Im Test: Pokémon Schwarz und Weiß 2

Das Warten für die europäischen Pokémaniacs hat endlich ein Ende, denn seit letzter Woche sind nun endlich die beiden neusten Editionen Schwarz und Weiß 2...

Das Warten für die europäischen Pokémaniacs hat endlich ein Ende, denn seit letzter Woche sind nun endlich die beiden neusten Editionen Schwarz und Weiß 2 erhältlich. Auch wir haben uns freudig in das neuste Pokémon-Abenteuer gestürzt und möchten euch unsere Eindrücke präsentieren. Sind die beiden Sequels der erwartete Hit oder war das Ganze vielleicht doch keine so gute Idee? Die Antwort darauf findet ihr in den nächsten Zeilen.

Keine Grauzone

Man mag es vielleicht kaum glauben aber der europäische Release von Pokémon Schwarz und Weiß liegt erst anderthalb Jahre zurück und obwohl der Nintendo DS seine Blütezeit bereits lange hinter sich hat, hatte man damals noch fest mit einer Zusatzedition der fünften Generation gerechnet. Doch im Falle von Schwarz und Weiß kam damals alles anders. Die Ankündigung von „Pokémon Grau“ ließ damals ungewöhnlich lange auf sich warten, später wurden Gerüchte über eine dritte Edition sogar vom Entwickler höchstpersönlich dementiert. Eine Zeit lang sah es also danach aus, als bekäme die fünfte Generation keine Zusatzedition. Würden wir das nächste Pokémon etwa schon auf dem 3DS spielen?

Erst Ende Februar diesen Jahres ließ man die Katze dann endgültig aus dem Sack und stellte die direkten Sequels zu Pokémon Schwarz und Weiß vor. Die Ankündigung von Pokémon Schwarz und Weiß 2 sorgte für besonderes Aufsehen, da es bis dato noch nie direkte Nachfolger-Editionen in der Geschichte der Serie gab. Pokémon Schwarz und Weiß 2 bauen auf der Grundlage der Prequels auf und erzählen dabei die Geschichte um die Einall Region, die legendären Drachen-Pokémon Zekrom und Reshiram, aber auch um die fiesen Pläne von Team Plasma weiter.

Zwei Jahre später

Seit dem fast schon dramatischen Ende von Schwarz und Weiß sind zwei Jahre vergangen und während dieser Zeit hat sich vieles verändert. Nach dem unerwarteten Wandel und schließlichen Ausstieg ihres „Königs“ N wurde Team Plasma stark geschwächt und lebt zerrüttet. Das Team hat sich mittlerweile in zwei Lager getrennt. Die einen Verfolgen weiterhin die schrecklichen Absichten von Ns Ziehvater G-Cis, welcher es sich zum Ziel gemacht hat, Menschen ihre Pokémon zu stehlen und die Welt zu erobern. Der andere Teil verfolgt die Ziele des „Verräters“ N und möchte seine Verbrechen wieder wettmachen, in dem sie sich um die Pokémon kümmern und sie nach und nach ihren Besitzerin zurückgeben.

Innerhalb der zwei Jahre ist aber auch etwas Ruhe in die Region eingezogen und so hat sich einiges verändert. Neue Städte sind entstanden und alte wurden modernisiert und erweitert. Wenn ihr das Spiel also spielt, werdet ihr manche Überraschung erleben und euch vielleicht sogar das ein oder andere mal fragen, wie die Städte eigentlich in den Prequels aussahen.

Doch der Frieden scheint erneut bedroht, denn Team Plasma schmiedet schon wieder neue grausame Pläne um ihr Ziel von der Herrscht über Einall zu erreichen. Nach dem

Der Einall-Region drohen eisige Zeiten

Verschwinden von Zekrom und Reshiram möchten sie sich die Macht des dritten legendären Drachen-Pokémons, Kyurem, zugunsten machen. Mit der Kraft des Eis-Pokémon drohen sie, die ganze Region unter einer dicken Eisschicht zu begraben. Doch damit nicht genug, denn mit Professor Achroma erscheint ein völlig neuer und zunächst sehr undurchsichtiger Charakter auf der Bildfläche. Viel mehr möchten wir euch an dieser Stelle aber nicht verraten.

