Retro-Flashback: Geschichtsstunde #14 – Phantasy Star 3

Unter den vier Spielen der Hauptserie gilt Phantasy Star III: Generations of Doom als das unpopulärste. Das Spiel entfernt sich ein wenig vom reinen...
Unter den vier Spielen der Hauptserie gilt Phantasy Star III: Generations of Doom als das unpopulärste. Das Spiel entfernt sich ein wenig vom reinen SciFi-Setting und kann als Gesamtpaket auch weniger überzeugen als sein direkter Vorgänger, bringt aber durch das Generationensystem ein interessantes Element ins Spiel. Wie sich das auf das Gesamterlebnis auswirkt, erfahrt ihr hier.
Hintergründe & Entwicklung

Der Vorgänger Phantasy Star II wurde von vielen Spielern als bahnbrechend neues Spielerlebnis angesehen. Dennoch war es erst Phantasy Star IV, das die Geschichte nach dem offenen Ende des zweiten Teils fortsetzt, während der dritte Teil eine weitestgehend unabhängige Geschichte erzählt. Am 21. April 1990 erschient Phantasy Star III für Sega Genesis.

Im Vergleich zum zweiten Teil wurde weniger Wert auf die Grafiken gelegt – Gegner sind nicht mehr animiert, Häuser (die nun begehbar sind) wirken leer und innerhalb des Spiels wiederholt sich sehr viel.

Auch das Team besteht aus anderen Entwicklern – Director, Produzent und Komponist von Phantasy Star III sind neu in ihren Rollen, und Yuji Naka, möglicherweise der wichtigste Mann hinter den ersten beiden Spielen, war an der Entwicklung des dritten Teils nicht beteiligt.

Das Spiel

Im Gegensatz zu dem Zukunftssetting seiner Vorgänger spielt Phantasy Star III in einer mittelalterlichen Fantasy-Welt. Die Science-Ficton-Elemente sind nach wie vor vorhanden, besonders im späteren Teil der Handlung, dominieren das Spiel aber nicht so stark. Referenzen auf die Vorgänger gibt es durchaus – durch Namen, und durch den Charakter Mieu –, aber es bleibt größtenteils bei Referenzen.

Die Welt wurde in der Vergangenheit von einem Krieg zwischen dem Schwertkämpfer Orakio und der Magierin Laya gezeichnet. Doch während einer Waffenstillstandsverhandlung verschwanden die beiden plötzlich. Seitdem herrscht eine angespannte Atmosphäre zwischen den Orakianern und Layanern, und beide Völker beschuldigen das andere für das Verschwinden ihrer jeweiligen Herrscher. Aus diesem Grund gibt es keine Kommunikation mehr zwischen beiden Seiten, und auch die Reise zwischen den Ländern ist untersagt.

Der Protagonist Rhys ist der Kronprinz des orakianischen Königreichs. Am Tag seiner Hochzeit mit einem Mädchen namens Maia, das zwei Monate zuvor ohne Erinnerungen an die Vergangenheit an einen Strand angespült wurde, wird Maia plötzlich von einem Drachen entführt, der als Layaner identifiziert wird. So macht sich Rhys auf, um Maia zurückzuholen und begibt sich damit in den Mittelpunkt eines sehr alten Konflikts, der nun erneut zu eskalieren droht.

Auch wenn es so scheint, ist Maia nicht die unumgängliche Geliebte von Rhys. Am Ende des ersten Teils kann sich der Spieler zwischen Maia und einem anderen Mädchen entscheiden. Nicht umsonst trägt das Spiel den Untertitel „Generations of Doom“, denn nach der Entscheidung der Partnerwahl folgt ein Zeitsprung und der nächste Teil der Geschichte wird eingeläutet, in dem man mit dem Sohn von Rhys spielt. Abhängig davon, für welche Partnerin man sich entschieden hat, sieht dieser anders aus und auch die Geschichte ändert sich.

Es gibt sogar eine dritte Generation, sodass man auf eine Gesamtzahl von acht Hauptcharakteren kommt, oder sieben, wenn man die Zwillinge aus der dritten Generation nicht doppelt zählt. In der nachfolgenden Grafik seht ihr, welchen Verlauf das Spiel abhängig von den Entscheidungen nehmen kann:

 

Die einzelnen Charaktere unterscheiden sich nicht nur optisch, sondern auch durch ihre Fähigkeiten. In der letzten Generation spielt man mehr oder weniger den gleichen Handlungsverlauf, egal, welche Entscheidungen man getroffen hat, aber speziell die zweite Generation besteht aus zwei sehr unterschiedlichen Pfaden.

Auch wenn das Generationensystem faszinierend erscheint, darf man nicht vergessen, dass das Gameplay von Phantasy Star hauptsächlich aus einem besteht: aus Kämpfen. Diese sind dem Vorgänger nicht unähnlich, doch kann man als Spieler die Techniken der Charaktere hier stärker nach den eigenen Wünschen gestalten, indem man sagt „Technik A soll stark sein, dafür ist Technik B schwach“. Diese Einstellungen kann man jederzeit ändern und somit die Technik, die man gerade am dringendsten braucht, stärken. Effektiv verwendet man aber hauptsächlich die gleichen Techniken, was das System zwar nicht hinfällig macht, ihm aber auch keine große strategische Tiefe gibt.

Mein Spielerlebnis

Die Kämpfe werden durch besagte Neuerung leider auch nicht viel spannender. Eine eindeutige Verbesserung ist der Umstand, dass man in Phantasy Star III anders als in der Grinding-Hölle, die der Vorgänger war, kaum noch zusätzlich zu den normalen Kämpfen trainieren muss. Der Schwierigkeitsgrad wurde deutlich reduziert. Neben diesen Verbesserungen gibt es leider auch erhebliche Verschlechterungen.

