XSEED Games hat sich mit dem PSP Spiel Corpse Party an einen weiteren bisher im Westen noch unbekannteren Titel gewagt, der allerdings wegen dem damit verbundenen Risiko, nur als Download Version in Amerika und Europa angeboten wird. Die Horrospielreihe im Animestil hat in Japan dagegen schon eine längere Geschichte hinter sich und erfreut sich steigender Beliebtheit. Alles fing 1996 mit einem einfachen Fan Game an, welches erst ganze 12 Jahre später ein Remake für den PC bekam. Es folgten bis heute zwei PSP Spiele sowie mehrere Mangareihen und es ist noch lange kein Ende in Sicht! Laut XSEED Games soll Corpse Party durch seine komplexe Story, den grausigen Szenen und vor allem wegen dem einzigartigen Sounderlebnis im Horrorgenre positiv hervorstechen. Wir haben uns einmal selbst an das Spiel gesetzt und uns mit Taschenlampe bewaffnet in die Gruselschule gewagt, um zu sehen was an der Aussage dran ist:
Welcome to Hell
Wie kann man sich am besten die Zeit vertreiben, wenn man am späten Abend wegen strömenden Regen und Gewitter in der Schule festsitzt? Richtig, man erzählt sich Gruselgeschichten. Das jedenfalls ist die Idee, die eine kleine Gruppe von Schülern und eine Lehrerin aus der Kisaragi Oberschule hat. Für eine Schülerin der Klasse ist es leider der letzte Tag an dieser Schule und so kommen sie auf die Idee ein kleines Freundschaftsritual namens „Sachiko Ever After“ auszuprobieren, welches die Klassensprecherin im Internet gefunden hat. Doch nach der Ausführung passiert etwas Furchtbares. Ein Erdbeben reißt den Boden des Klassenzimmers auf und lässt alle Anwesenden in unendliche Tiefe fallen.
Sie finden sich voneinander getrennt an einem unbekannten Ort wieder, der alles andere als normal zu sein scheint. Es stellt sich heraus, dass sie in einer Horrorversion von Heavenly Host gelandet sind, eine Grundschule, die aufgrund von schrecklichen Vorfällen vor langer Zeit abgerissen wurde. Die Chance hier wieder lebend herauszukommen scheint gering, denn jeder falsche Schritt könnte ihr letzter bedeuten…
Was es mit dieser alternativen Version der Grundschule auf sich hat und welches düstere Geheimnis sie verbirgt, erfahrt ihr Stück für Stück, umso weiter ihr euch in den zerstörten Korridoren voran wagt. Hierbei wechselt die Perspektive in den insgesamt fünf Kapiteln mehrfach zwischen den dort gefangenen Charakteren hin und her, so dass ihr immer eine andere Gruppe von zwei bis drei Personen steuert.
Zu loben wäre neben der Erzählart der Story, die sich wie eine Visual Novel präsentiert, besonders die Darstellung und Handlungsweise der einzelnen Charaktere. Sie sind typische japanische Schüler, die in eine vollkommen verrückte Situation hineingeworfen werden und dabei durch ihr realistisches Verhalten positiv auffallen. Jeder hat so seine Eigenarten, Ausdrucksweise und Persönlichkeit, die euch nahegebracht wird. Sie mögen ab und an etwas übertrieben wirken, aber sind alles in einem als sehr gelungen zu betrachten und lassen die Charaktere dadurch schnell sympathisch wirken.
Horrorabenteuer im Retrostil
Das Spiel mag vielleicht ein wenig gewöhnungsbedürftig wirken, da es sich absichtlich in einer Grafik präsentiert, die in einem 16-Bit Stil daherkommt und an alte Super Nintendo Titel erinnert. Zwar merkt ihr, dass innerhalb des bestehenden Stils schon Wert auf die Darstellung gelegt wurde und diese dadurch nicht langweilig erscheint, doch ist sie insgesamt als nichts Besonderes anzusehen. Zudem ist es etwas merkwürdig, dass einige der Sprites farblich anders aussehen, als das dazugehörige Artwork des Charakters. Seine Anfänge hatte Corpse Party übrigens als RPG Maker Titel, daher auch die veraltete Grafik, die einfach in überarbeiteter und neugestalteter Form übernommen wurde. Dafür ist das Charakter Artwork sehr hübsch anzusehen, welches in Eventszenen zum Zuge kommt und dazu gibt es noch Eventbilder im Animestil.