In Schwarz und Weiß 2 startet ihr ein komplett eigenständiges Abenteuer, ihr beginnt also als unerfahrener Anfänger und beschreitet erneut die gewohnte Laufbahn. Wie in allen anderen Spielen auch, gilt es erstrangig den Pokédex im Namen der Wissenschaft zu füllen. Wie auch schon in den Vorgängern ist Professor Esche dabei eure Mentorin. Verstärkt wird sie mittlerweile durch Bell, die schon in den Prequels eine Rolle spielte. Um den Pokédex zu füllen und Daten zu allen Pokémon zu sammeln, macht ihr euch auf den Weg zu einer Reise quer durch die Einall-Region. Dabei bekommt ihr wieder einen der Starter Serpifeu, Floink oder Ottaro zur Seite gestellt. Ausgerüstet mit dem Pokédex und eurem ersten Pokémon startet ihr ins Abenteuer, auf dessen Weg es viele Kämpfe zu bestreiten und sich nebenbei einen Namen als Pokémon-Trainer zu machen gilt.

Was hat sich sonst noch so getan?

Bei den Neuerungen haben sich die Entwickler ordentlich Mühe gegeben, denn Schwarz und Weiß 2 bringen einige sehr gute Neuerungen mit sich, die den Spielspaß nochmal ein ganzes Stück erhöhen. Die veränderten Städte bergen so unter anderem neue Attraktionen, Pokéwood in Vapydro City, die Einklangspasage oder das Pokémon World Tournament in Marea City sind nur einige davon. Ersteres ist, wie man schon hört, eine Anlehnung an Hollywoods Filmindustrie und so dürft ihr dort für kurze Zeit abschalten und euch wie ein Filmstar fühlen. Zwar wird auch hier gekämpft aber eben strikt nach Drehbuch. Falls ihr euch zu weit davon entfernen solltet, heißt es „Schnitt“ und alles ist aus. Wenn ihr jedoch wie von euch erwartet abliefert, dürft ihr euch euren Film später mit Popcorn im Kinosessel ansehen.

Auch auf das Pokémon World Tournament stoßt ihr mindestens einmal im Verlauf des Spiels. Hier könnt ihr in schönster Kolluseums-Manier gegen eine Vielzahl von alten Bekannten antreten. Zwar erhaltet ihr hierfür keine Erfahrungspunkte, aber für Serienfans dürfte es trotzdem genügend Anreiz geben. Denn habt ihr erstmal das erste Turnier erfolgreich überstanden, schaltet ihr neue frei. So könnt ihr dort später zum Beispiel gegen alle Champs und Arenaleiter der fünf Generationen antreten. Aber mit der Zeit wird man auch die Daten von realen, namenhaften Spielern von Schwarz und Weiß 2 (z.B Gewinner der Pokémon Weltmeisterschaft) runterladen können.

In Pokéwood sind Kostüme Pflicht

Doch es gibt noch viel mehr neue Features in den beiden Sequels. So dürften auch die Medaillen die Spielzeit ordentlich strecken. Vergleichen könnte man das Belohnungssystem mit den Trophäen oder Erfolgen der Heimkonsolen. Relativ früh im Spiel erhaltet ihr die Medaillenbox, welche eure Medaillen aber auch die Tipmedaillen beinhaltet. Mit den Tippmedaillen erhaltet ihr einen prägnanten Hinweis für die Anforderung einer neuen Medaille. Habt ihr die Anforderung erfüllt, bekommt ihr die Medaille von einem Mann im Pokémon Center überreicht, dazu neue Tipmedaillen. Zwar ist dieses Belohnungssystem eine netter Bonus und dürfte anfangs auch definitiv motivieren, doch scheinen manche Anforderungen einfach unmöglich machbar.

