Retro-Flashback: Lufia

Es erwartet euch eine neue Folge unseres Specials: Retro-Flashback. Diesmal nehmen wir den Klassiker Lufia für den SNES genauer unter die Lupe. Viel Spaß!

Zu den großen Klassikern der RPGs für den SNES gehört heute immer noch Lufia. Irreführend ist die deutsche Bezeichnung, denn in Japan erschien das Spiel 1995 unter den Namen Estpolis Denki 2 bzw. in Nordamerika unter dem Titel Lufia II: Rise of the Sinistrals. Somit ist Lufia der zweite Teil der Serie, wobei der erste Teil allerdings nie in Europa erschien, doch dazu später mehr. In Deutschland kam Lufia 1996 auf den Markt und wurde gemeinsam als Bundle mit einem prächtigen Spielberater verkauft.

Natürlich ist Lufia nach den heutigen Maßstäben von der Grafik völlig überholt, dennoch begeistert es immer noch viele Fans und daher möchten wir euch diese RPG-Perle vorstellen. Ein rundenbasiertes RPG, gemischt mit vielen Rätseln, atemberaubender Musik, einer damaligen prächtigen Grafik und einer interessanten Story, die sich im Spiel über einige Jahre hinweg zieht, hat uns damals in seinen Bann gezogen.

Und alles beginnt mit dem Stinkefisch

Maxim beginnt seine Wanderschaft.

Maxim lebt in einem kleinen Dorf namens Taia und verdient sein Geld mit der Jagd. Jedoch jagt er kein Wild, sondern Monster, die er anschließend an Tia, Besitzerin des Waffenladens, verkauft. Eines Tages trifft Maxim in einer Höhle auf eine mysteriöse Dame, die ihm verkündet, dass er dazu auserkoren ist, andere Kämpfer auf der ganzen Welt zu suchen und mit diesen die Welt vor einem drohenden Untergang zu bewahren.

So verlässt Maxim sein Dorf um die Welt zu erforschen und seine Fähigkeiten zu verbessern. Auf seiner Reise trifft er auf andere Krieger, die ihn auf seinem Abenteuer begleiten. Tia, die Maxim nicht alleine ziehen lassen will, Guy, der ein wahrer Freund für Maxim wird, Selan, zuerst die kühle Kriegerin und dank Maxim langsam auftaut, Dekar, ein starker aber unterbelichteter Krieger, Lexis der Erfinder und Artea, eine männliche Elfe (PAL-Version weibliche Elfe).

Wie Mystic Quest ist auch Lufia ein rundenbasiertes RPG für den SNES. Doch das Kampfsystem ist in Lufia um einiges ausgefeilter. Neben einer Anzeige für die Lebens-und Zauberpunkte besitzt jeder Charakter noch eine Zorn-Anzeige. Durch den erhaltenen Schaden steigt diese Leiste und kann in einen mächtigen Angriff umgewandelt werden, wenn die Figur eine Waffe, einen Ausrüstungsgegenstand oder ein Accessoire trägt, welches mit einer sogenannten Zorn-Attacke ausgestattet ist. Je nach Stärke wird die Zorn-Anzeige nach Auswahl einer Zorn-Attacke zum Teil oder komplett entleert. Mit unter kann man dadurch die stärksten Attacken in diesem Spiel auslösen.

Eines der zahlreichen Rätsel.

In einem Spiel aus 1000 und einem Rätsel

Die Verliese sind sehr detailreich aufgebaut und man trifft auf zahlreiche Rätsel, die man entweder mit Items, die man in einem speziellen Inventar trägt( Pfeil und Bogen, Enterhaken oder Bombe) oder mit den vorliegenden Mittel (Schiebe-Rätsel) lösen muss. Oft wird eine Kombination von verschiedenen Werkzeugen gefordert, sodass die Rätsel sehr komplex werden können. Nicht ohne Grund findet man hier das „Schwerste Rätsel der Welt“, wie es im Spiel auch als solches beschrieben wird. Somit wird es in den Verliesen niemals langweilig, weil man sich nicht nur stupide durchkämpfen muss.

In den Dungeons sieht man die Monster, auf der Weltkarte finden Zufallskämpfe statt. Es treten immer vier Charaktere gegen die Feinde an und man kann zusätzlich ein Kapselmonster mit in den Kampf nehmen. Diese Monster sind eure Verbündete und im Laufe des Spiels kann man sieben von ihnen finden. Im Gegensatz zu den menschlichen Charakteren kann man die Kapselmonster nicht befehligen. Dauert ihnen ein Kampf zu lange oder werden sie oft von den Gegnern getroffen, fliehen sie aus dem aktuellen Kampf, wenn sie eine niedrige Stufe besitzen.

Für jedes Monster gibt es zunächst 4 Stufen und mit jedem Anstieg werden sie stärker und lernen neue Attacken. Damit sie die nächste Stufe erreichen, muss man die Monster füttern. Dabei sind sie nicht wählerisch, ob Waffen, Ausrüstungsgegenstände oder Items, alles wird von ihnen gegessen. Damit sie zufrieden sind, muss man ihnen den Gegenstand geben, den sie aktuell fordern. Nachdem ein Monster die 4. Stufe erreicht hat, sind sie satt, jedoch kann ein spezielles Item jedes Monster noch einmal verstärken.

Die Gruppe kämpft gegen mächtige Gegner.