Der Gameplayteil des Spieles ist einfach gestaltet und erinnert an ein Point’n Click Adventure oder auch ein RPG ohne Kämpfe, wie Publisher XSEED Games es gerne sagt. Ihr steuert eure Figur durch die Gänge und Räume der Schule und könnt mit dem X Button Gegenstände untersuchen, Personen ansprechen oder Nachrichten lesen. Es gibt Items, die sich einsammeln lassen und an einer anderen Stelle benötigt werden, um beispielsweise über ein Loch im Boden zu kommen oder eine verschlossene Tür zu öffnen. Dazu gesellen sich einige kleinere Rätsel, die allerdings leider alles andere als eine Herausforderung darstellen.
Dabei kann jederzeit etwas Unvorhergesehenes passieren und für den einen oder anderen Überraschungsmoment sorgen. Zum Beispiel tauchen Geister aus dem Nichts auf und beginnen euch ohne Gnade zu verfolgen. Eine Berührung mit diesen und das Spiel ist vorbei. Zusätzlich hat jeder Charakter einen HP Wert, dem aber nur in seltenen Fällen Bedeutung geschenkt wird, aber wenn es einmal etwas gibt, was an diesem Wert zerrt, dann solltet ihr zusehen, dass dieser nicht auf null herabsinkt. Jedoch bietet Corpse Party keine Funktion an, Informationen aus Gesprächen und Eventszenen zu sammeln und zum Nachlesen bereitzustellen, so könnt ihr euch leicht einmal verloren vorkommen, besonders nach einer längeren Spielpause.
Hier wirst du ganz sicher sterben!
Corpse Party spielt schonungslos mit eurer Neugier. In einem Moment wiegt ihr euch noch in Sicherheit und nur wenige Minuten später, werdet ihr gnadenlos ins Verderben gerissen. Eine einzige falsche Entscheidung, das betreten eines bestimmten Raumes oder einfach das Lesen von Notizen, die überall in der Schule verteilt sind, kann dazu schon ausreichen. Es gibt Momente, in denen eine klare Warnung ausgesprochen wird, die für Gewöhnlich berücksichtigt werden sollte, aber mal ehrlich, wer bitte hält sich denn an so etwas? Ihr etwa? Bei den Meisten wird die Neugier wahrscheinlich viel zu groß sein und als Belohnung wird dann ein schönes Wrong End folgen.
Wrong End ist die Bezeichnung der schlechten Enden in Corpse Party, von denen eine Vielzahl im Spiel vorhanden sind und eines haben sie alle gemeinsam, die lassen die Charaktere auf grausamer Art und Weise sterben. Hierbei ist auch nicht immer die optische Darstellung als das Schrecklichste anzusehen, es gibt nämlich Szenen die weitgehend mit einem schwarzen Bildschirm ablaufen, den Horror gezielt in Text, Synchronisation und Sound verpacken und den Rest eurer Fantasie überlässt. Es ist schwer sich in solchen Fällen nicht in die Situation hineinzudenken und sich das Geschehende gedanklich vorzustellen…
Wie viele Enden es pro Kapitel gibt, lässt sich im Menü nachschlagen und in dieser Liste wird auch festgehalten, was man schon freigespielt hat. Jedes Kapitel ist eigenständig zu betrachten und hat jeweils fünf Speicherplätze zur Verfügung stehen. Wird ein Kapitel mit dem richtigen Ende abgeschlossen, schaltet sich erst das Nächste frei und kann angewählt werden. Speichermöglichkeiten werden in Form von brennenden Kerzen dargestellt, die nur an bestimmten Stellen im Schulgebäude anzufinden sind.
Es wird geraten alle Speicherplatzmöglichkeiten auszunutzen und regelmäßig das Spiel zu sichern, denn könnt ihr euch leicht einmal in einer Wrong End Route verirren. Habt ihr dann keine Möglichkeit auf einen früheren Speicherstand zurückzugreifen, müsst ihr das Kapitel noch einmal komplett von vorne beginnen. An dieser Stelle sei noch zu erwähnen, dass ihr Eventszenen weder komplett überspringen noch verschnellern könnt und selbst mit passend gesetzter Speicherung werdet ihr euch Szenen zum wiederholten Male ansehen müssen, solltet ihr darauf aus sein, alle Enden zu schaffen.
