Culture Slot: Oshōgatsu-das japanische Neujahrsfest

In wenigen Tagen beginnt das Jahr 2013. Doch mit welchen Bräuchen begrüßt man das neue Jahr in Japan? Lernt die Traditionen im Culture Slot kennen.

Die Tannenbäume fliegen wieder aus den Fenstern, die Weihnachtsmärkte wurden schon abgebaut und die Weihnachtsplätzchen dürften auch schon fast vernichtet sein. Man merkt, das besinnliche Fest der Liebe ist vorbei und nun bereitet man sich mit Raketen und Krachern auf Silvester vor. Hierzulande verbringt man diesen Abend in der Regel gemeinsam mit Freunden oder Verwandten.

Zu den bekannteren Bräuchen gehören Bleigießen (schließlich möchte man wissen, was die Zukunft bringt), die Neujahrsmette und das obligatorische Feuerwerk. Doch wie verbringen die Leute in Japan diesen Abend, bzw. den nächsten Tag? Fleißige Culture Slot Leser wissen bereits, dass dieses Fest in Japan ein größeres Ansehen genießt als Weihnachten, doch kommen wir nun zum heutigen Thema.

Nengajō

In Japan wird das Neujahrsfest Oshōgatsu genannt. Vor langer Zeit wurde das Fest zu Beginn des Frühjahrs gefeiert, wie es auch noch heute in China, Korea und Vietnam (Tết-Fest) der Fall ist. Der Grund ist, dass man sich hierbei an dem lunisolaren Kalender richtet. Dies ist ein Kalender, der an den Mond gebunden ist und primär sind 12 Mond-Monate enthalten.

Seit 1873 bezieht Japan sich auf den Gregorianische Kalender und somit wird das Neujahrsfest am 01. Januar gefeiert. An die alten Bräuche halten die modernen Japaner trotz der Verschiebung immer noch fest und darüber möchten wir euch etwas erzählen.

In Japan werden zum Neujahrsfest Postkarten (nengajō) an die Freunde und Verwandte verschickt. Hierbei sieht man eine Parallele zum Weihnachtsfest, denn in Europa und in Amerika verschickt man zu dieser Zeit die Grußkarten. Der ursprüngliche Gedanke ist, den Leuten, die sehr weit weg wohnen, ein Lebenszeichen zu senden. Heute ist es mehr zur einer Pflicht geworden und soll zeigen, dass man den Leuten Respekt zollt. Es ist gar nicht unüblich, dass Personen, die sehr bekannt sind oder einen höheren Rang bekleiden, hunderte Postkarten erhalten.

Gab es in einer Familie in dem Jahr einen Todesfall, werden keine Grußkarten verschickt. Stattdessen gibt es eine einfache Postkarte mit dem Hinweis, dass man aufgrund des Todesfalles keine Glückwünsche verteilen möchte und auch keine für das Jahr erwartet. Die Karten zeigen als Motiv das chinesische Tierkreiszeichen des kommenden Jahres und in den Papiergeschäften werden sie oft vorgedruckt mit aufgedruckten Briefmarken verkauft. Nur die Unterschrift muss noch hinzugefügt werden. Und auch wenn das Land so modern ist, eine Email kann keine Postkarte ersetzen.

Karten für Otoshidama .

Möchte man keinen einfachen Vordruck, kann man sich auch Blanko-Karten kaufen. Diese kann man mit besonderen Stiften und Stempeln selbst verzieren. Oder man gestaltet die Karte auf einem Computer und druckt diese aus, um sie mit der Post zu verschicken. Damit die Karten rechtzeitig ankommen, müssen sie mit dem Zusatz Neujahrskarte gekennzeichnet werden und bis zu einem bestimmten Tag im Dezember in ein eingerichtetes Extafach eingeworfen werden.

Für die Kinder gibt es zu diesem Fest ein besonderes Geschenk. Der Brauch nennt sich Otoshidama (aus China übernommen) und bedeutet, dass die Kinder ein Taschengeld erhalten. Das Geld wird in kleinen Umschlägen, die dekoriert sind (pochibukuro) überreicht. Die Summe richtet sich nach dem Alter des Kindes. Gibt es mehrere Kinder in der Familie, erhalten jedoch alle den gleichen Betrag, damit sich kein Kind benachteiligt fühlt.

Ein zentrales Brauchtum ist daneben das Osoij. Es ist ein Säuberungsritual der Wohnung oder des Hauses, ähnlich wie unser Frühjahrsputz. Das Heim soll hierbei vom Schmutz des alten Jahres befreit werden. Dabei wird der Hauseingang mit Pinienzweigen dekoriert (Kadomatsu) und soll die Geister, die Ahnen und Götter milde stimmen. Am Tag vor dem Neujahrsfest werden die Glocken der Tempel 108-mal geläutet. Dadurch sollen die Sünden des vergangenen Jahres vergeben werden. Danach gibt es eine reichhaltige Mahlzeit, die oft aus Soja Nudeln besteht.

Neben den Spielen, wie Drachen steigen, Kartenspiele oder Würfel-Kreisel-Spiele gibt es natürlich auch besonderes Essen zum Fest. Die Neujahrsgerichte fast man unter dem Begriff Osechi zusammen. Zu den Gerichten gehören Miso-Suppen mit Reiskuchen (Mochi) und Gemüse (Zoni-Suppe), in Seetang eingewickelter Thunfisch (kobumaki), gelierte Fischpastete (kamaboko), pürierte Süßkartoffeln mit Edelkastanie (kurikinton) und schwarze Bohnen, die gesüßt sind (kuromame).

Verschiedene Osechi.

Die Osechi sind oft entweder sehr süß oder sauer und mit vielen Gewürzen behandelt, um die Haltbarkeit zu verlängern. Als man diese Gerichte zu den Osechi erklärte, gab es noch keine Kühlschränke und die Läden schlossen oft für eine Woche, sodass man die Nahrung gegen einen raschen Verderb ohne Kühlung anders schützen musste. Natürlich gibt es viele Arten von Osechi.

Während einige Gerichte an diesem Tag schon fast “verboten” sind, werden sie an einem anderen Ort gegessen. Hier können die Japaner richtig zuschlagen, wie es hierzulande über Weihnachten bekannt ist, denn auch frittiertes Hühnerfleisch, Eiscreme oder Pizza kann an einigen Orten an diesem Tag gegessen werden.

Der Reiskuchen (Mochi) hat noch eine andere Bedeutung zum Neujahrsfest. In der Edo-Epoche verteilten die Läden und reichen Familien kleine Beutel, in denen sich Mochi und eine Mandarine befanden. Diese Geste sollte das Glück an die Menschen verteilen. Heute wird immer noch die Dekoration zum Fest aus Mochi hergestellt.

Damit endet auch der letzte Culture Slot in diesem Jahr. Vielen Dank an alle fleißigen Leser und wir wünschen euch euch: Akemashite omedetō gozaimasu! (japanischer Neujahrsgruß).

via wikipedia, lifeinjapan