Culture Slot: Die Wesen der japanischen Mythologie

Diesmal wenden wir uns der japanische bzw. asiatischen Mythologie zu und wollen schauen, welche Wesen es gibt und welchen Einfluss diese auf japanische...

Wir von JPGames haben nicht nur ein Herz für japanische Games, sondern auch für die Kultur Japans, die wir euch mit unseren Culture Slots gerne näher bringen möchten. Vergangene Woche haben wir für euch vom japanischen Märchen Der Hase im Mond berichtet und erklärt, was genau dahinter steckt. Diesmal wenden wir uns der japanischen bzw. asiatischen Mythologie zu und wollen schauen, welche Wesen es gibt und welchen Einfluss diese auf japanische Videospiele nehmen. Denn nicht nur die westliche Welt besitzt mit Elfen, Zwergen und Feen Fabelwesen, auch im asiatischen Raum gibt es diese, die teilweise sogar auch bei uns bekannt sind.

Zunächst muss man bemerken, dass es keine typisch japanischen Fabelwesen gibt, schließlich ist beispielsweise der Kobold auch keine deutsche „Erfindung“. Vielmehr hat sich der Glaube an einige Wesen in ganz Asien verbreitet und ist fester Bestandteil in den verschiedenen Ländern geworden. Je nach Land und vor allem auch je nach Epoche werden die Wesen aber anders dargestellt, weshalb sie in ihrem Äußeren teilweise stark variieren können. Aber fangen wir jetzt endlich an!

Die wohl bekanntesten Wesen der asiatischen Mythologie dürften zweifelsfrei Drache und Phönix sein, wobei letzteres allerdings ein Irrglaube ist. Der Phönix, wie wir ihn aus den verschiedensten Spiele-Serien kennen (unter anderem natürlich auch Final Fantasy), stammt nämlich nicht aus der asiatischen Mythologie, sondern aus der griechischen und ägyptischen. Doch mit dem Fenghuang oder Hō-ō, wie er in Japan genannt wird, gibt es ein ähnliches, asiatisches Pendant. Genau wie der Phönix wird Hō-ō mit dem Feuer in Verbindung gebracht. Anders als der Phönix, der durch Bücher, Filme und Videospiele immer als roter Vogel, der aus der Asche seines verbrannten Körpers wiedergeboren wird, dargestellt wird, wirkt Hō-ō recht „normal“.

Er ist nicht unsterblich, sondern es gibt männliche und weibliche Exemplare, die optisch an einen Fasan erinnern und mehrfarbig sind. Der Kopf des Wesens ist grün, was für Güte steht. Der rote Rücken symbolisiert Anstand, die schwarze Brust Weisheit und die gelben Füße Treue und Glaubwürdigkeit. Der Fenghuang war außerdem das Symbol der chinesischen Kaiserin, während ein Drache den Kaiser symbolisierte. Der wohl bekannteste Hō-ō der Videospielgeschichte ist wohl das Pokémon Ho-oh aus der Pokémon-Reihe. Denn auch wenn es von der Farbgebung nicht ganz stimmt und das Pokémon in den Spielen das Item „Zauberasche“ (was eher für einen Phönix sprechen würde) trägt, dürfte das Wesen dem Pokémon eindeutig als Vorlage gedient haben.

Wie bereits erwähnt, ist der Drache oder Ryu, wie sie in Japan gennant werden, ist das genaue Gegenteil und wird in vielen asiatischen Ländern als Meeresgottheit angesehen. Im Vergleich zu den Drachen die wir aus Spielen wie Skyrim oder Serien wie Game of Thrones kennen, werden asiatische Drachen oft ohne Flügel dargestellt und wirken eher wie Schlangen. Denn sie fliegen nicht, sondern Leben im Wasser oder schweben über den Wolken. An ihrem schlanken Körper befinden sich in vielen Darstellungen lediglich noch zwei Paare Klauen. Während chinesische Drachen oft mit vier oder fünf Krallen dargestellt werden, zeigen japanische Gemälde oder Skulpturen oft nur drei.

