Culture Slot: Comiket und Doujinshis

Der Comic Market, meistens Comiket genannt, ist eine zweimal im Jahr abgehaltene Messe in Tokio rund um Manga, Anime, Videospiele und alles...

Der Comic Market, meistens Comiket genannt, ist eine zweimal im Jahr abgehaltene Messe in Tokio rund um Manga, Anime, Videospiele und alles was dazugehört. Im Mittelpunkt des Comiket steht die gigantische Zahl an nichtprofessionellen, selbstvertriebenen Werken (Manga, Musik, Spiele, …) – sogenannten Doujinshis. Das Wort Doujin (同人) setzt sich aus den Zeichen für „gleich“ und „Mensch“ zusammen und bezeichnet in Japan Hobbykünstler. Die Doujinshis (同人誌) bezeichnen entsprechend ihre Werke. Es gibt aber auch viele professionelle Künstler und Unternehmen, die ihre Werke auf dem Comiket als Doujinshi veröffentlichen.

Da die meisten Künstler des Comiket ihre Werke nur dort vertreiben, werden diese oft schnell zu Raritäten. Der Comiket ist also eine einmalige Gelegenheit für Sammler, an in geringer Stückzahl produzierte Werke ihrer Lieblingskünstler zu kommen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Werke, die auf dem Comiket für ein paar hundert Yen verkauft werden, im Internet Rekordpreise erzielen. Viele Amateurkünstler haben durch den Comiket sogar eine so große Bekanntheit erreicht, dass es ihnen möglich war, ihr Hobby zum Beruf zu machen oder ein Unternehmen zu gründen.

Es sind nicht nur Einzelkünstler, die ihre Werke anbieten, sondern oft auch Gruppen, sogenannte „Zirkel“. Auch wenn der Name der Messe „Comic Market“ lautet, werden dort nicht nur Comics vertrieben, auch wenn diese zweifelsohne die Hallen dominieren. Auch Musik und Spiele, häufig Visual Novels, sind dort zu finden. Beispielsweise veröffentlichte der bekannte Komponist TENMON (5 Centimeters Per Second, ef) dort 2013 sein Album „The shepherd girl and the judgment day“ und Gust ist dort regelmäßig anwesend, um CDs mit exklusiven Arrangements anzubieten, darunter erst im Dezember das „Ar nosurge Genometric Concert Side.Sora“.

Der Comiket ist eine wunderbare Möglichkeit für kleinere Künstler, ihre Werke ohne einen Publisher oder großen bürokratischen Aufwand anzubieten, aber auch für Firmen, die ungezwungene Promotion für ihre Werke machen wollen. Dabei steht meistens nicht einmal das Geldverdienen im Vordergrund. Die Preise der Manga sind beispielsweise meistens recht niedrig, typischerweise abhängig von Seitenzahl und Verwendung von Farbe 500 oder 1000 Yen. Unbekannte Künstler lassen selbstverständlich meist auch nur kleine Stückzahlen ihrer Werke drucken, oft weniger als hundert, denn letztlich tragen sie das Risiko für nicht verkaufte Einheiten.

Eine weitere Besonderheit der Doujin-Szene in Japan ist, dass es von Publishern und Rechtsinhabern stillschweigend geduldet wird, wenn Fans ihre Werke auf geschützte Marken stützen. Das sind meistens eigene Manga (Fanfictions) zu bekannten japanischen Medien, aber auch Arrangement-Alben von beispielsweise Spielemusik werden dort vertrieben. Viele der angebotenen Manga sind nicht jugendfrei und beinhalten sexuelle Inhalte. Dieser ist nicht immer auf eine männliche Audienz zugeschnitten – viele weibliche Künstler und Zirkel bieten dort z.B. auch sogenannte Boys-Love-Manga an.

Viele mittlerweile bekannte Werke wurden ursprünglich auf dem Comiket vertrieben. Dazu zählen beispielsweise die sehr intelligent konstruierten Horror-Mystery-Visual-Novel-Serien Higurashi no Naku Koro ni und Umineko no Naku Koro ni, die mittlerweile international bekannt sind und es auf verschiedene Konsolen geschafft haben. Auch die zahlreichen Touhou-Spiele (Shoot ‚em Ups / Bullet Hell Shooter) von Ein-Mann-Spielefabrik und Entwicklerwunder ZUN verbindet viel mit dem Comiket, und das mittlerweile für Visual Novels, Light Novels, Manga und die dazugehörigen Anime-Adaptionen bekannte Unternehmen Type-Moon (Tsukihime, Fate/stay night) fing einst als Doujin-Künstler auf dem Comiket an. Bravely-Default-Komponist Revo, der mit seiner Band „Sound Horizon“ mittlerweile sehr bekannt ist, hat ebenfalls als Doujin-Zirkel seinen Ursprung.

Folglich ist die Messe sowohl für Fans als auch für Anbieter von großer Bedeutung. Der erste Comiket fand 1975 statt und bestand aus nur 32 Anbietern und 600 Besuchern. Seitdem ist das Event ständig gewachsen und mittlerweile bieten mehr als 30.000 Zirkel dort ihre Werke den mehr als 500.000 Besuchern an. Es war lange üblich, dass Leute schon sehr lange vor Start des Comiket anstanden, um die begehrtesten Werke vor dem Ausverkauf zu ergattern bis das Anstehen vor dem Eröffnungstag aus Sicherheitsgründen verboten wurde.

Es gibt in Japan auch ähnliche Messen für zum Beispiel Musik. In einigen anderen Ländern gibt es Veranstaltungen, die dem Comiket-Beispiel zumindest teilweise folgen, darunter die Anime Expo in den USA und die Japan Expo in Paris. Auch in Deutschland haben Amateure auf Anime- und Manga-Conventions bisweilen die Möglichkeit, ihre Werke anzubieten – die Manga-Comic-Convention der Leipziger Buchmesse stellte dieses Jahr zum Beispiel einen größeren Bereich für solche Künstler zur Verfügung. Dieses Angebot wird hier überwiegend von Frauen in Anspruch genommen.

Der Comiket wird typischerweise im August und Dezember abgehalten und fand im Dezember 2013 zum 85. Mal statt. Wegen der enormen Größe der Veranstaltung ist ein Zurechtfinden ohne einen Teilnehmerkatalog mit Karten kaum möglich. Wer mehr wissen will, dem ist ein Blick auf die offizielle Website, die auch auf Englisch verfügbar ist, empfohlen. Eine umfangreiche Beschreibung gibt es in diesem offiziellen PDF-Dokument. In einigen Anime- und Manga-Serien wird der Comiket thematisiert. Im Manga und der gleichnamigen Anime-Adaption Genshiken geht es zum Beispiel um einen Universitätsclub, der hart daran arbeitet, einen Manga pünktlich zum Comiket fertigzustellen. Auch für Cosplayer und Cosplay-Fotografen ist die Messe von großer Bedeutung.

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