Culture Slot: Das Japan Filmfest in Hamburg

Klischees und Missverständnisse sorgen schon seit Menschengedenken für Barrieren zwischen Ländern und Kulturen. Genau diese Barrieren versucht man...

Wie Ihr alle sicher wisst, haben wir uns der Berichterstattung japanischer Videospiele gewidmet. Jeden Tag und jede Woche liefern wir Euch auf’s Neue aktuelle News, Rezensionen und sonstige Meldungen aus dem Land der aufgehenden Sonne. Bei dem riesigen Fanatismus an japanischen Videospielen, ist es sicher auch naheliegend, dass wir uns ebenso für die japanische Kultur interessieren.

Mit unserem beliebten Culture Slot, wollten wir nicht nur den Umfang unserer Seite bereichern, sondern auch den Lesern von JPGames die Vielseitigkeit dieser oft missverstandenen Kultur näherbringen. Sicher wecken Artikel über Katzen-Cafés und aufgewärmte Hotpants bei uns Europäern einen eher merkwürdigen Eindruck, aber was wissen wir denn nun wirklich über dieses Land? Vielleicht wirken diese Informationen auf uns so befremdlich, weil wir fernab von all den Sitten und Kuriositäten nichts über den Japaner selbst, dem Mensch innerhalb dieser uns fremden Kultur bescheidwissen. Stört es Euch etwa nicht, dass Deutschland ständig mit Lederhosen, Bratwürsten und David Hasselhoff in Verbindung gebracht wird?

Klischees und Missverständnisse sorgen schon seit Menschengedenken für Barrieren zwischen Ländern und Kulturen. Genau diese Barrieren versucht man mit Veranstaltungen wie dem Japan Filmfest zu brechen. Am 23. Mai war es also wieder soweit. Zum dreizehnten Mal feierte die Hansestadt Hamburg das seit 1999 bestehende Japan Filmfest und lud Menschen aus Deutschland und Japan, durch das Medium Film, zum kulturellen und gesellschaftlichen Meinungsaustausch ein. Ziel des Japan Filmfestes ist es also nicht primär mit großartigen Filmen zu unterhalten, sondern allen voran Brücken zu bauen. Wir waren für Euch vor Ort und haben uns zwei der vorgestellten Filme angeschaut.

Children Who Chase Lost Voices from Deep Below

Ihr findet “Children Who Chase Lost Voices from Deep Below“ ist ein viel zu langer Titel? Nun, tatsächlich ist der Name dieses Animationsstreifens sogar so lang, dass er nicht einmal auf der Kinokarte gepasst hat. Diese Tatsache soll uns aber nicht von der Qualität des Films ablenken, denn hinter diesem sperrigen Titel verbirgt sich farbenfrohe Unterhaltung aus der Schmiede des Produzenten und Regisseurs Makoto Shinkai.

Makoto Shinkai wird von vielen Leuten bereits als der Neue Hayao Miyazaki gehandelt und konnte zuletzt mit seiner Arbeit an “5 Centimeters per Second“ von sich überzeugen. “CWCLVFDB“ (sogar die Abkürzung ist viel zu lang) handelt von dem jungen Mädchen Asuna Watase, welche schnell lernen musste, was es bedeutet erwachsen zu werden. Nach dem Tod ihres Vaters war die kleine Asuna praktisch auf sich allein gestellt. Zwar hat Asuna noch immer ihre Mutter, durch ihren Job als Krankenschwester bleibt den beiden allerdings nur wenig gemeinsame Zeit übrig. Eines Tages, als sich Asuna auf dem Weg zu ihrem Geheimversteck machte, begegnete sie eine furchteinflößende Kreatur.

Bevor ihr das Monster allerdings ernsthaften Schaden zufügen konnte, kam ihr märchengleich ein tapferer junger Mann zur Hilfe und weiste die Kreatur in ihre Schranken. Der tapfere Held mit dem Namen Shun erklärt, dass er aus dem vergessenen Land Agartha stammt und Asunas Welt betreten hat, um Antworten zu finden. Was für Antworten der gute Shun sucht und was es mit Argartha auf sich hat, müsst ihr allerdings schon selbst herausfinden. Mit 116 Minuten Laufzeit bietet Shinkais neuster Streich genug Spannung und Atmosphäre, um über die gesamte Zeit zu unterhalten.