Neue Beschäftigungsmöglichkeit: Leichen untersuchen
Schon zuvor wurden viele junge Leute unfreiwillig nach Heavenly Host befördert und fanden dort ihr Ende. Ihr werdet auf euren Weg eine Menge Skelette und Leichen von Schülern finden, die auf unterschiedlichster Art und Weise gestorben sind. Mithilfe der Namenschilder an ihren Uniformen können als kleine optionale Aufgabe Informationen über diese Personen gesammelt werden. Dazu zählen Name, Schule und die Todesart. Der einzige negative Punkt an der Sache kommt in Form eines Bugs daher, der in der US und EU Version auftritt und es verhindert an das letzte Namenschild zu kommen, aber darüber kann man hinwegsehen. Eine Übersicht der Nebenaufgabe und in welchen Kapiteln euch noch Namenschilder fehlen, findet ihr übrigens in eurem Menü.
Genau das richtige für die Ohren
Das was Corpse Party zu einem besonderen Erlebnis macht ist der binauale aufgenommene Sound, auch 3D Sound genannt. Wegen diesem sollte man Corpse Party unbedingt mit Kopfhörern spielen, denn nur so entfaltet der Sound seine volle Wirkung. Durch die spezielle Aufnahmeform könnt ihr zum Beispiel an bestimmten Stellen im Spiel Stimmen so hören, als würde die Person direkt hinter euch stehen oder ihr werdet von einer nervigen Fliege gestört, die euch immer um den Kopf herumzuschwirren scheint.
Ebenfalls einen entscheidenden Teil zur Atmosphäre tragen die Synchronisation und der Soundtrack des Spieles bei. Alle Szenen in Corpse Party sind komplett vertont und die Sprecher legen einen exzellenten Job hin. So lassen sie unter anderem durch eindrucksvolle Schreie die Todesmomente der Charaktere noch grauenvoller wirken. Für die Westversion wurde die japanische Synchronisation beibehalten, die aus namenhaften Sprechern, wie zum Beispiel Hiro Shimono, Eri Kitamura und Asami Imai besteht. Asami Imai singt dazu auch das beibehaltene Openinglied. Mit weitgehend hörenswerten Stücken, kommt der Soundtrack des Spieles daher. Ob düstere und gruselige Tracks oder Lieder die ein gewisses Retrofeeling mit sich führen, keines wirkt fehlt am Platz. Es hätte dem Spiel jedoch gut getan, wenn es noch mehr Soundtracklieder mit dabei gehabt hätte, denn mit der Zeit merkt man, dass doch zu wenige Musikstücke mit dabei sind.
Noch ist die Party nicht vorbei
Für den Horrorspaß werdet ihr je nach Spielgeschwindigkeit 10-15 Stunden brauchen. Vielleicht auch etwas mehr, wenn ihr alle Enden freispielen wollt und dafür noch einmal die Kapitel angeht. Als kleines Extra für eure Mühe euch bestimmte Wrong Ends anzuschauen, bekommt ihr insgesamt zehn Extra Kapitel. Diese sind weitgehend kleinere Szenarios, die aus Gespräche bestehen und zusätzliche Informationen über die Charaktere liefern. Leider gibt es keine weiteren freischaltbaren Funktionen, wie einen Gallerymode für die CG Bilder oder einen Soundmode. Sehr schade…
Das Spiel verfügt lediglich über englische Bildschirmtexte und ist daher nur für Englischkenner zu empfehlen. Wer nämlich die Story nicht versteht, wird mit Corpse Party nicht viel anfangen können, vor allem da es sehr viele Gespräche enthält. Ebenso ist das Spiel leider nur in Download Form über das Playstation Network zu erwerben. Der Preis hält sich dafür aber in einen fairen Rahmen.
Einen angenehmen Aufenthalt noch in Heavenly Host!
Corpse Party ist einer dieser Titel die eindeutig mehr Aufmerksamkeit verdient haben, da es als Horrortitel so gut wie alles richtig macht und dem Spieler bis zur letzten Minute zu fesseln weiß. Es gibt nur sehr wenige Punkte an diesem Spiel zu bemängeln, die den Spielspaß etwas senken könnten. Wer etwas Neues im Bereich Horror sucht und im Besitz einer PSP und einer gut funktionierenden Internetverbindung ist, der sollte sich dieses Spiel unbedingt einmal anschauen, denn auch wenn es in einem gewöhnungsbedürftigen Retrolook daherkommt, sorgt es genauso für gemeine Schreckmomente und grausige Szenen, wie realistisch aussehende Spiele des Genres. Allerdings sei an dieser Stelle gesagt, dass Corpse Party nichts für Leute mit schwachen Nerven oder einer Abneigung gegen Horror ist. Wie hübsch die Anime Charaktere auch aussehen mögen, bestimmte Inhalte könnten auf diese Leute vielleicht etwas zu grausam und verstörend wirken.