Der Alptraum Ahnenhöhle

Neben der Hauptstory, die für ein SNES-Spiel gewaltig ist, kann man noch Nebenaufgaben erledigen, wie Dracheneier sammeln oder die berüchtigte Ahnenhöhle aufsuchen. Während des Abenteuers findet man 8 Dracheneier. Hat man alle gefunden, kann man diese beim Eierdrachen gegen eine Belohnung eintauschen. Danach werden die Eier wieder freigelassen, doch dieses Mal landen sie zufällig in einer bereits geöffneten Schatztruhe.

Wollt ihr noch einmal den Eierdrachen besuchen, müsst ihr nun alle Dungeons nach den Eiern absuchen. Um es euch etwas einfacher zu machen, könnt ihr ein Gerät kaufen, das euch anzeigt, ob sich in einem Dungeon überhaupt ein Ei befindet. Man kann die Eier viermal suchen, danach wartet eine Überraschung auf die Gruppe.

Wenn ihr jetzt denkt, dass diese Nebenaufgabe zeitaufwendig ist, dann kennt ihr nicht die Ahnenhöhle. Nun läuft wohl jedem Spieler, der diese Höhle kennt, ein Schauer über den Rücken. Es ist ein besonderer Dungeon und besteht aus 99 Stockwerken. Der Level aller Partymitglieder wird auf Level 1 zurückgesetzt (keine Angst, außerhalb der Höhle behaltet ihr euren aktuellen Level) und alle eure Items werden entfernt.

Mit lediglich 10 Kraftwasser müsst ihr euch durch die monsterverseuchte Höhle durchkämpfen. Ein weiteres Problem ist, dass ihr in der Ahnenhöhle nicht abspeichern und nur mittels eines besonderen Items verlassen könnt. Und glaubt mir, in den letzten Etagen warten Gegner, die so stark sind und mit einer einzigen Attacke eine Gruppe auslöschen können.

Eure Kapselmonster sind sehr gefräßig.

Aber wieso sollte man sich durch diesen Dungeon quälen? Ihr erhaltet nicht nur sehr gute Items, sondern man kann die Gegenstände der Iris sammeln. Hat man alle Artefakte beisammen, winken die 4-fache Menge an Erfahrungspunkte und Gold. In der Ahnenhöhle findet man viele Truhen, auf deren Inhalt ihr angewiesen seid, um die Party auszurüsten und zu heilen. Gegenstände aus den roten Truhen verliert ihr nach Verlassen des Dungeons, sie dienen nur in diesem Verlies zur Unterstützung. In den blauen Truhen findet ihr seltene Gegenstände, die ihr nicht nur behalten dürft, sondern in einem weiteren Durchgang mit in die Ahnenhöhle nehmen könnt.

Um euch in der Ahnenhöhle zu heilen, seid ihr nicht nur auf Items oder Zauber angewiesen. Es gibt einige verborgene Felder, die eure Lebenspunkte wiederherstellen. Ab der 20. Etage kann man die Gotteshand finden, mit der man das Verlies verlassen kann. Solltet ihr in der Ahnenhöhle allerdings sterben, verliert ihr die gefundenen Gegenstände in diesem Durchgang. Der Aufbau des Dungeons ist zufallsgeneriert, von daher wird die Aufgabe nicht allzu langweilig.

Die unbekannten Wurzeln und Verwandten

Solltet ihr noch einen SNES euer Eigen nennen können und ihr auf der Suche nach fantastischen RPGs seid, kann ich euch dieses Spiel nur empfehlen. Vor einigen Jahren ist das Reboot Lufia: Curse of the Sinistrals für den Nintendo DS erschienen. Jedoch unterscheidet sich dieses Spiel deutlich vom Original. Die Story und Charaktere wurde sehr stark verändert, es ist kein rundenbasiertes RPG, sondern ein Action-Adventure und die frei begehbare Oberwelt wurde entfernt. Als Kenner und Liebhaber der SNES-Version wird man sicherlich über viele Veränderungen stolpern.

Die gute Zeit der 16-Bit Grafik.

Wie zu Beginn erwähnt, ist Lufia der zweite Teil der Serie. Estpolis Denki, bzw. Lufia and the Fortress of Doom kam in Japan und in Nordamerika 1993 auf den Markt und ist in Europa nie erschienen. Der Prolog zeigt den Endkampf aus Lufia (Lufia II: Rise of the Sinistrals) und die Geschichte handelt von Maxims Nachkommen, der mit einem Mädchen namens Lufia befreundet ist. Es ist ebenfalls ein rundenbasiertes RPG, schneidet von der Grafik jedoch deutlich schlechter als sein Nachfolger ab.

Der dritte Teil der Serie wurde zuerst als Lufia: Ruins Chaser enthüllt und sollte 2000/2001 für die Playstation erscheinen. Doch die Firma Nihon-Flex, die mit der Entwicklung betreut war, stieg aus dem Geschäft aus und das Projekt wurde zunächst liegen gelassen. Kurze Zeit darauf nahm der Entwickler Neverland sich der Lufia-Serie an, schraubte die Grafik runter, schrieb die Story neu und fügte Charaktere hinzu und somit entstand Lufia: The Legend Returns für den Gameboy Color, welches ca. 100 Jahre nach Lufia and Fortress of Doom spielt.

Um die Reihe zu vollständig zu erwähnen, ist Lufia: The Ruins of Lore in Japan (2002) und Nordamerika (2003) für den Gameboy Advance erschienen. Da die Story 20 Jahre nach Lufia II: Rise of the Sinistrals spielt, ist es chronologisch gesehen der 2. Teil der Serie.

von Pericci