Das Schnellreise-System, das die beiden Vorgänger besaßen, gibt es nicht mehr und deshalb muss man in Phantasy Star III massiv viel Backtracking betreiben. Zu allem Überfluss kommt noch hinzu, dass die Welt aus verschiedenen Kontinenten besteht, die durch Tunnel und Höhlen miteinander verbunden sind, durch die man sich jedes Mal wieder quälen darf.

Auch audiovisuell ist Phantasy Star III ein großer Rückschritt zum Vorgänger. Zwar gibt es in den Dörfern nun frei begehbare Häuser, aber die sehen fast alle absolut identisch aus, sind meist komplett leer oder beherbergen nur einen NPC. Interagieren kann man mit der Umgebung gar nicht. In der Umgebungsgestaltung steckt kaum Liebe zum Detail. Oft trottet man nur durch ziemlich leer aussehende Gebiete. Auch die Musik ist erheblich schlechter als die im musikalisch sehr einzigartigen und gelungenen Vorgänger. Der Personalwechsel hat dem Spiel also mehr geschadet als genutzt.

Leider überzeugt auch die Geschichte wenig. Gute Ideen sind da, das merkt man, und bisweilen gibt es auch nette Wendungen – man erfährt zum Beispiel, dass die Welt in Wirklichkeit ein riesiges Raumschiff ist. Aber das alles kommt nicht zur Geltung, da die Präsentation ausgesprochen schwach ist. Neue Charaktere treten der Gruppe nach zwei Dialogzeilen bei, wichtige Ereignisse werden in Rekordzeit abgearbeitet. Das ist für die damalige Zeit nicht ungewöhnlich, aber Phantasy Star III zeigt exzellent, wie schlecht man existierendes Potential doch nutzen kann.

Den Tiefpunkt des Spiels stellt das Finale dar. Der letzte Dungeon sieht aus wie jeder andere und spielt sich auch so. In einer absolut zufälligen Schatztruhe findet man ohne jede Vorwarnung den letzten Bossgegner und ein Kampf beginnt schlagartig. Ein solch unterwältigendes Finale haben wohl die wenigsten Spiele. Der Abspann selbst ist zwar nicht schlecht, entschuldigt aber den Weg dorthin nicht.

 

Fazit: Das Generationensystem in Phantasy Star III ist zweifelsohne interessant und innovativ, und dass das Spiel größtenteils auf erzwungenes Zusatztraining verzichtet, muss man ihm positiv anrechnen. Aber die lahme Präsentation der Geschichte, das repetitive Gameplay, das extreme Backtracking sowie die im Gegensatz zum Vorgänger schwächere Grafik und Musik sorgen dafür, dass die negativen Aspekte deutlich überwiegen. Phantasy Star III ist zurecht das schwarze Schaf der Serie und mehr von Degeneration als von Evolution geprägt.

Vermächtnis

Die zwei erwähnten positiven Aspekte des Spiels stellen zugleich wohl auch den größten Einfluss des Spiels dar. Ein Generationensystem wie in Phantasy Star III ist zwar keinesfalls Generestandard geworden, aber es gibt durchaus einige Spiele, die später ein ähnliches System verwendeten. Jüngst sind das etwa die Agarest-Spiele sowie Fire Emblem: Awakening. Abgesehen davon ist Phantasy Star III eines der früheren Spiele, die ein iconbasiertes statt textbasiertes Menüsystem verwenden.

Ein weiterer Verdienst von Phantasy Star III ist es, dass man sich weitestgehend recht gut durch das Spiel schlagen kann, ohne viele zusätzliche Kämpfe absolvieren zu müssen. Gerade zu der damaligen Zeit war das in den meisten Spielen anders. Abgesehen davon hat der dritte Teil der Phantasy-Star-Serie sicherlich einen schwächeren Fingerabdruck in der Geschichte der Rollenspiele hinterlassen als sein Vorgänger, und das völlig zurecht.

Phantasy Star III wurde später in verschiedenen Versionen und Kollektionen veröffentlicht, sodass das Spiel auch noch auf aktuellen Systemen, wie dem Heimcomputer, PlayStation 3 und Xbox 360 gespielt werden kann.

Trivia
  • Wenn man zu Beginn des Spiels, als Rhys im Kerker gefangen ist, den Fluchtgegenstand „Escapipe“ verwendet, kommt es zu folgendem amüsanten Ereignis: Man kann die Stadt nicht mehr verlassen und die Handlung schreitet nicht mehr voran. Spricht man mit dem König, sagt er: „You used your Escapipe! Normally a smart move, but now I’m afraid the game can’t be continued. Please press the reset button and try again“
  • Der schwächste Gegner des Spiels, den man schon zu Beginn bekämpfen kann, erscheint das ganze Spiel über auf der Weltkarte, obwohl alle anderen Gegner an bestimmten Punkten durch stärkere ersetzt werden.
  • In der japanischen Version wurden sich bewegende Hintergründe verwendet, die aus den anderen Versionen entfernt wurden.
Ausblick

Es wird wieder Zeit, den Blick auf eine neue Serie zu richten. Nächstes Mal schauen wir uns das erste Strategie-RPG seiner Art an, das sich von klassischen Rollenspielen fundamental unterscheidet und Vorreiter eines Genres war, das heute nicht mehr wegzudenken ist: Fire Emblem.