Story: Weiß den Spieler mit unerwarteten Momenten zu überraschen und ist zudem spannend und komplex gestaltet. Lässt allerdings bei einigen Enden noch Fragen offen und enthält kleinere Verwirrungsmomente. (9/10)
Grafik: Eine überarbeitete Version der RPG Maker Grafik, die sich im 16 Bit Stil präsentiert. Wirkt zwar veraltet, aber die Darstellung weiß doch zu überzeugen und dämmt den Gruselfaktor nicht ein. Dazu gibt es hübsches Anime Artwork und lohnenswerte CG Bilder. (6/10)
Gameplay: Verhält sich wie ein Point’n Click Adventure, in dem man seinen Charakter durch Gänge und Klassenräume steuern kann, um Gegenstände zu untersuchen, Nachrichten zu lesen, kleinere Rätseleinlagen zu lösen oder auch manchmal vor Geistern zu flüchten. (8/10)
Sound: Sorgt für eine fast schon perfekte Atmosphäre durch 3D Sound, einen schaurig schönen Soundtrack und japanischen Sprechern, die einen richtig guten Job hinlegen. (10/10)
Sonstiges: Viele unterschiedliche Bad Ends, die den Spieler zu schocken wissen, freischaltbare Extra Kapitel, die zusätzliche Dialoge zwischen den Charakteren zeigen und eine nette optionale Funktion, in Form von Leichen untersuchen, um Informationen über diese zu erhalten. (10/10)
Justy
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Guter Test im Gesamten – bringt mich aber dennoch nicht dazu, jemals tiefgründiger mich auf das Spiel einzulassen, da ich zur “schwache Nerven” Kategorie gehöre und schon von ersten Gameplayvideos auf Youtube ein ziemlich gestörten Nachtschlaf hatte. ^^
Da ich auch im Groben ungefähr weiß, auf wieviele grausame Weisen die armen Kinderchen ihr Leben lassen müssen, ist das für mich nochmal ein Extragrund – ich mag mir gar nicht ausmalen, wie das dann soundtechnisch noch zusätzlich rüberkommt. *schauder*
Das da noch etwas Verwirrung besteht von Story her, ist wohl normal da es ja auch noch eine Fortsetzung gibt, die glaube ich noch ein wenig dann darauf eingeht, so das dann alles logisch miteinander verknüpft ist.
Ein sehr schöner Bericht!
Das Spiel hat mich auch sehr gepackt, es ist einfach spannend. Auch wenn ich bei einigen Szenen und Geräuschen richtig schlucken musste. Obwohl ich gute Nerven habe, ist es für mich doch sehr nervenaufreibend, wenn mich eine Gestalt in einem Spiel verfolgt. Gänsehaut ist bei Corpse Party wirklich garantiert.
Schöne Review!
Ich sollte mir unbedingt mehr solcher Spiele zulegen. Das letzte mal als ich etwas vergleichbares gezockt habe, muss mit Time Hollow Jahre her gewesen sein T.T.
Danke fürs Lob.^^
Hoffe doch XSEED bringt auch Book of Shadows rüber. Möchte mehr über die Nebencharaktere in Erfahrung bringen.
Time Hollow war ein recht gutes Spiel find ich, aber so kurz. Hatte es jedenfalls zu schnell durch. Wenn es um solche Art Spiele geht, empfehle ich dir 999: Nine Hours, Nine Persons, Nine Doors für den DS. Ist leider nur bis nach Amerika gekommen, aber ein Import lohnt sich auf jeden Fall. Hat auch Horrorelemente enthalten, aber nicht so schlimm wie Corpse Party.
Wenn du es lieber etwas verrückter magst und einem Comicstil nicht abgeneigt bist, dann solltest du dir einmal Ghost Trick ansehen. Ist ebenfalls für den DS und gibt es als deutsche Version. Beide Spiele haben eine spannende Story mit unerwarteten Wendungen und ein nettes Gameplay.
interessantes review,
macht mir auf jeden fall lust auf mehr.
ich werd mir corpse party mal demnächst anschauen, klingt echt spannend und unterhaltsam.
schön, dass man auch bei der jp synchro geblieben ist, wobei eine englische wohl auch zu viel aufwand gewesen wäre, wegen dem 3d sound.
auf letzteres bin ich besonders gespannt.