Im Test! Lollipop Chainsaw

Na, was haben der japanische Entwickler Goichi Suda, kurz Suda 51, und die Videospielfirma Grasshopper Manufacture für Zutaten für ihr neuestes Spiel...

Na, was haben der japanische Entwickler Goichi Suda, kurz Suda 51, und die Videospielfirma Grasshopper Manufacture für Zutaten für ihr neuestes Spiel „Lollipop Chainsaw“ in den Topf geworfen, durchgerührt und uns zum Verkosten geschickt? Hmm, schauen wir doch mal kurz rein:

Man nehme: 1 Scheibe “Killer 7”, kleingehacktes “Dawn of the Dead”, Dressing “Buffy”, in Würfel geschnittenes “Shadows of the Damned” und noch einen guten Schuss “No More Heroes”. Was kommt denn dabei heraus, wenn man noch eine Brise Herzchen, Regenbogen, Pompoms und vor allem haufenweise Lollis in den Topf schmeißt? RICHTIG! LOLLIPOP CHAINSAW! Wir servieren Euch kunterbunte Fakten mit Erdbeergeschmack zu dieser Hack ‘n Slay-Orgie, die euch vielleicht nicht lange begeistern, aber euch noch einige Zeit im Kopf bleiben wird.

Lollipop, Lollipop, ooooh wait what’s that?

Ab durch die Mitte...

Happy Birthday zum 18. Geburtstag, Juliet Starling! An ihrem Geburtstag ist Juliet gerade auf dem Weg zur Schule und denkt hierbei über ihre Familie und Freunde nach, die uns dann auch gleich vorgestellt werden, als sie auf zahlreiche Zombies trifft. Was ist denn hier los? fragt sich Juliet, die nicht nur eine akrobatische Cheerleaderin, sondern auch eine geübte Zombiejägerin und nun voll in ihrem Metier ist.

Sofort holte sie ihre Kettensäge aus der Sporttasche und metzelt sich ihren Weg zur Schule frei von untoten Genossen. Nach zahlreichen enthaupteten Klassenkameraden erreicht sie schließlich die Schule und muss dort mit ansehen, wie ihr Freund Nick im mutigen Kampf mit einem Zombie von ebendiesen gebissen wird! Nick droht zu einem Hirnlosen mit zweifelhafter Hygiene zu werden, was für eine Beziehung nie gut ist! Was tun?

Um ihn vor dem Schicksal des Zombiedaseins zu bewahren, greift sie zur einzigen logischen Lösung: Sie enthauptet ihren Freund, steckt seinen Kopf in ein unerklärliches Lebenserhaltungssystem und heftet sich Nick an den Po. Wahre Liebe! Ab nun kennt Juliet nur noch ein Ziel: die Schule/Stadt von Zombies zu befreien und möglichst viele Lollis zu verdrücken! Das typische Leben einer sexy Zombiejägerin eben! Die Story hält sich im Endeffekt in Grenzen und ist Mittel zum Zweck für eine actiongeladene Abschlachtorgie.

Metzelbarkeit

Metzelbar!

Als 3rd Person Hack ‘n Slay bietet Lollipop Chainsaw actiongeladene, mit Quick-Time-Events aufgelockert Kämpfe, die jedoch wenig Taktik abverlangen. So kann man durch fast schon blindes Buttonmashing gut durch das Spiel kommen. Das ist ein Vor- und Nachteil: Jeder wird es früher oder später zum Endboss schaffen, aber eine wirklich große Herausforderung ergibt sich so natürlich nicht. Die mittlerweile in fast jedem Actionspiel vorkommenden Quicktime Events kommen spärlich zum Einsatz und sind nicht besonders schwierig, wie der Rest des Spiels.

So prügelt man sich mit seiner treuen Kettensäge, mit Pompoms und später sogar mit Schusswaffen und Nick durch fiese Untote, wobei hier nicht nur kirschrotes Blut fließt, sondern auch Herzchen und Regenbogen von den Zombies wegfliegen. Schnell wird klar, dass dies kein normales Hack n Slay ist, sondern der Humor und freche Anspielungen an das Zombiegenre hier an der Tagesordnung sind. Es ist eben alles ein wenig bunter, verrückter und abgedrehter in Lollipop Chainsaw, als man dies zum Beispiel von Resident Evil gewohnt ist.

Jeder getötete Zombie hinterlässt Münzen, die wir in einem Shop einsetzen können, um neue Kampffertigkeiten, Kostüme oder Items, die gesundheitlich oder spieltechnisch helfen, zu kaufen. So lässt sich ein Item erwerben, mit dem wir, nachdem wir von verrottenden Organhüllen (Zombies) niedergeschlagen wurden, schneller wieder auf die langen Beine kommen. Als Cheerleaderin setzt Juliet auch in großem Umfang ihre geübten Beine ein und tritt gegen schleimige Gestalten, um sich ihren Weg freizuräumen. Da sie immer einen kurzen Rock, einen Mini-Mini-Rock trägt, möge man jetzt auf zahlreiche interessante Einblicke hoffen; dies wurde jedoch vom Entwickler vorhergesehen. Versucht einfach einmal, mit der Kamera unter Juliets fast nicht vorhandenen Rock zu gucken und wartet ab, was passiert.