Als einer der ersten Drachen der japanischen Mythologie gilt Yamata-no-Orochi, eine riesige Schlange mit acht Köpfen. Laut der Legende fraß der Drache kleine Mädchen und wurde vom Bruder der Sonnengöttin Amarterasu, Susanoo, (beide spielten in Okami eine Rolle) zunächst betrunken gemacht und anschließend erschlagen. Yamata-no-Orochi ist in einigen Spielen der Shin Megami Tensei-Reihe anzutreffen, die generell sehr viele Bezüge zur japanischen Mythologie nimmt.

Ein anderes Wesen, das man immer wieder in Asien antrifft, ist Qilin oder Kirin, wie es in Japan heißt. Eine genaue Beschreibung ist nicht ganz einfach, da sich das chinesische Qilin und das japanische Kirin optisch sehr stark unterscheiden können. Auch im Laufe der verschiedenen Dynastien hat sich sein Bild stark verändert. Während der Ming-Dynastie (ca. 14.-17. Jahrhundert) wurde das Wesen mit Drachenkopf, Ochsenhufen und flammenden Schuppen dargestellt. Mit der Zeit ähnelte es aber auch Hirschen, Pferden und sogar Giraffen. Manchmal wird Qilin daher auch als „chinesisches Einhorn“ bezeichnet.

In Japan ähnelt das Wesen allerdings stark einem Hirsch und ist dort sogar Name und Logo einer großen Brauerei. Kirin ist ein sehr friedliches Wesen, welches sich ausschließlich von Pflanzen ernährt und für Liebe, Frieden und Güte steht. Das Kirin zählt genau wie Drache und Fenghuang zu den Zauberwesen und genießt daher hohes Ansehen. Kirin war unter anderem eine Beschwörung in Final Fantasy VI und Golden Sun.

Eine sehr japanische Legende ist die von Kitsune, Dienern der Göttin Inari in Fuchsgestalt. Zwar gibt es ähnliche Mythen auch in China und Korea, jedoch haben sie dort keinen guten Ruf. In Japan jedoch sieht man sie als magische Wesen, die die Fähigkeit der Verwandlung besitzen und als Glücksbringer gelten. Man sagt, Kitsune würde sich in eine schöne Frau verwandeln und Männer die ewige Liebe schenken. Sollte der Mann allerdings je herausfinden, dass er einen Fuchs geheiratet hat, würde ihn die Frau plötzlich und für immer verlassen.

In seiner Fuchsgestalt sind Symbole für Fruchtbarkeit, können aber mit Schnauze und Schwanz Feuer entzünden. Im Märchen Die dankbaren Füchse gehen zwei Kitsune sogar soweit, dass sie ihr eigenes Kind opfern, um mit dessen Leber einen kranken Menschen zu retten. Je älter ein Kitsune wird, desto mehr Schwänze wachsen ihm, jedoch kann er maximal neun besitzen. Beispiele für Kitsune gibt es unter anderem in Naruto und der Pokémon-Serie.

Ein Wesen, das von den meißten Menschen mit dem Bösen verbunden wird, ist der Oni. In der heutigen Gesellschaft werden sie mit Tod, Hass und Krankheit in Verbindung gebracht, wobei dies nicht immer so war. In frühen Legenden werden sie als gutmütige Wesen beschrieben, die als Wächter an der Pforte zur Hölle arbeiteten und die Menschen vom Bösen bewahrten. Doch durch die Arbeit mit dem Bösen wurden sie selbst verdorben und begannen dem Bösen zu dienen.

Seit jeher werden Oni als hässliche, menschenähnliche Wesen dargestellt. Oft haben sie rote, schwarze oder grüne Haut und eine Eisenkeule als Waffe, manche haben sogar eine Vielzahl an Augen. Um sich vor ihnen zu schützen, werfen die Menschen während des Setsubun-Festes (Frühlingsbeginn)  Sojabohnen aus ihren Häusern und schreien die Worte „Oni wa soto! Fuku wa uchi“ was soviel wie „Dämonen heraus, Glück herein!“ bedeutet.

Damit beenden wir unseren Culture Slot an dieser Stelle. Natürlich ist das nur eine Auswahl an Wesen und Figuren aus der japanischen bzw. asiatischen Mythologie aber wir hoffen, es hat euch gefallen. Kennt ihr weitere Figuren aus Spielen, Animes oder Mangas? Dann postet sie!

Quelle: Wikipedia