Ein weiteres Feature der Sequels ist der Mementolink, der direkten Bezug auf die Vorgänger nimmt. Hier könnt ihr euch kleine Ereignisse ansehen, die innerhalb der vergangen zwei Jahre stattfanden. Um den Mementolink aber überhaupt nutzen zu können, ist ein Speicherstand von Schwarz oder Weiß erforderlich. Die einzelnen Mementolink-Episoden werden nämlich erst nach einem gewissen Fortschritt in den Vorgängern freigeschaltet. Auch der Pokédex hat eine zusätzliche Habitatsfunktion spendiert bekommen. Jetzt könnt ihr direkt sehen, welche Pokémon ihr auf welchen Routen findet und ob es sich noch lohnt weiterzusuchen. Das dürfte es wesentlich einfacher machen, den Pokédex mit Informationen zu allen Pokémon zu füllen.

Der Traumradar

Obwohl der Traumradar nicht in Schwarz und Weiß 2 enthalten ist, möchten wir ihn trotzdem kurz in diesem Test erwähnen. Denn für Vollblut-Fans ist auch dieser eShop-Downloadtitel Pflicht. Nur so könnt ihr nämlich in den Besitz der Tiergestalten der legendären Pokémon Boreos, Voltolos und Demeteros kommen.

So funktioniert der Traumradar

Der Traumradar ist recht simpel aufgebaut und eher eine kleine AR-Spielerei. Mithilfe eines Visiers „scannt“ ihr eure Umgebung mit dem Nintendo 3DS ab und trefft dabei auf Wolken. Dabei gibt es zwei Arten von Wolken und zwar rosa und        graue Exemplare. Beide müsst ihr mit dem Laser abschießen. Die rosa Wolken beinhalten Traumtropfen, die ihr zum Aufrüsten eures Visiers benötigt. Durch das Aufrüsten könnt ihr die Kraft des Lasers, die Akkulaufzeit des Visiers oder aber die maximale Anzahl der Wolken erhöhen. Die grauen Wolken sind aber viel interessanter, denn in diesen befinden sich Pokémon oder Items, die ihr später in Schwarz und Weiß 2 übertragen könnt.

Habt ihr die Wolke zerschossen, erscheint eine Lichtkugel, die ihr nun jagen müsst. Währenddessen bearbeitet ihr sie weiterhin mit dem Laser. Ist die Leiste am Bildschirmrand vollständig gefüllt, habt ihr es auch schon geschafft und könnt ein neues Pokémon oder Item euer Eigen nennen. Über den Punkt „Forschungsdaten senden“ im Hauptmenü könnt ihr anschließend alle Pokémon und Items auf den PC im Pokémon Center übertragen. Habt ihr alle Wolken zerstört, müsst ihr jedoch eine Weile warten, bis wieder neue auftauchen (eigentlich der perfekte Zeitpunkt für einen kleinen Ausflug nach Einall, oder nicht?)

Der Traumradar ist durchaus ein empfehlenswerter Download, macht allerdings nur Sinn, wenn man auch die Sequels zu Schwarz und Weiß besitzt oder zumindest einen Kauf plant. Auch der Umstand, dass DS-Besitzer ohne Traumradar nur schwer die Tiergestalten von Boreos, Voltolos und Demeteros bekommen können, ist eine fragwürdige Entscheidung der Entwickler. Der Titel kostet 3€ im eShop.

Spieglein, Spieglein an der Wand…

… welches ist das schönste Pokémon-Spiel im ganzen Land? Ganz eindeutig Pokémon Schwarz und Weiß 2! Wo Schwarz und Weiß schon Maßstäbe innerhalb der Serie setzten, legen die Sequels nochmal einen drauf. Schwarz und Weiß 2 sind zweifelsohne die schönsten Editionen die es je gab und machen die Vorfreude auf ein „richtiges“ 3DS-Pokémon nur noch größer. Die Welt ist abwechslungsreicher und detaillierter als je zuvor, überall gibt es etwas zu entdecken und immer wieder stößt man auf kleine Feinheiten.