Durch Level Ups erhält unsere Kettensäge Upgrades und kann nachher sogar als Kanone verwendet werden, mit der wir, wenn auch mit ein wenig träge im Gefühl, um uns ballern dürfen. Zusätzlich löst eine aufladbare “Glitzer-Energie” bei Vollfüllung eine Superattacke aus, bei der Juliet mehrere Zombies mit in den Tod reißt. Oh yeah, unterschätzt niemals ein Blondchen in Mini-Rock!

Als gute Freundin bindet Juliet den körperlosen Nick hin und wieder in ihr Geburtstagsalltag als Zombiejägerin ein und verwendet ihn in Sonderattacken. Bei gewissen Gelegenheiten könnt ihr ihn kurzerhand auf kopflose Zombiekörper aufsetzen, damit er für Juliet in einem Quick Time Event Hindernisse aus dem Weg räumt oder ihr sonst wie mit geballter Muskelkraft aushilft. Dass sie ihn dabei tatkräftig in Cheerleadermanier anfeuert, steht außer Frage.

Wir metzeln uns jedoch nicht nur stupide durch am Schulhof herumgammelnde Schülerhorden, nein, viele kleine Minispiele lockern das Spielgeschehen auf. Wir benutzen z.B. einen Mähdrescher um die Spreu vom Weizen zu trennen, können Mini-Arcade Spiele spielen (wie zum Beispiel eine äußerst brutale Version von PacMan, vergleicht man diese mit dem Originalspiel des Atari) und beim beliebten Zombie-Basketball befördern wir Zombieköpfe in den Korb, während ein Defense-Zombie versucht, uns daran zu hindern. Die Minispiele sind in die Story eingebunden und müssen absolviert werden, wenn man im Spiel vorankommen will. Diese sind zum Glück mit von der Partie und lockern das Buttonmashing doch etwas auf, was eventuell sonst richtig langweilig werden könnte.

Ein Regenbogenzuckerlolli-Trip

So sexy kann metzeln sein.

Graphiktechnisch reicht Lollipop Chainsaw wie so viele Spiele natürlich nicht an zum Beispiel Square Enix‘ Final Fantasy XIII heran, sieht jedoch trotzdem noch immer sehr gut aus, als es über unseren HD-TV geflimmert ist. Der Rockabilly – Stil des Spiels (ein Tipp an die jüngere Generation: einfach mal googeln, was Rockabilly ist. Ihr Jungspunde!) passt wunderbar zum frechen Humor des Spiels, der mit bissigen Witzen und lustigen Dialogen zwischen Juliet und Nick gut unterhält.

Vom Design her bewegt sich die knallbunte Juliet durch relativ normal aussehende, amerikanische Straßen, Schulhöfe, ländliche Gegenden usw. hindurch, vernichtet dabei Horden von typischen dunkel/matschig aussehenden Zombies und hinterlässt eine erdbeerrote Blutspur, Regenbögen und quietischige Herzchen, während sie ihre Lieblingslollis lutscht, Erdbeerlollis. Man merkt, dass man hier fast in ein Tim Burton Spiel geraten ist, wenn Tim Burton eine Kooperation mit Quentin Tarantino eingegangen wäre.

Ohrwurm-Gefahr!

Kämpfen mit Stil (hmmm?)

Begleitet werden wir hierbei von einer ebenso kunterbunten Musikauswahl, die von knallharten Gitarrenriffs a la Children of Bodom (die WIRKLICH im Soundtrack und Spiel vorkommen) bis hin zum ultimativen Ohrwurmklassiker “Lollipop” von The Chordettes reicht.

Dieser facettenreiche Mischmasch an Genres endet nicht in Chaos, sondern harmoniert gut mit dem Spiel. Wer nach dem Beenden des Spiels nicht „Lollipop“ als Ohrwurm hat, hat irgendwas falsch gemacht. Die Sprachausgabe des Spiels ist gut gelungen, jedoch auch nichts Besonderes und sticht deshalb kaum hervor. Das Selbe lässt sich über die Soundeffekte sagen.

Lollipop Chainsaw… Massaker?

Lollipop Chainsaw ist ein spaßiges, quietschbuntes Hack ‚n Slay, welches mit seinen abwechslungsreichen Minispielen die Metzelorgien gekonnt auflockert. Der Humor kommt nicht zu kurz im Spiel und wird von der eher comicartigen Grafik und der gewagten und gut gelungen Musikauswahl unterstützt. Mit Spielmünzen kaufbare Upgrades und zusätzliche Kostüme motivieren zu längeren Spielstunden in diesem mit 6-7 Stunden leider relativ kurz ausfallenden Spiel. Ein zusätzlicher Rangmodus bietet jedoch eine Herausforderung, bei der man sich mit dem Vater von Juliet messen kann, um so seinen Ehrgeiz zu stillen und die Spielzeit dann doch noch in die Länge zu ziehen, wie einen Kaugummi, der am Schuh festklebt.

Story – Relativ plump und bloß Mittel zum Zweck.

Gameplay -Actiongeladen, abwechslungsreich, quietschbunt. Was man sich von einem verrückt-frechen Hack n Slay eben erwartet.

Sound – Auch hier eine kunterbunte Mischung, die sich jedoch gut ins Gesamtbild einfügt und von Hard and Heavy zu 1950er Jahre Musik reicht.

Grafik – Rockabilly- Stil, mit viel Farbe, jedoch nicht auf dem Stand der Technik.

Sonstiges – Kurze Spieldauer, witzige Dialoge und ein schräger Humor UND…

“Lollipop, Lollipop, oooooohh Lolli Lolli Lolli Lolli Lollipop!” :)

 

von Alhym und Toon Link