Ein paar optische Paralelen zu “Das wandelnde Schloss“ und “Prinzessin Mononoke“ gibt es aber schon, als billigen Abklatsch kann man “CWCLVFDB“ allerdings nicht bezeichnen. In “CWCLVFDB“ ist längst nicht alles Freude und Sonnenschein, denn wie auch schon in “5 Centimeters per Second“ zieht sich ein melancholischer Grundton durch den gesamten Film, der sich vor allem am Ende deutlich macht. Wer Lust und Interesse an guter Anime-Unterhaltung hat, kann sich die Blu-Ray bereits bei Amazon vorbestellen.

Regisseur: Makoto Shinkai

Drehbuch: Makoto Shinkai

Release: 27. Juli auf Blu-Ray

Gantz – Die ultimative Antwort

Puh, wo fangen wir da am Besten an? Erstmal eine kurze Erklärung für all diejenigen, die sich nicht mit der Mangaszene beschäftigen. Gantz ist die Realverfilmung zum gleichnamigen Manga, welcher nun schon seit dem Jahre 2000 vom Mangaka Hiroya Oku gezeichnet wird. Gantz wird für seine aufwendig erstellten Hintergründe, seine realistischen Charaktere und für seine knallharte Brutalität von Fans auf der ganzen Welt geliebt. Auch in Japan sind Realverfilmungen zu Mangas keine Seltenheit mehr. Warum auch? Schließlich ist es deren Kulturgut, wäre also fragwürdig, wenn die Amis die Ersten gewesen wären.

Leider macht Gantz 2 die gleichen Fehler wie sein Vorgänger und somit auch wie etwa 90% aller Mangaverfilmungen – Es würdigt das Original nicht im Geringsten. An dieser Stelle werden wir nicht all zu detailliert auf die Story eingehen, da es sich bei diesem Film um einen Sequel handelt und wir somit entweder kräftig spoilern, oder den Rest von Euch langweilen würden. Gantz 2 knüpft im Grunde da an, wo der erste Teil aufgehört hat. Kei Kurono hat bereits einige Missionen mit der Maschine Gantz hinter sich und ist kurz davor hundert Punkte zu erreichen. Natürlich gibt es auch im zweiten Teil wieder mächtig Ärger mit außerirdischen Lebensformen. Diesmal sind diese in teuren Anzügen unterwegs und sind auf eiskalte Rache aus.

Nun, soviel zum Leitfaden der Geschichte, kommen wir aber jetzt nochmal auf die Würdigung des Originals zurück und somit auch zur eigentlichen Kritik. Wer mit dem Werk von Hiroya Oku vertraut ist, weiß genau, was für Qualitäten der Manga mit sich bringt. Es ist die harte, unverblümte Grausamkeit, die diese Mangareihe ausmacht. Die Manga-Adaption zu Gantz beweist aber wieder einmal, wie weit man über das Ziel hinausschießen kann. Neben den vielen inhaltlichen Abweichungen ist vor Allem die Umsetzung des Protagonisten Kei, gespielt von Kazunari Ninomiya, das beste Beispiel für einen gekonnten Schuss in den Ofen. Ist Kei im Original noch ein sexbesessener Egomane, bekommt der Zuschauer in der filmischen Umsetzungen einen weichgespülten Romantiker vorgesetzt.

Fans des Originals werden durch das größtenteils schlecht besetzte Cast (einige Charaktere fehlen sogar) und den vielen Abweichungen der Story enttäuscht sein. Einzig die Actionszenen können hier und da überzeugen, auch wenn diese im ersten Teil etwas spektakulärer ausgefallen sind. Man merkt, dass in Gantz 2 vor allem die Charaktere und ihre persönlichen Krisen im Mittelpunkt der Story stehen, was eine eigentlich tolle Idee ist, nur scheitert die Glaubwürdigkeit durch kitschige und langweilige Dialoge. Ein Blick in die Vorlage des Films reicht aus, um selbst dem größten Manga-Laien klar zu machen, dass da etwas nicht stimmt.

Regisseur: Shinsuke Sato

Drehbuch: Yûsuke Watanabe

Release: Bereits auf Blu-Ray erschienen