Culture Slot: Ein Besuch in der berühmten Piss Alley

Was steckt hinter dem Begriff Piss Alley? Im heutigen Culture Slot erzählen wir euch, wie es zu dem Namen kam und welche Speisen man hier entdecken kann.

Welche Begriffe fallen euch direkt ein, wenn ihr an Tokio denkt? Die meisten werden das Wort mit den Bezeichnungen Großstadt, Menschen, Lärm, Verkehr oder riesige Gebäude assoziieren. Doch ist das die vollständige Wahrheit? Immerhin besteht Tokio aus verschiedenen Vierteln und jedes von ihnen besitzt ein anderes Aussehen und Persönlichkeit.

Im heutigen Culture Slot möchten wir euch einen besonderen charakteristischen Ort vorstellen, der euch ein ganz anderes Bild der Großstadt zeigt. Nicht leicht zu finden, verborgen zwischen dem Getümmel der Stadt, befindet sich im Shinjuku Bezirk die 思い出横丁 (Memory Lane) oder die auch unter der Bezeichnung 小便横丁 (Piss Alley) bekannt ist. Doch was verbirgt sich hinter diesem vulgär klingenden Namen?

Die enge Gasse der Piss Alley.

Die Piss Alley befindet sich so gesehen fernab des Tokios, welches die Touristen zu Gesicht bekommen. Als Otaku sucht man eher den Bezirk Akihabara auf, ein helles und buntes Viertel mit viel Platz zum Shoppen. Dagegen ist die Piss Alley das komplette Gegenteil, ein enger und unsauberer Ort und bildet damit mehr einen lokalen Treffpunkt als ein Ziel für die Touristen.

Doch die Bezeichnung sollte euch nicht vor einem Besuch abschrecken. Der Name wurde gewählt, weil sich hier vor vielen Jahren Kriminelle getroffen haben, um ihre Drinks gemeinsam zu trinken. Um sich danach zu erleichtern, wurde einfach draußen gepinkelt, wo man eine freie Stelle finden konnte, anstatt eine Toilette aufzusuchen. Da zu diesen Zeiten die Piss Alley nicht so gebaut war, wie es heute der Fall ist, gab es damals viele solcher Plätze.

In der heutigen Zeit wird natürlich nicht mehr öffentlich gepinkelt, zumindest ist dies nicht der Regelfall. Dennoch hat die Straße viel von ihrem alten Charme bewahren können. Kleine Geschäfte stehen dicht an dicht gedrängt nebeneinander und bieten sehr wenig Platz, sodass man sich an einigen Stellen durchquetschen muss, vor allem, wenn mehrere Menschen unterwegs sind. Viele Leute sagen, dass der Platz an eine Szene aus dem Film Blade Runner erinnert.

Wie früher gibt es natürlich viele Bars, wo man etwas trinken kann. Man setzt sich auf einem Stuhl und kann zu einem Bier ein leckeres Yakitori genießen. Die Restaurants sind sehr eng gebaut und man sollte sich vorsichtig bewegen. Neben den gewöhnlichen Bars gibt es auch kuriose Lokale. Ein sehr bekanntes Restaurant in der Piss Alley ist das Asadachi, was man mit dem deutschen Begriff „Morgenlatte“ übersetzen kann. Hier wird kein Essen serviert, welches man normalerweise gemeinsam in der Mittagspause mit seinen Kollegen verspeist. Stattdessen gibt es Gerichte, die mehr der Volksmedizin entsprechen und nach dem Verzehr die Manneskraft verbessern und sogar Krankheiten heilen sollen.

Das schaut ja lecker aus!

Welche Art von Speisen werden im Asadachi aufgetischt? Hier gibt es einen kleinen Überblick der interessanten Leckerbissen:

  • Frosch-Sashimi
  • Schweinehoden
  • Weich-Schildkröte
  • Froschherzen, die noch schlagen
  • gegrillter Salamander
  • Schlangen-Likör

Einige der Speisen werden direkt vor euch getötet, um ihre Frische zu beweisen (und für die noch schlagenden Froschherzen muss alles auch sehr schnell passieren). Die Speisekarte wechselt, je nachdem, welche Gerichte man wirklich frisch anbieten kann. Doch ganz ehrlich, wer würde von euch diese Sachen probieren oder eher ein vegetarisches Menü vorziehen?

via tofugu