Honda besitzt mehrere Roboter-Reihen, die gemeinsam mit WABOT-1 und WABOT-2 eindrucksvoll die japanische Roboter-Entwicklung veranschaulichen. Im Jahr 1986 stellte das Unternehmen den ersten Roboter der E-Serie fertig, bis 1993 folgten weitere Modelle, die mit der Zeit immer leistungsstärker wurden. Spätere Modelle konnten daher Geschwindigkeiten von knapp 5 km/h erreichen oder sogar Treppenstufen meistern. Die gewonnenen Erkenntnisse der E-Serie wurden für die nachfolgende P-Serie weiterentwickelt. Mit der P-Serie, die 1993 nahtlos an die E-Serie anschloss, wurden die japanischen Roboter deutlich ansehnlicher. Interessant ist auch die Tatsache, dass Honda die Entwicklung ihrer Roboter bis zum P2 aus dem Jahr 1996 geheim hielt.

Doch auch die P-Serie wirkt im Nachhinein nur wie eine Reihe von Prototypen für das heutige Flaggschiff von Honda – Asimo. Der kleine Rucksackträger ähnelt optisch den späteren Modellen der P-Reihe, wirkt in seiner Bewegung jedoch sehr menschlich und hat seit seiner Fertigstellung im Jahr 2000 fast schon so etwas wie einen Kultstatus erreicht. Hersteller Honda ist sehr stolz auf ihn und hat dem Roboter bereits Rollen in Werbespots spendiert. Asimo kann sprechen, Treppenstufen überwinden und mit bis zu 6 km/h rennen. Er kann euch jedoch auch Getränke bringen und selbst kleinere Tänze sind inzwischen möglich.

Bevor wir zum nächsten großen Schritt in der Entwicklung der japanischen Roboter-Geschichte kommen, werfen wir einen Blick darauf, welche Rolle Roboter in der japanischen Kultur spielen. Allein hierfür könnte man womöglich einen eigenen Culture Slot verfassen, da die Faszination für Roboter und Co. in Japan enorm ist. Bekannte Androiden aus den Bereichen Videospiele, Anime und Manga sind beispielsweise Namen wie Astro Boy oder Mega Man, die unlängst Kultstatus erreicht haben. Neben diesen „Klassikern“ hat sich gerade im Anime-Segment auch ein eigenes Mecha-Genre entwickelt, in dem Mechs, teilweise mit menschlichen „Piloten“, im Mittelpunkt stehen. Zwar finden Werke wie Neon Genesis Evangelion auch weltweit Anerkennung, allerdings endet bei vielen da auch schon das Verständnis für die Roboter-Begeisterung.

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Besucher des Roboter-Restaurant erwartet eine irre Show

Doch die Liebe für Roboter beschränkt sich nicht allein auf Videospiele, Anime und Mangas, sie zeigt sich auch im direkten Alltag. Beispielsweise gibt es im Tokioter Stadtteil Shinjuku ein Roboter-Restaurant – klingt bizarr und das ist es auch. Wer gutes Essen und eine riesige Auswahl an Drinks sucht, der ist hier falsch, denn im Mittelpunkt steht hier die Show. Im grellen „Restaurant“ befinden sich ein LED-Panzer, knapp bekleidete junge Damen und eine ganze Menge Roboter, die viermal täglich in einem einstündigen Kabarett auftreten. Besonders bekannt ist das Restaurant für seine Fembots, riesige weibliche Roboter, die während der Show von den menschlichen Tänzerinnen gesteuert werden. Falls ihr also Roboter-Fan seid und zufällig mal in Tokio unterwegs sein solltet, nichts gegen grelle Neonlichter habt und eine außergewöhnliche Location besuchen möchtet, dann könnte das Roboter-Restaurant möglicherweise etwas für euch sein. Der Eintrittspreis ist mit 6.000 Yen (etwa 41 Euro) nicht ganz günstig und wer zusätzlich noch essen möchte, der zahlt weitere 1.000 Yen, wobei das Essen hier wie gesagt eine untergeordnete Rolle spielt.

Nun aber zurück zur japanischen Roboter-Entwicklung und dem eingangs erwähnten „Olympia-Botschafter“. Dieser trägt den Namen „Ms. Aiko Chihara“ und wird derzeit von Toshiba entwickelt. Der Prototyp, den man vor etwa zwei Monaten auf der Elektromesse Caetec vorstellte, glänzte zwar mit seiner vergleichsweise menschlichen Erscheinung, war allerdings noch alles andere als serienreif. Der „intelligente soziale Roboter“ wie ihn Toshiba selbst bezeichnet, konnte bei seinem ersten Auftritt nur wenige Bewegungen ausführen, die sich in einer Dauerschleife wiederholten. In Sachen Funktionalität scheint Asimo Ms. Chihara also noch deutlich überlegen zu sein. Pünktlich zu den Olympischen Spielen soll sie aber serienreif sein und wenn man einen Blick auf die Geschichte der Roboter-Entwicklung wirft, dann scheint es durchaus möglich, dass Toshiba die versprochenen Funktionen wie Kommunikation und japanische Zeichensprache bis 2020 umsetzen kann. Neben dem prestigeträchtigen Sportevent soll Ms. Chihara dann auch in der Alten- und Krankenpflege genutzt werden.

Die japanische Regierung hat derweil erste Pläne zur „Verwirklichung einer Roboter-Revolution“ vorgelegt. Ziel dieser ist es, der schwächelnden japanischen Wirtschaft neues Leben einzuhauchen. Es klingt ganz danach, als würde Japan also auch künftig eine führende Rolle in der Realisierung von Zukunftsvisionen übernehmen.

via Spiegel Online, Wikipedia, Shinjuku-Robot