Eine vielversprechende Aussicht

Die Welt ist nicht mehr nur platt und eintönig sondern es gibt Höhen und Tiefen, Wiesenpfade bewegen sich im Wind und in Höhlen erkennt man unterschiedliche Bodenstrukturen. Gänzlich neu sind dabei die Lichtungen, auf denen ihr seltene Pokémon und Items finden könnt. Um eine Lichtung zu entdecken, müsst ihr Einall ganz genau unter die Lupe nehmen. Mit etwas Glück findet ihr einen schmalen Weg zwischen den Bäumen, den ihr dann „ansprechen“ müsst. Außerdem trefft ihr auch immer wieder auf begehbare Wohnwagen, Autos und sogar größere Maschinen.

Auch die Städte sind noch eindrucksvoller geworden. Wenn ihr zum Beispiel mit dem Schiff nach Stratos City, dem Manhattan von Einall, reist, erwartet euch der wunderbare Anblick der Skyline und auch ein Flug mit einem Flugzeug ist fester Bestandteil in den Sequels. Ein weiteres Highlight im Spiel ist auch der Gang durch den Unterseetunnel. Nicht nur die Städte trumpfen jedoch mit einem verbesserten Design auf, auch die Arenen sind so lebendig wie noch nie. Denn auch hier geht man immer mehr vom platten, einheitlichen Design weg und so gibt es teilweise richtige Schmuckstücke. Dabei spielen immer die Vorlieben des Arenaleiters eine große Rolle, weshalb ihr euch während eurer Reise in einem siffigen Rockschuppen oder auf einem Laufsteg mit Lasershow wieder findet.

Fazit

Auch wenn die Ankündigung damals vielleicht nicht nur auf Gegenliebe stieß, sind Sequels zu Schwarz und Weiß zwei sehr gute Titel geworden. Die Entwickler haben eine gelungene Mischung aus bereits bekannten Elementen und neuen Features geschaffen, die sich eigentlich kaum gröbere Fehltritte leistet. Die Story schließt nahtlos an die der Prequels an, ist aber durch die vielen Dialoge mit wiederkehrenden Charakteren auch für Quereinsteiger verständlich. Wie immer überzeugen die Spiele auch mit einem großen Umfang. So braucht man gut gerne 30 Stunden um den Abspann zu sehen und selbst dann gibt es noch eine Menge zu entdecken.

Story: Die Story von Schwarz und Weiß wird fortgesetzt und wirkt dadurch so groß wie nie. Zwar ist sie kein Meisterwerk aber genau wie schon im Vorgänger deutlich ernster als man es sonst von der Serie gewohnt ist. Viele Charaktere aus den Prequels tauchen auf. (8/10)

Grafik: Wunderschöne 2D-Grafik, die immer wieder durch kurze 3D-Sequenzen aufgepeppt wird. Einall ist liebevoller und detaillierter gestaltet als je zuvor und überzeugt mit vielen unterschiedlichen Schauplätzen. (9/10)

Sound: Vertraute Klänge, die immer passend zur Situation gewählt sind und nie stören. Einige Stücke bleiben durchaus im Gedächtnis. (8/10)

Gameplay: Größtenteils serientypisches Gameplay, welches aber durch einige neue Features erweitert wurde. Der Traumradar für den 3DS ist ein netter Zusatz, bleibt DS-Besitzern aber gänzlich verwehrt. (8/10)

Sonstiges: Beide Editionen unterscheiden sich wieder durch einige Kleinigkeiten. So ist beispielsweise der Janusberg in Schwarz 2 ein inaktiver Vulkan, während in Weiß 2 noch die Lava brodelt. Außerdem sind einige Pokémon wieder nur in einer der beiden Edition fangbar